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Umstrittene Fastnachtsrede
Karnevalisten stärken CDU-Chefin: „Das gleicht einer Hexenjagd“

 Der Präsident des Bundes Deutscher Karneval, Klaus-Ludwig Fess.
Der Präsident des Bundes Deutscher Karneval, Klaus-Ludwig Fess. FOTO: Foto © Rich Serra - www.rich-se / Rich Serra
Stockach/Saarbrücken. Mit ihrem Witz über Toiletten für Intersexuelle hat Annegret Kramp-Karrenbauer bundesweit für Empörung gesorgt. Von Nora Ernst
Nora Ernst

Die obersten Karnevalisten im Bund und im Saarland – der Bexbacher Klaus-Ludwig Fess, Präsident des Bundes Deutscher Karneval, und Hans-Werner Strauß, Präsident des Verbands Saarländischer Karnevalsvereine – springen der CDU-Bundeschefin nun bei. Fess hält es zwar für legitim, Kritik daran zu äußern, das Ausmaß hat ihn aber überrascht: „Das gleicht meines Erachtens einer Hexenjagd.“ Er habe den Eindruck, die Presse und diverse Politiker hätten in den vergangenen Monaten nach etwas gesucht, das sie Kramp-Karrenbauer vorwerfen können und hätten nun eine Steilvorlage gefunden.


Die CDU-Chefin hatte in einer Fastnachtsrede vor dem „Stockacher Narrengericht“ in Baden-Württemberg über Toiletten für das dritte Geschlecht gewitzelt. „Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen. Dafür, dazwischen, ist die Toilette“, sagte sie (die SZ berichtete).

Fess betont, auch im Karneval gebe es Grenzen. Wenn ein Büttenredner die Menschenwürde verletze, Einzelne persönlich angreife, sich rassistisch äußere oder zu Gewalt aufrufe, gehe er zu weit. Aber das treffe in diesem Fall nicht zu. „Ich habe die Rede gehört. Man kann vielleicht anderer Meinung sein, man kann auch die Stirn runzeln, aber beleidigend war es nicht.“ Auch gegen andere Personengruppen werde in der Fastnacht kräftig ausgeteilt, ohne dass sich jemand daran störe. Über Kramp-Karrenbauers Seitenhieb auf das Gewicht von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) etwa habe sich niemand empört. Die CDU-Chefin hatte bei der „Saarländischen Narrenschau“ in St. Ingbert erklärt, Altmaier hätte Außenminister werden können, wäre er für die Flugbereitschaft der Regierung nicht zu schwer. Fess ist zudem überzeugt, dass Kramp-Karrenbauer in Stockach frei gesprochen habe. Sie habe relativ spontan auf die Anklage des Narrengerichts reagieren müssen und nur anhand einiger Stichpunkte gesprochen. „Das ist immer ein Unterschied, ob man aus der Situation heraus handeln muss oder ob man eine Rede ablesen kann.“



Auch Hans-Werner Strauß, der selbst bei dem Auftritt vor Ort war, kann die Aufregung nicht nachvollziehen: „Ich kann nicht verstehen, dass daraus jetzt ein Problem gemacht wird.“ Er ist der Meinung, dass Kramp-Karrenbauer nicht auf eine Minderheit abzielte, sondern sich gegen die Überzahl an Männern im Narrengericht behaupten wollte. „Ich kenne sie aus vielen persönlichen Gesprächen und ich weiß, dass sie mit Sicherheit keine bewusste Diskriminierung loswerden wollte.“ Er ist überzeugt, dass die Worte der CDU-Chefin besonders auf die Goldwaage gelegt werden. „Ich bin absolut sicher, dass in den vielen Tausend Karnevalsreden in den vergangenen Wochen Ähnliches gesagt wurde, ohne dass direkt von Diskriminierung die Rede war.“

Ein Fastnachts-Auftritt des Komikers Bernd Stelter hatte vor Kurzem ebenfalls für Furore gesorgt. Er hatte sich über Doppelnamen lustig gemacht, daraufhin stürmte eine Zuschauerin die Bühne und ging ihn scharf an. Ein Zeichen, dass die Deutschen weniger Spaß verstehen, sieht Strauß darin nicht: „Ich denke, generell sind die Deutschen nicht weniger spaßfreudig geworden, vielleicht ein bisschen kritischer, das mag durchaus sein.“ Aber Karneval sei ja auch nicht jedermanns Sache.

 Die CDU-Bundesvorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer.
Die CDU-Bundesvorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer. FOTO: dpa / Patrick Seeger
 Der Präsident des Verbandes Saarländischer Karnevalsvereine, Hans Werner Strauß.
Der Präsident des Verbandes Saarländischer Karnevalsvereine, Hans Werner Strauß. FOTO: Jörg Laux