| 20:18 Uhr

Rock-Konzert
Die Shanty-Rock-Band Santiano entert die Saarlandhalle

Saarbrücken. Von Stefan Bohlander

Klänge wie von schweren Schiffsschrauben tönen quer durch die Halle. Langsam schwillt der Ton des Sonars an, wie man ihn von der Titelmusik zu „Das Boot“ kennt. Die Männer der MS Santiano betreten die Bühne, der Dampfer legt ab. „Könnt ihr mich hören“ heißt es zu Beginn – Saarbrücken kann. Bereits ab dem zweiten Lied gibt es munteren Seegang in der Saarlandhalle. Zu Beginn jedes Songs stehen die Fans des norddeutschen Quintetts auf, setzen sich am Ende wieder hin, um dann wieder aufzustehen. Santiano entfachen eine Woge der Begeisterung.


Die Seemannslieder und Shantys entfalten live ihr komplettes Rock-Potenzial. Nur einmal droht etwas Kitsch die Szenerie zu meutern – Ober-Charismatiker Björn Both singt mit der Sirene Anna Brunner das Herzschmerz-Duett „Im Auge des Sturmes“. Da sieht man den Bassisten mit dem prägnanten Bart in einer Filmszene, wie er mit offenem Shirt unter Wasser seiner Liebe nachtrauert. Doch bevor das stolze Schiff zu kentern droht, besinnen sich die Seebären ihrer Stärken und spielen irische Folksongs oder nehmen Versatzstücke bekannter Klassiker und vereinnahmen sie für ihr Gesamtkonzept. „All you Zombies“ mit seinem Reggae-Rhythmus beispielsweise wird zu „Bis in alle Ewigkeit (Walhalla)“.

Die Show bietet alles, was großen Stadionrock in diesen Gezeiten ausmacht. Pyro-Effekte, Konfetti-Kanone und Leinwand-Bilder, die Fernweh und die Freiheit auf hoher See thematisieren: rostende U-Boote, Öllampen, sepiafarbene Karten von fernen Ländern. Zwischendurch wirbelt Hans-Timm Hinrichsen über die Bühne und feuert die Besucher auf den Rängen an.

Noch bevor die Musiker die Bühne verlassen, hört man die Fans rufen: „Zugabe“. Sie endet mit einem projizierten Sternenhimmel und Nordlichtern. Nach fast zweieinhalb Stunden fährt der Santiano-Dampfer wieder in den Hafen ein.