| 23:21 Uhr

Die Lebensbedingungen auf dem Land verbessert

Diesen Pflug, nach seinem Erfinder, dem Lothringer Mathieu de Dombasle, benannt, wurde von Pastor Deutsch eingeführt. Bis zu diesem Zeitpunkt war der hölzerne Pflug im Einsatz, und die modernere Variante erleichterte den Bauern die Arbeit auf den Felder. Fotos: SZ
Diesen Pflug, nach seinem Erfinder, dem Lothringer Mathieu de Dombasle, benannt, wurde von Pastor Deutsch eingeführt. Bis zu diesem Zeitpunkt war der hölzerne Pflug im Einsatz, und die modernere Variante erleichterte den Bauern die Arbeit auf den Felder. Fotos: SZ
Johann Matthias Deutsch wurde am 6. Juni 1797 in Euren bei Trier geboren und stammte aus einer Bauernfamilie. Er wurde 1820 im Dom zu Trier zum Priester geweiht und kam nach seiner Vikariatszeit in Noviand an der Mosel 1824 nach Merchingen. Er war der erste in Merchingen residierende Pfarrer Von SZ-Mitarbeiter Josef Bohr

Johann Matthias Deutsch wurde am 6. Juni 1797 in Euren bei Trier geboren und stammte aus einer Bauernfamilie. Er wurde 1820 im Dom zu Trier zum Priester geweiht und kam nach seiner Vikariatszeit in Noviand an der Mosel 1824 nach Merchingen. Er war der erste in Merchingen residierende Pfarrer. Merchingen stand 1824 als ehemals lothringisches Dorf noch vollständig unter dem Eindruck der französischen Epoche. Es war eine Zeit gewaltiger politischer und administrativer Veränderungen, die nach starken reformorientierten Persönlichkeiten verlangte. Durch die Verbesserung der Hygiene und das Ende der feudalen Bevormundung schnellte die Bevölkerungsentwicklung nach oben. Viele Menschen verarmten, auch durch die Veränderung des Eigentumsrechtes. Aus Merchingen suchten nicht wenige ihr Glück, in dem sie auswanderten. Die Priester sahen die Not der Menschen und suchten ihnen auch materiell zu helfen. Pastor Deutsch brachte auch das richtige Talent mit. So schrieb das Merziger Wochenblatt als Nachruf am 8. August 1858: "Pastor Deutsch war ein Mann von glücklichen Naturanlagen gewesen. Er hatte eine reiche Ader von Witz, den er in Gesellschaft in Fülle sprudeln ließ. Seine Beobachtungsgabe, die er in hohem Maße von der Natur empfangen, kam ihm sehr gut zustatten, sowohl bei der Bewirtschaftung seiner Felder als auch bei dem Unterricht, den er längere Zeit hindurch an seiner Ackerbauschule als Direktor erteilte." Dürftige Infrastruktur Die Infrastruktur des Dorfes war dürftig. So gab es zu der Kreisstadt Merzig keine feste Straße, der Schleiderweg war eine von Regengüssen und Wagenrädern zerfurchte Rinne, auf den wenigen "Anwändern" schaukelten die Bauernwagen beim Einbringen der Ernte. Sechs Pferde mussten vorgespannt werden, wollte man eine Last von 30 Zentnern von Merzig heraufbringen, berichten die Alten. Pastor Deutsch ließ vor allem den Weg nach Merzig ausbauen, bestehende Feldwege wurden hergerichtet und neue angelegt. Als Schulinspektor übergab er jedem Schüler, der die Schule verließ, einen Obstbaum und ermunterte so die Landbevölkerung an den Hängen der Berge Baumgärten (Bungerte) anzulegen. Angebaut wurde in Merchingen in der Fruchtfolge nach der Dreifelderwirtschaft. Ein Drittel des Landes wurde mit Winterfrucht (Roggen, Weizen) und ein Drittel mit Sommerfrucht (Hafer, Gerste) bestellt, während ein Drittel brach lag. Die Brache wurde als Viehweide verwendet. Heu musste teuer aus den Nachbarorten zugekauft werden. Pastor Deutsch veranlasste die Bauern in den brachliegenden Feldern Hack- und Hülsenfrüchte anzubauen oder den so genannten Luzerne-Klee als Futter für das Vieh. Erträge gesteigert So konnte der Boden wesentlich besser ausgenutzt und die Erträge gesteigert werden. Mit Wilhelm Tell von Fellenberg fand Pastor Deutsch einen Weggefährten der ebenfalls im Sinne der Sozialwirtschaft die Lebensbedingungen der Landbevölkerung verbessern wollte. Die Heirat Wilhelm Tells von Fellenberg mit Anna Rosalie Virginie Boch-Buschmann war eine glückliche Fügung für unsere Region, da er mit kurzen Unterbrechungen, wo er in der Schweiz seinen familiären Verpflichtungen nachkam, seine Heimat an der Saar fand. Wilhelm war der älteste Sohn eines der größten Schweizer Reformers und Pädagogen, Philipp Emanuel von Fellenberg. Wilhelm Tell von Fellenberg war ein Philanthrop, der den Menschen in seinem evangelisch-pietistischen Selbstverständnis dadurch helfen wollte, dass er ihnen Anleitung gab zur Verbesserung ihrer Lebensbedingungen, hauptsächlich durch Reformierung der Landwirtschaft. Er wollte die "Sittlichkeit" der Landbevölkerung durch eine sinnvolle Tätigkeit heben und zum Beispiel den Schnapskonsum einschränken. Fellenberg war auch kein unbeschriebenes Blatt in Sachen Landwirtschaft, denn er war bevor er an die Saar kam, Präsident des