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Dillinger Hütte
Störung am Hochofen sorgt für Ruß und Ärger

Am 8. August kam es zu einer Störung am Hochofen 4 der Dillinger Hütte. Die Wolke war weithin zu sehen. Das Problem ist noch nicht gelöst.
Am 8. August kam es zu einer Störung am Hochofen 4 der Dillinger Hütte. Die Wolke war weithin zu sehen. Das Problem ist noch nicht gelöst. FOTO: Steil TV / Wolfgang Steil
Saarlouis. Bürger in und um Saarlouis beschweren sich über Ruß an Häusern und in Gärten. Der Vorfall hat für die Dillinger Hütte ein Nachspiel. Von Lisa Kutteruf

„Eine Riesensauerei.“ „Mein Hund war nach dem Spaziergang kohleschwarz.“ „Läuft man barfuß oder mit Sandalen durch den Garten, sind die Füße dreckig.“ Seit mehreren Tagen verunreinigt ein defekter Hochofen der Dillinger Hütte Häuser, Vorgärten und Autos in der Umgebung. Nach Angaben der Saarlouiser Stadtverwaltung sind überwiegend Gebiete östlich der Saar von den Kohlenstaubpartikeln betroffen, unter anderem die Saarlouiser Stadtteile Roden, Fraulautern und Steinrausch sowie Teile der Gemeinde Schwalbach. Viele Anwohner sind verärgert und machen ihrem Unmut unter anderem auf Facebook Luft.


Nach Angaben der Dillinger Hütte handelt es sich bei den Rußpartikeln um Kohlenstaub. Sprecherin Ines Oberhofer versicherte, dass die Gesundheit nicht durch den Staub gefährdet werde. Laut Oberhofer wurde am Samstag am Hochofen 4 gearbeitet. Die Arbeiten seien durch eine Störung am 8. August nötig geworden, die sich für Anwohner durch eine schwarze Wolke bemerkbar gemacht hatte. Aufgrund der Störung musste der Hochofen in der vergangenen Woche stillgelegt werden (wir berichteten).

Von Freitag bis Samstag sollte die Störung behoben werden. Als hierzu der Abzug geöffnet wurde, sei es „punktuell“ zum Austritt von Emissionen mit Rußpartikeln gekommen. Dass diese nicht gesundheitsgefährdend sind, bestätigte auch eine Sprecherin des Umweltministeriums. Das Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz habe sich während der Arbeiten am Hochofen vor Ort davon überzeugt.



Auch gestern war die Störung noch nicht behoben. Oberhofer zufolge arbeiten Experten unter Hochdruck daran. Der Ausstoß von Prozessdampf und begleitenden Geräuschen könne aber auch in den nächsten Tagen nicht vollständig ausgeschlossen werden. Wann das Problem vollständig gelöst ist, konnte Oberhofer nicht sagen.

Der Saarlouiser Oberbürgermeister Peter Demmer (SPD) hat sich inzwischen als Vermittler eingeschaltet. Nach Angaben der Stadtverwaltung regte er die Betreiber der Dillinger Hütte in einem Gespräch dazu an, offensiv mit der Situation umzugehen und die Bevölkerung schnell und umfassend über die komplette Sachlage zu informieren.

Ob der Verzehr des dunklen Rußes gefährlich ist, blieb derweil unklar. Eine Mutter aus Schwalbach hatte in einer E-Mail gefragt, ob man Brombeeren, Himbeeren und Salat, die dem Staub ausgesetzt waren, bedenkenlos essen könne. Eine Frage, die auch die Saarlouiser Grünen beschäftigt. Sie fordern Aufklärung von Seiten der Dillinger Hütte. „Hier drängt sich selbstredend der Verdacht einer Umweltbelastung und möglichen Gesundheitsgefährdung auf“, erklärte der Saarlouiser Grünen-Chef Hubert Ulrich. Es müsse etwa geklärt werden, ob auch der Gemüseanbau in der Lisdorfer Aue betroffen ist.

Die Grünen kündigten an, das Management der Dillinger Hütte deshalb zur nächsten Sitzung im Stadtrat einladen zu wollen. „Wir erwarten, dass das Unternehmen umfangreich Stellung zu diesem Ereignis und seinen Auswirkungen bezieht. Schließlich geht es auch um die Gesundheit der Bevölkerung.“ Falls es zu Sachschäden gekommen sei, müsse das Unternehmen auch eine Entschädigung zahlen.

Betroffene Bürger können sich telefonisch an die Dillinger Hütte wenden, Tel. (0 68 31) 4 72 551

So sah es aus, als ein Anwohner in Roden in seinem Garten über eine mit Kohlenstaubpartikeln bedeckte Fläche strich.
So sah es aus, als ein Anwohner in Roden in seinem Garten über eine mit Kohlenstaubpartikeln bedeckte Fläche strich. FOTO: Thomas Brünnet