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Circus Krone
„Die Tiere dürfen keine Angst haben“

Im Löwenkäfig: Martin Lacey stammt aus einer englischen Zoo- und Zirkusfamilie und arbeitet mit Löwen und Tigern. Für seine Programme wurde der Tierlehrer beim Zirkusfestival in Monte Carlo mit dem Silbernen und dem Goldenen Clown ausgezeichnet. Seit 2001 ist Lacey bei Krone engagiert.
Im Löwenkäfig: Martin Lacey stammt aus einer englischen Zoo- und Zirkusfamilie und arbeitet mit Löwen und Tigern. Für seine Programme wurde der Tierlehrer beim Zirkusfestival in Monte Carlo mit dem Silbernen und dem Goldenen Clown ausgezeichnet. Seit 2001 ist Lacey bei Krone engagiert. FOTO: Zirkus Krone
München/Saarbrücken. Der Circus Krone ist berühmt für seine Tiernummern, die Tierschützer vermehrt kritisieren. Gastspiel in Saarbrücken vom 24. Mai an. Von Oliver Schwambach
Oliver Schwambach

Nach 20 Jahren gastiert der Circus Krone erstmals wieder in Saarbrücken. An der Spitze des über 100 Jahre alten Familienunternehmens – des größten Zirkus der Welt – steht Jana Mandana Lacey-Krone. Obwohl die 39-Jährige, die aus der Schweizer Zirkusfamilie Pilz stammt, keine gebürtige Krone ist, übertrug ihr die verstorbene Prinzipalin Christel Sembach-Krone den Zirkus. Der Circus Krone, der auch ein festes Haus in München unterhält, ist gerade wegen seiner Tierdressuren berühmt. Mittlerweile sehen diese jedoch viele kritisch; Krone muss sich immer wieder mit Protesten auseinandersetzen. Lacey-Krone arbeitet selbst mit Pferden und Elefanten. Ihr Mann, der Tiertrainer Martin Lacey (40), ist insbesondere für seine Arbeit mit Löwen und Tigern bekannt.


Frau Lacey-Krone, Sie sind zwar ein Zirkuskind, aber keine Zirkusprinzessin in dem Sinne, dass Ihnen der Circus Krone als Erbe in die Wiege gelegt wurde. Christel Sembach-Krone hat Ihnen quasi den Zirkus vermacht. Haben Sie da erst mal kräftig geschluckt, als Sie plötzlich Verantwortung für 300 Mitarbeiter und 200 Tiere hatten?

LACEY-KRONE Schlucken tue ich immer noch täglich. Ich nehme das sehr ernst, aber ich wurde auf diesen Moment hin auch vorbereitet, bin mit viel Verantwortung groß geworden. Das kam ja auch nicht urplötzlich. Was mir nun fehlt, ist, dass ich nicht mehr diesen Rückhalt, diese Erfahrung dahinter habe. Christel Sembach-Krone war eben für alle Mitarbeiter immer die Ansprechpartnerin, die Chefin, die man sich einfach wünscht. Zum Glück unterstützen das Team und mein Mann mich sehr.



Sie haben auch den Namen Krone angenommen, warum war Ihnen das wichtig?

LACEY-KRONE Die Adoption kam sehr spät, aber uns allen war es wichtig, dass das Unternehmen in München weiter als Familienunternehmen besteht und der Name erhalten bleibt.

Was war bislang die größte Herausforderung für Sie?

LACEY-KRONE Einfach alles am Laufen zu halten, neue Programme auch für den Winter, das sind ja drei, in München auf die Beine zu stellen. Der ganz normale tägliche Irrsinn halt.

Der Zirkus als Kunstform gehört zu den oft Totgesagten, die bekanntlich lange leben. Trotzdem, die Konkurrenz wird immer größer: Theater, Varieté, Kino, Fernsehen, Internet und Großevents buhlen ums Publikum. Wo positioniert sich da der Zirkus?

LACEY Das Live-Entertainment kann weder Fernsehen noch Internet schlagen. Die Show zu sehen, die Tiere zu riechen, das Popcorn, einfach live dabei sein zu können, das macht Zirkus aus. Das ist wie mit einem Fußballspiel: Das im Stadion sehen zu können, ist einfach etwas ganz anderes als nur vor dem Bildschirm. Und das Publikum kann bei uns mit der ganzen Familie dabei sein. Natürlich müssen auch wir immer wieder was tun, die Technik verbessern, die Vorstellungen verändern, aber das Live-Erlebnis ist und bleibt das Wichtigste.

Gerade in Frankreich und Kanada hat sich ein anderer Zirkus entwickelt, der etwa auf klassische Tiernummern verzichtet. Was gehört für Sie unverzichtbar zum Zirkus?

LACEY Artisten, Clowns und Tiere gehören natürlich dazu, es ist ja kein Varieté. Aber, wenn wir über den Circus Krone sprechen, hat der auch deshalb diesen großen Namen, weil er immer eine extrem hohe Qualität geboten hat. Und das muss so bleiben. Wenn man allein in München über 100 Jahre besteht, spricht das für sich. Unser Publikum weiß eben, wenn Krone kommt, dann stimmt die Qualität.

