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Elsass
Was Chinesen zu Weihnachten ins Elsass zieht

Der Weihnachtsmarkt rund um das Straßburger Münster ist inzwischen ein weltweiter Besuchermagnet.
Der Weihnachtsmarkt rund um das Straßburger Münster ist inzwischen ein weltweiter Besuchermagnet. FOTO: dpa/dpaweb / Rolf Haid
Straßburg. Die Adventsszeit hat sich im Elsass zu einem starken Wirtschaftsfaktor entwickelt. Vor allem Hoteliers, Restaurantbetreiber und die Geschäftswelt profitieren von den Millionen Besuchern. Von Jürgen Lorey

Vier Millionen Besucher waren es insgesamt in der Vorweihnachtszeit im vergangenen Jahr, schätzt die regionale Beobachtungsstelle für den Tourismus im Elsass (Orta). Am meisten vom Touristenboom in der Adventszeit profitiert die Metropole Straßburg. Zwei Millionen Besucher waren es laut Orta 2017, in Colmar rund 1,5 Millionen, in Mulhouse gut 1,4 Millionen. 60 Prozent der Weihnachtsmarkt-Besucher sind Tagestouristen, der Rest verbringt mindestens eine Nacht im Elsass. 81 Prozent kommen aus Frankreich, der Rest aus dem Ausland. Unter den ausländischen Besuchern stellen die Deutschen und Schweizer als Tagestouristen die Mehrheit. Es folgen die Belgier, Spanier, Italiener und Asiaten, die alle mindestens einmal in der Region übernachten.


Colmar verzeichnet gerade in diesem Jahr und auch jetzt während des Weihnachtsmarktes einen regelrechten Ansturm von Besuchern aus China. Grund dafür ist nach Angaben von Olivia Schreck von der Colmarer Touristinfo die in China ausgestrahlte Seifenoper „Chinese Restaurant“, für die im Juni die Dreharbeiten in der oberelsässischen Stadt stattfanden. Die zweite Staffel der Serie habe mit 250 Millionen Fernsehzuschauern und 2,8 Milliarden Klicks im Internet einen Riesenerfolg in dem Land gehabt, sagte Schreck im Regionalfernsehen France 3 Alsace. Viele chinesische Touristen kämen ins Elsass und vor allem nach Colmar, um die Originalschauplätze der Serie zu sehen. Von 2016 bis 2017 habe in Colmar die Zahl der Besucher aus China um 20 Prozent zugelegt. 2017 verbrachten von den insgesamt vier Millionen Besuchern in Colmar 6800 Chinesen mindestens eine Nacht in Straßburg. Anders als früher komme nun nach Angaben von Olivia Schreck eine gebildetere und jüngere Schicht aus China, vor allem Familien, Paare, die zwischen 30 und 40 Jahre alt sind und Englisch sprechen.

Die elsässischen Weihnachtsmärkte bedeuten für die lokale Wirtschaft einen regelrechten Geldsegen. Allein in Straßburg sorgen die Weihnachtsmarkttouristen für einen Umsatz von rund 250 Millionen Euro. Da lohnen sich die zwei Millionen Euro, die Stadt und Eurometropole Straßburg in diesem Jahr für die Ausrichtung des Weihnachtsmarktes ausgeben. 800 000 Euro davon werden alleine für die drastischen Sicherheitsvorkehrungen ausgegeben, weitere 20 Prozent gehen in Werbung und Marketing.



In einem Monat erwirtschaften die Restaurants und Gaststätten im Elsass so nach Angaben des Orta den Umsatz, den sie sonst in vier Monaten erzielen. Auch für das Hotelgewerbe ist die Vorweihnachtszeit äußerst gewinnträchtig: Im vergangenen Jahr zählte man in Dezember 780 000 Übernachtungen, so viele waren es im letzten Kalendermonat im Elsass noch nie. Innerhalb von 25 Jahren hat sich die Auslastung der Hotelbetten in der Region verdoppelt, von 36 Prozent im Jahr 1992 auf 72,1 Prozent im vergangenen Jahr. In Colmar lag die Auslastung sogar bei 86 Prozent, mehr als in Straßburg (81 Prozent) und Mulhouse (64 Prozent). Damit ist das Elsass in Frankreich die einzige Region, in der der Monat Dezember bei den Übernachtungszahlen annähernd so wichtig ist wie der August (790 000 Übernachtungen im vergangenen Jahr).