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Die Liebe ist farbenblind

Saarbrücken. Die Frau ist blau und kugelrund und liebt Opern. Ihr Hund ist dürr und orange, liebt aber auch Opern. Der Mann ist dürr und orange und macht schrecklich gern Pralinen. Sein Hund ist blau und kugelrund und isst gern Pralinen. Weil aber die Leute immer spotten, dass hier doch Herrchen/Frauchen und Hund gar nicht zusammenpassen, wird eines Tages getauscht Von SZ-Redakteurin Susanne Brenner

Saarbrücken. Die Frau ist blau und kugelrund und liebt Opern. Ihr Hund ist dürr und orange, liebt aber auch Opern. Der Mann ist dürr und orange und macht schrecklich gern Pralinen. Sein Hund ist blau und kugelrund und isst gern Pralinen. Weil aber die Leute immer spotten, dass hier doch Herrchen/Frauchen und Hund gar nicht zusammenpassen, wird eines Tages getauscht. Und alle werden unglücklich. Weil die Liebe eben nix mit Äußerlichkeiten zu tun hat.Diese universelle Tatsache hat die geborene Freiburgerin, langjährige Saarbrückerin und Jetzt-Berlinerin Barbara Steinitz in ein hinreißendes Bilderbuch gepackt: "Schnurzpiepegal" ist im renommierten, der Bilderbuchkunst wunderbar aufgeschlossenen Schweizer Bajazzo-Verlag erschienen. Bei der Europäischen Kinder- und Jugendbuchmesse wird sie daraus eine szenische Lesung mit Musik anbieten.



Und kehrt damit an einen Ort zurück, der einen Lieblingsplatz in ihrem üppigen Lebenslauf hat: "Saarbrücken hat mir wahnsinnig gut gefallen", erzählt sie im Telefon-Interview. An der hiesigen Kunsthochschule studierte sie visuelle Kommunikation, war nach ihrem Abschluss hier noch eine Zeit lang Dozentin an der Kunstschule Kassiopaia - und hat auch anderweitig Spuren hinterlassen. Die Wandmalerei im ehemaligen Giago-Café am St. Johanner Markt stammte von ihr. Von der Saarbrücker Zeit zehrt Barbara Steinitz aber auch anderweitig: "Ich habe viele Saarbrücker Freunde hier in Berlin wiedergetroffen". Auch ihr Lebensgefährte, der Tänzer Ruben Reniers, kennt die Stadt. Er war Tänzer am Staatstheater-Ballett.

Aber festgelegt auf einen Ort war die 31-Jährige in ihrem Leben offenbar noch nie. Es gibt Leute, die haben mit 31 schon ziemlich viel gemacht in ihrem Leben. Und es gibt Leute, die haben in die paar Jahre so viel reingepackt, dass andere Leute da bequem zwei Leben draus machen würden. Barbara Steinitz ist so jemand. Geboren in Freiburg, soziales Jahr in England, Studium in Saarbrücken, Auslandssemester in Barcelona, nach dem Diplom ein paar Monate in einem Kulturzentrum in Nicaragua, dort die berühmte Autorin Giaconda Belli getroffen, mit ihr das erste Kinderbuch illustriert ("Der Baum"), jetzt freie Künstlerin in Berlin . Das wäre die Kurz-Form des Lebenslaufs.

Wobei da noch nicht erwähnt ist, dass sie auch noch Geige und Mandoline spielt. Und sich seit Nicaragua intensiv mit Schatten- und Puppenspiel befasst. So hat sie auf Anregung des bekannten Figurentheater-Spielers Günter Staniewski vom Theater Laku Paka ein Theaterstück für einen Zuschauer entwickelt. "Salvio Dalli - Der Blitzmaler" ist ein zweieinhalb-minütiges Theater für Einzelgänger. Ach ja, und mit ihrem Lebensgefährten macht sie eine gemeinsame Produktion, in der er tanzt und sie live zeichnet.

"Es kommen eigentlich alle Sachen zusammen, die ich gerne mache, und es macht mir Freude, das weiterzugeben", meint sie. Auch wenn man erst mal nicht reich wird damit. Und die halbe Zeit dafür draufgeht, sich und seine Kunst verkaufen zu müssen. Aber tauschen würde sie nicht. So ist das eben mit Liebe. Ob man nun blau ist oder dünn-kariert, von innen muss es passen.

Barbara Steinitz: Schnurzpiepegal. Bajazzo-Verlag, 36 Seiten, 14,90 Euro.

Auf einen Blick

Barbara Steinitz liest am 14. Mai, 9.15 Uhr, im Historischen Museum und um 14 Uhr im VHS-Zentrum, Zimmer 2. Bereits am 13. Mai, 15.30 Uhr, ist sie im Kultur- und Lesetreff (Kult) in St. Arnual. Aus "Schnurzpiepegal" hat sie gemeinsam mit dem Musiker Björn Kollin eine szenische Lesung mit bewegten Figuren und Live-Musik gemacht.www.buchmesse-

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