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Weltkulturerbe Völklinger Hütte
Die Queen adelt die Völklinger Hütte

Königin Elisabeth II. in der Staatskarosse bei der Kutschfahrt zur Krönungszeremonie - das war am 2. Juni 1953. Heute ist die Queen 91 und weltweit die dienstälteste Monarchin.
Königin Elisabeth II. in der Staatskarosse bei der Kutschfahrt zur Krönungszeremonie - das war am 2. Juni 1953. Heute ist die Queen 91 und weltweit die dienstälteste Monarchin. FOTO: dpa / -
Völklingen. Das Jahresprogramm 2018 des Völklinger Weltkulturerbes steht. Die Hauptattraktion ist der Mythos Elisabeth II. Von Cathrin Elss-Seringhaus
Cathrin Elss-Seringhaus

Kennst du einen, der einen kennt, der die Queen porträtiert hat, ja dann... Dann findet Jahrzehnte später die Windsor-Dynastie-Chefin nach Völklingen, in die Hütte. Der Weltkulturerbe-Chef zeigt ab 19. Mai die „Legende Elisabeth II.“. Dies deshalb, weil Meinrad Maria Grewenig Luciano Pelizzari kennt und weil der bei einem Künstler Schüler war – bei Pietro Annigoni – der riesige Leinwandbilder der Queen malte. Jedenfalls fing Pelizzari am Thema Royals Feuer, wurde zum Sammler von Münzen, Fotos, Gemälden, und weil er als Lebensgefährte der Unternehmerin Silvia Martin (Möbel Martin) auch im Saarland präsent ist, blieb ein Kontakt mit dem Weltkulturerbe-Direktor nicht aus. So erzählt Grewenig die Vorgeschichte zur „Elisabeth“-Unternehmung. 2017 zeigte Pelizzari in Verona, wo er lebt, eine von ihm kuratierte Schau mit Briefmarken aus der eigenen Sammlung, die alle die britische Königin zeigen. Grewenig war vor Ort, war zufrieden – und jetzt wird eine Völklinger Sache daraus, von der zwei Seiten profitieren. Das Weltkulturerbe bekommt die Pelizzari-Exponate kostenfrei, das Renommee der Sammlung steigt.


„Wir haben unser eigenes Konzept, wir liefern keine Replik der Veroneser Ausstellung“, sagt Grewenig. Man werde Leihgaben anderer Sammler und Museen hinzufügen, um den gesamten „Mythos Queen“ auszuleuchten, die „die am meisten dargestellte Person des 20. und 21. Jahrhunderts“ sei. Man gliedere die Schau biografisch, zeige die Queen in der Kunst, die Queen und die Weltgeschichte, die Queen und ihre Familie – der große Aufschlag also, wie vom Weltkulturerbe gewohnt. Wobei Grewenig die Schau „Legende Queen Elisabeth II. Die Sammlung Luciano Pelizzari“ zwar für das publikumswirksamste Angebot im laufenden Jahr hält, vom Umfang und vom Etat her stuft er sie jedoch nicht als Großunternehmung ein. Erst 2019 sei wieder eine millionenschwere Nachfolge-Ausstellung zur aktuellen „Inka“-Schau geplant, so Grewenig.

Die Royals und die Hütte – mancher mag das für eine abenteuerliche Themensetzung halten. Insbesondere Industriedenkmal-Fans, die das Eisenwerk auch durch das Programm als Ort der Arbeit und Technikgeschichte profiliert sehen wollen. Bisher fand der Weltkulturerbe-Chef immer, selbst für Rock und Pop, für die Kelten oder Buddha, zumindest einen dünnen roten Faden im wild gemusterten Wollknäuel der Weltläufe, der diese Ausstellungsprojekte mit der Hütte verknüpfte. Warum also ist die Queen Hütten-tauglich? Diesmal liefert die Zeitgeschichte Argumente: Für Grewenig ist das Jahr 2018 ein durch und durch britisches, wegen des Brexit, der Heirat des Elisabeth-Enkels Harry, und womöglich falle ja auch der Ruhestand der ältesten amtierenden Monarchin der Welt ins Jahr 2018? Welch eine Zusatz-PR wäre das wohl für die Völklinger Elisabeth-Hommage?

Mit internationaler Aufmerksamkeit rechnet Grewenig aber auch für seine zweite Ausstellung, für „Banksy’s Dismaland & Others“. Denn Banksy gilt weltweit als der König der Streetart-Künstler. Er steht nicht nur für klassische Sprühbilder, sondern auch für politische Kunstaktionen. „Dismaland“ (2015) ist beispielsweise eine Freizeitpark-Parodie, und im „Walled off Hotel“ in Bethlehem (2017) wird die Grenzsituation im Gazastreifen problematisiert. Der Fotograf Barry Cawston hat beide Projekte begleitet, in Völklingen werden sie nun erstmals durch seine Fotos außerhalb des Internets nacherlebbar. Wobei Cawstons Werke mehr sind als Dokumentarfotos, sie besitzen eine eigene starke Ästhetik. Das Weltkulturerbe zeigt sie ab 25. März – es ist der Start der Freiluft-Saison.

Außerdem hat sich das Team eine sozialgeschichtliche Aufgabe gesteckt. Man will das Thema „Arbeiten auf der Hütte“ vertiefen. Nicht durch eine zusätzliche Ausstellung, sondern neue Informationen werden direkt in den Besucherrundweg integriert. Geplant ist eine App, die den Arbeitsalltag vor Ort nacherlebbar macht. Zusätzlich wird die Skulptur „100 Arbeiter“ aufgestellt. Man hat den Konzeptkünstler Ottmar Hörl gewonnen, der mit Groß-Installationen im öffentlichen Raum Furore macht.



Vordringlich sucht sich Hörl Kultur-Ikonen als Modelle – Luther, Karl Marx oder die Nürnberger Madonna – und schickt sie als banale serielle Kunststoff-Modelle auf die Straße. Da steckt viel Ironie drin. Wie viel verträgt der Völklinger Hüttenarbeiter? Hörl werde „respektvoll“ vorgehen, heißt es aus dem Weltkulturerbe. Überprüfen kann man das am Tag der Arbeit, am 1. Mai. Dann ist Hörl-Vernissage.

Die britische Königin im Jahr 2017, laut Völklinger Weltkulturerbe ist sie die weltweit am meisten abgebildete Person des 20. und 21. Jahrhunderts.
Die britische Königin im Jahr 2017, laut Völklinger Weltkulturerbe ist sie die weltweit am meisten abgebildete Person des 20. und 21. Jahrhunderts. FOTO: dpa / Daniel-Leal Olivas