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Lebensmittel
Die Maggi-Exzesse der Saarländer

Uwe Hoffmann zeigt im Saarbrücker Eiscafé Favretti sein würziges Maggi-Eis, das er mit Tomate, Basilikum, Liebstöckel und Salzcracker serviert.
Uwe Hoffmann zeigt im Saarbrücker Eiscafé Favretti sein würziges Maggi-Eis, das er mit Tomate, Basilikum, Liebstöckel und Salzcracker serviert. FOTO: dpa / Oliver Dietze
Saarbrücken. Was muss auf der Einkaufsliste eines Saarländers ganz oben stehen? Maggi. In keinem Teil von Deutschland ist das flüssige Würzmittel so beliebt wie im Saarland. Sogar Eis macht man hier daraus. Von Patricia Heine

Die braune Brühe schießt im Strahl aus dem Flaschenhals. Die gelben Scheiben saugen die Flüssigkeit auf. Färben sich braun. Werden matschig. Die rosa farbene Wurst schwimmt in einem braunen See. Kartoffel-Lyoner-Pfanne steht an diesem Tag auf dem Speiseplan der Kantine. Auf den Tischen wartet die wichtigste Zutat: Maggi. Die braune Flasche mit dem langen Hals und dem gelben Etikett. „Würze“ steht in roter Schrift darauf. Der Saarländer nennt es einfach „Es Maggi“. Und das passt zu allem. Suppen, Pfannen, Aufläufen, Fleisch. Schmeckt dann nicht alles gleich? Fragt sich der, der der braunen Brühe nichts abgewinnen kann. Doch das nuschelt man hierzulande besser nur leise vor sich hin. Denn wenn eines im Haushalt nicht ausgehen darf, dann ist das Maggi.


Nicht auszudenken, die Grumbeersupp ohne Maggi. Schlimmer noch als Pommes ohne Salz. Im Saarbrücker Nauwieser Viertel liegt ein Einkaufszettel auf dem Gehweg. Der Blick bleibt hängen am ersten Wort auf der Liste: Maggi. In keinem Bundesland ist der Verbrauch so hoch wie hier.

Frank Broniewski teilt die Leidenschaft der Saarländer nicht. Er ist auch kein echter. Der Geograf und Kartenliebhaber kommt aus Nordrhein-Westfalen. 2001 kam er ins Saarland. Die skurrilen Rezepte rund um das flüssige Würzmittel haben Broniewski dennoch inspiriert. Vor knapp zwei Jahren hat er eine Karte erstellt. Sie zeigt den Verbrauch von Maggi im Saarland.

Und weil die Saarländer auch kreative Köpfe sind, experimentieren sie immer wieder mit der braunen Tunke. Im vergangenen Sommer brachte Uwe Hoffmann in Burbach eine neue Eissorte auf den Markt: Das Maggi-Eis. In seiner Burbacher Eisdiele Favretti verkaufte er es und es schlug bei den Kunden ein wie eine Rakete. In ganz Deutschland berichteten Medien über ihn. Aus Luxemburg, Nordrhein-Westfalen, vom Bodensee und sogar aus Japan kamen die Leute, um seine verrückte Eis-Kreation zu testen. Nur ein kurzzeitiger Hype oder ein Dauerbrenner? Fast ein Jahr nach der Erfindung hat das Maggi-Eis im Eiscafé Favretti noch immer seinen festen Platz im Angebot. „Wir können es leider nicht rausnehmen“, sagt Hoffmann. Mittlerweile gebe es Stamm-Kunden, die täglich das Würz-Eis bestellen. Aus dem Experiment ist ein Verkaufsschlager geworden. Und vielleicht steht auf Japans Kantinentischen ja auch bald die braune Brühe.