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"Döner ist typisch deutsch"

Esra Isgören, Gjevrije Meta und Ebru Akbulut (von links) sind stolz auf ihre Ausstellung "Beste Freundinnen" im Kulturverein Burbach. Foto: Patricia Müller
Esra Isgören, Gjevrije Meta und Ebru Akbulut (von links) sind stolz auf ihre Ausstellung "Beste Freundinnen" im Kulturverein Burbach. Foto: Patricia Müller
Saarbrücken. "Meine Eltern kommen aus der Türkei. Aber ich komme aus Burbach", sagt Esra Isgören (19). Gemeinsam mit ihrer Kusine Ebru Akbulut (18) und ihrer Freundin Gjevrije Meta (19) will sie auf den Konflikt aufmerksam machen, den die drei Jugendlichen erleben. Denn sie haben türkische und kosovarische Wurzeln Von SZ-Mitarbeiterin Marija Herceg

Saarbrücken. "Meine Eltern kommen aus der Türkei. Aber ich komme aus Burbach", sagt Esra Isgören (19). Gemeinsam mit ihrer Kusine Ebru Akbulut (18) und ihrer Freundin Gjevrije Meta (19) will sie auf den Konflikt aufmerksam machen, den die drei Jugendlichen erleben. Denn sie haben türkische und kosovarische Wurzeln. Also zogen die jungen Frauen los und hielten ihre Saarbrücker Heimat in Bildern fest, so wie sie die Stadt sehen. Ihre Ergebnisse wurden bei der Eröffnung ihrer Ausstellung "Beste Freundinnen" beim Kulturverein Burbach am Freitag erstmals präsentiert.Ganz besonders faszinierten die Mädchen die Dinge in der Stadt, die für sie typisch deutsch sind. Sie fotografierten gepflegte Fassaden, grünende Bäume und die idyllischen Orte der Stadt. Aber auch die eher fraglichen Seiten Saarbrückens zeigen sie: Spielhallen, mit Graffiti besprühte Wände und Abfall. Die jungen Saarbrückerinnen stellen jedoch fest, dass selbst bei der Entsorgung noch Ordnung herrscht. Ein Bild zeigt sorgfältig sortierte Stahlgitter. "Das ist typisch deutsch", finden die Mädchen.



Aber auch türkische Besonderheiten haben die jungen Fotografinnen in Saarbrücken festhalten können. Auf einem Bild ist die Kaiserstraße zu sehen, darunter der Titel "integrierte Straße". Esra erklärt: "In der Straße gibt es einen Italiener, einen asiatischen Laden und dahinter eine Döner-Bude. Deshalb haben wir dem Bild diesen Namen gegeben." Doch sie sagt auch, dass es den Döner Kebab, so wie wir ihn kennen, eigentlich gar nicht gibt. "Eigentlich ist Döner typisch deutsch."

Genauso wie der Döner Kebab also ein wenig türkisch und ein wenig deutsch ist, fühlen sich auch die drei Mädchen. Manchmal hin- und hergerissen zwischen zwei Kulturen, einmal als Saarländerin, ein anderes Mal mehr als Türkin, "je nachdem, wo man gerade ist", sagt Esra. Sie leben jedoch nicht zwischen zwei Welten, sondern haben ihre eigene Welt innerhalb beider Kulturwelten eingerichtet, so eine Bildunterschrift mit dem Titel "Unterwegs".

Symbolisch ausgedrückt kehrt das "Anders sein" der Mädchen in einem Bild wieder. Es zeigt eine Pfütze und die kreisförmigen Wellen, die gerade erst gefallene Regentropfen hinterlassen haben. Esra erklärt: "Das Wasser ist die Gesellschaft. Und die Migranten sind die Tropfen. Sie kommen an, fallen zunächst auf, aber dann werden sie eins mit der Gesellschaft" und schiebt hinterher: "Das Wort Migranten mag ich aber eigentlich nicht."

Doch auch wenn die Fotografien die Sichtweise der türkisch- und kosovarischstämmigen Jugendlichen zeigen, bedeutet dies nicht, dass die Bilder keine Mitglieder anderer Kulturen betreffen. Frank Schilling, der Geschäftsführer des Kulturvereins, sagt: "Es geht darum, Klischees aufzubrechen. Sie fotografieren aus ihrer Perspektive und wir lernen daraus". Es gehe darum, Vorurteile zu überwinden. "Die Mädchen stehen besser mit beiden Beinen im Leben als mancher ihrer Mitmenschen", lobt Schilling.