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Rezeptsammelstelle
Digitaler Briefkasten fürs Arztrezept

Die bundesweit erste digitale Rezeptsammelstelle haben gestern Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU) und der Präsident der Apothekerkammer des Saarlandes, Manfred Saar, in Heusweiler-Kutzhof eingeweiht.
Die bundesweit erste digitale Rezeptsammelstelle haben gestern Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU) und der Präsident der Apothekerkammer des Saarlandes, Manfred Saar, in Heusweiler-Kutzhof eingeweiht. FOTO: Udo Lorenz
Heusweiler. Das Saarland erprobt in einem Pilotprojekt die digitale Rezeptsammelstelle. Bald auch Arzneimittel per Smartphone-App? Von Udo Lorenz

Ob starke Schmerzmittel, Herzpräparate oder Anti-Rheumatika: Patienten wollen in der Regel so schnell wie möglich ihr vom Arzt verordnetes Medikament erhalten – auch in ländlichen Regionen, wo die nächste Apotheke oft mehr als fünf Kilometer weit entfernt ist. Deshalb hat die Apothekerkammer des Saarlandes am Mittwoch in Heusweiler-Kutzhof die bundesweit erste digitale Rezeptsammelstelle in Betrieb genommen.


Sie ist an der Zweig-Gemeinschaftspraxis des Allgemeinmediziners Dr. Jörg Michalski angebracht und besteht aus einer Art „Briefkasten“ mit elektronischem Innenleben, in den die Patienten aus umliegenden Gemeinden ihr Arztrezept einscannen und so über das Handy-Funknetz sofort an die nächstgelegene Apotheke senden können. Dabei vermerken die Patienten auch mit, ob sie die Medikamente selbst abholen oder noch am gleichen Tag von ihrer Apotheke nach Hause geliefert haben wollen.

Zum Start des bundesweiten Pilot-Projektes, für das in drei Monaten erste Erfahrungsergebnisse vorliegen sollen, gab es im Hinterhof der Arztpraxis in Kutzhof am Donnerstag großen Bahnhof: Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU) steckte das erste Rezept in den digitalen Schlitz. „Der Gesundheitssektor wird sich in Zukunft digital neu aufstellen müssen. Die Dörfer dürfen nicht ausbluten“, sagte sie. In den vergangenen zehn Jahren ist jede fünfte der noch rund 300 Apotheken im Land auf der Strecke geblieben.



Der Präsident der Apothekerkammer und Inhaber der nächstgelegen Apotheke in Holz, Manfred Saar, versprach, dass künftig alle wochentags bis 14 Uhr (samstags 13.30 Uhr) eingescannten Rezept-Bestellungen von Medikamenten  noch am gleichen Tag geliefert würden. Und das, obwohl ein Apotheker im Schnitt nur etwa 8000 der bundesweit angebotenen 100 000 Medikamente bereithalten kann. Das reicht aber in 80 bis 90 Prozent der Fälle für die Sofortlieferung aus, sagt Saar: „Die nicht gleich in der Apotheke vorhandenen Medikamente werden im Großhandel bestellt und ebenfalls noch am gleichen Tag geliefert“.

Ergänzt wird die erste digitale Rezeptsammelstelle durch elf herkömmliche Papierrezept-Briefkästen, die in ländlichen Regionen aufgestellt sind und mehrmals in der Woche geleert werden. Die Medikamentenlieferung für die pro Leerung bis zu 40 Rezepte erfolgt dabei aber längst nicht so schnell wie bei dem digitalen Modellprojekt.

Zusammengebaut und installiert hat die digitale Rezeptsammelstelle das zentrale Apotheken-Rechen-Zentrum Darmstadt, das laut seinem Sprecher Reiner Haupt auch für die Verschlüsselung aller Daten zuständig ist und die Einhaltung aller Bestimmungen der Europäischen Datenschutzverordnung garantiert. Vorbereitet wird von dem Zentrum zudem bereits eine Smartphone-App, mit der ein Arztpatient sein Rezept selbst per Handy fotografieren und an einen vorab bestimmten Apotheker seiner Wahl übermitteln kann. Das Apotheken-Zentrum Darmstadt betreut derzeit rund 2500 Apotheken in Hessen, Baden-Württemberg, Thüringen und dem Saarland, die sich an der geplanten Rezept-App beteiligen können. Eine zweite digitale Rezeptsammelstelle ging am Donnerstag auch im baden-württembergischen Neidlingen in Betrieb.