LACEY-KRONE Bei uns muss einfach auch für jeden was dabei sein – von den Jungs und Mädels bis hin zur Oma. Der „Cirque du soleil“ spricht eher eine bestimmte Generation an. Trotzdem gibt es aber auch von dort Einflüsse, die wir aufnehmen. Aber die Vielfalt ist uns genauso wichtig wie die Klasse der Artisten.

Wie kommen Sie zu Ihren Programmen?

LACEY-KRONE Wir machen das jetzt, aber wir arbeiten auch mit Scouts zusammen, die sich für uns umschauen.

LACEY Und das Zirkus-Festival in Monte-Carlo ist natürlich sehr wichtig. Wir verpflichten immer Gewinner von dort.

Krone hat eine große Tradition in der Dressur. Doch es gibt immer mehr Leute, die sich gegen Tierhaltung, insbesondere Großtierhaltung im Zirkus wehren. Die Tierschutzorganisation PETA hatte etwa ein Video ins Netz gestellt, das die Situation bei Krone anprangert und angeblich apathische Tiere zeigt.

LACEY Das ist ein großes Thema für meine Frau und mich, weil wir ja täglich mit den Tieren arbeiten. Und ich bin quasi mit den Löwen groß geworden. Das Publikum kann bei uns sehen, wie gut wir unsere Tiere behandeln. Natürlich gibt es Ausnahmen, dass es Tieren in irgendeinem Zirkus schlecht geht. Aber in Deutschland ist das kaum der Fall, weil alles sehr gut geregelt ist. Der Amtstierarzt kommt zu uns in jeder Stadt, in der wir gastieren. Und bei uns machen die Tiere nur natürliche Bewegungen. Für mich als Tierlehrer ist es wichtig, dass die Tiere keine Angst haben, etwas Bestimmtes zu tun, sonst könnte man gar nicht mit ihnen arbeiten.

LACEY-KRONE Uns tut das schon weh, wenn einem immer wieder vorgehalten wird, wir würden unsere Tiere schlecht behandeln. Wir beide arbeiten ja direkt mit den Tieren, führen den Zirkus gewissermaßen mit unseren Tieren zusammen. Deswegen öffnen wir an jedem ersten Tag an einem neuen Gastspielort auch kostenlos unseren Zoo: Dann kann sich jeder selbst ein Bild davon machen, dass es unseren Tieren gut geht.

Wo kommen eigentlich Ihre Tiere her?

LACEY Alle meine Löwen sind im Zirkus geboren. Und es gibt trotzdem keine Inzucht. Wir brauchen ja für unsere Arbeit auch intelligente Tiere.

LACEY-KRONE Zwei unserer Afrikanischen Elefanten kommen tatsächlich aus Afrika, aber das waren Waisen, deren Mütter wegen der Elfenbeinjagd ermordet wurden. Wie gehen nicht nach Afrika und fangen dort die Tiere ein. Wildtiere bedeutet ja nicht, dass Tiere direkt aus der Wildnis kommen.

Vor einigen Wochen kam bei einem Zirkustransport in Spanien ein Elefant zu Tode, weitere wurden verletzt. Warum setzt man die Tiere dieser Gefahr des Reisens und auch dem Stress einer solchen Fahrt aus?

LACEY-KRONE Zum Glück hatten wir noch nie einen solchen Unfall. Es hat sich aber auch viel gewandelt. Das Wichtigste ist, dass für das Tier alles reibungslos funktioniert. Die Fahrten müssen so kurz und komfortabel wie möglich sein.

LACEY Wir fahren deshalb jenseits der Hauptzeiten, wenn wenig Verkehr ist, es keine Staus gibt und im gesicherten Konvoi. Die Fahrzeuge sind luftgefederte Spezialfahrzeuge. Und uns ist es wichtig, dass die Tiere keinen Stress haben. Ginge es ihnen bei der Fahrt schlecht, würden wir das auch am nächsten Tag merken. Wir haben das auch wissenschaftlich nachprüfen lassen bei einer Testfahrt von München nach Monte Carlo. Da wurde der Cortisolgehalt (Cortisol ist ein Stresshormon, Anm. d. Red.) gemessen und nur ein ganz geringer Anstieg festgestellt. Die Tiere haben keinen Stress, weil sie das alles kennen. Wir schützen unsere Tiere bestmöglich, aber man sollte Tiere trotzdem nicht mit Menschen vergleichen.

Frau Lacey-Krone, zu Saarbrücken haben Sie eine ganz besondere Verbindung . . .

LACEY-KRONE Ja, ich habe da vor 20 Jahren meinen Führerschein gemacht, bin sogar extra damals nochmal vom Gastspiel in Trier zurückgekommen für die praktische Prüfung. Ich kann mich noch erinnern, dass ich durch Saarbrücken die ganze Zeit immer nur im dritten Gang gefahren bin.

Das Gespräch führte
Oliver Schwambach.

Hoch zu Ross: Jana Mandana Lacey-Krone ist nicht nur Direktorin, sondern auch selbst Star in der Manege.
Hoch zu Ross: Jana Mandana Lacey-Krone ist nicht nur Direktorin, sondern auch selbst Star in der Manege. FOTO: Zirkus Krone
Jana Mandana Lacey-Krone, Chefin des Circus Krone.
Jana Mandana Lacey-Krone, Chefin des Circus Krone. FOTO: Zirkus Krone