ältesten landwirtschaftlichen Vereins Europas, der "Ökonomischen Gesellschaft des Kanton Bern". Fellenberg konnte mit einiger Überwindung die katholischen Seelsorger schließlich von seinen Ideen und Erfahrungen überzeugen, besonders Johann Matthias Deutsch, der 1840 gar die Leitung der landwirtschaftlichen Local-Abtheilung übernahm, die er als Direktor bis 1851 leitete, seit den Revolutionsunruhen 1848 aber ruhen ließ. So wurde unter Leitung von Pastor Deutsch u. a. wie in Merchingen die Dreifelderwirtschaft verbessert. Es wurden modernere landwirtschaftliche Geräte eingeführt, wie den Dombal-Pflug (Pflug, entwickelt durch Mathieu de Dombasle aus Nancy, der in Roville in der Nähe von Nancy eine Landwirtschaftsschule unterhielt), der als "Eiserner", den "Hölzernen" Pflug ablöste.Über die hintersinnige Vorgehensweise von Pastor Deutsch berichtet Wilhelm von Fellenberg in einem Aufsatz bei Bärsch, Beschreibung des Regierungsbezirks Trier, 1849: "Ich bin euer Pastor, und in Pastorsdingen kann ich euch belehren; darin könnt ihr und müßt ihr mir ruhig und sicher folgen. Ihr seid Bauern, und in landwirtschaftlichen Dingen muß ich von euch lernen." Die "Lehrmeister" mussten aber bald einsehen, dass ihr "Schüler" immer mehr Land anschaffte, ihre Ratschläge befolgte, sie nur besser ausführte als sie selbst. Bereits 1934 wurde im "Der Bote von der Saar" in dem Artikel "Wie vor 100 Jahren Pastor Deutsch den eisernen Pflug an der Saar einführte" auf die Leistung Pastor Deutschs hingewiesen. Danach spornte das gute Beispiel des Pastors an und für das Wirtshaussitzen blieb immer weniger Zeit. Allerdings blieben die Bauern lange Zeit hartnäckig am Althergebrachten und wollten sich nicht von dem hölzernen Pflug trennen. Ein glücklicher Umstand aber half diese Vorbehalte der Bauern zu überwinden. Zehn Jahre gab es bereits den Dombalpflug im Villeroyschen Gut zu Fremersdorf, der Pastor hatte ihn selbst schon drei Jahre im Gebrauch, jedoch die Bauern waren einfach nicht von dem neuen eisernen Pflug zu überzeugen. Eines Tages fuhr ein Bauer spätabends seinen hölzernen Pflug zuschanden. Die Arbeit wurde leichter Es war zu spät am Tag, um einen Ersatzpflug zu besorgen. Da sah der Bauer den eisernen Pflug des Pastors einsam auf dem Nachbarfeld stehen. Heimlich nahm er den Pflug des Pastor Deutsch und konnte viel leichter mit dem Dombalpflug seine Arbeit verrichten, wie mit seinem Pflug. Diese Nachricht verbreitete sich in Windeseile durch das Dorf und der Dombalpflug trat seinen Siegeszug auch in Merchingen an. Die landwirtschaftlichen Reformbemühungen wurden von der preußischen Verwaltung mit Wohlwollen verfolgt, und so bekam Johann Matthias Deutsch für die Gründung der Ackerbauschule mit Internat 1846 in Merchingen die notwendige Unterstützung und Aufmerksamkeit. Zuvor hatte der Bauernpastor die Schweiz bereist, wo er mit Fellenberg Musterbetriebe und landwirtschaftliche Schulen besuchte. Dieses Projekt einer Ackerbauschule als Volksschule wurde selbst von Berlin aus beachtet, die sich über die Entwicklung der Schule regelmäßig berichten ließen. Die Schüler wurden auf einem Hof, dem Seminarhof, heute Anwesen Maria Collmann, in der Landwirtschaft unterwiesen. Das heutige Anwesen Josefine Bauer war das eigentliche Wohn- und Schulgebäude. Auf dem Lehrplan standen u. a. Ackerbau, Viehzucht, Obstanbau, Chemie. Allerdings wurde die Schule nicht in der erwarteten Weise von der Landbevölkerung angenommen und durch die dadurch notwendige Umstellung des Lehrplanes sah die Verwaltung das Lehrziel der Anstalt als gefährdet. Als der Schule laut Ehl aus "Mißgunst eines guten Freundes" der staatliche Zuschuss gestrichen wurde, musste sie bereits 1852 schließen. Aber die Erfahrungen und Ideen der Merchinger Schule wurden aufgegriffen und im Regierungsbezirk Trier in Niederweis bei Bitburg und auf dem Roscheiderhof bei Konz weitergeführt. Als Pastor Deutsch 1857 in seinem Ruhestand in Konz bei den Franziskanerinnen nach dem Vorbild des Schweizer Pädagogen Pestalozzi ein Waisenhaus einrichten wollte, stieß er bei dem Orden auf Unverständnis. Die Idee wollte er schließlich in Merchingen umsetzen. Bei dieser Reise, wo er auch seinen Neffen Hilarius Deutsch besuchte, starb Pastor Deutsch unerwartet am 10. Juli 1858 am Tage seiner Ankunft in Merchingen. Und so wurde er in dem Ort, wo er über 32 Jahre wirkte, beerdigt. Ein Teil seines Grabsteins, der im Krieg schwer beschädigt wurde, ist in der Marienkapelle am Galgenberg vermauert. Gebeine umgebettet Bei der Neugestaltung des Friedhofs nach dem Abriss der alten Kirche 1937 wurden die Gebeine des Pastors Deutsch umgebettet und unter den Friedhofslinden beigesetzt. 1958, hundert Jahre nach seinem Tode, setzte ihm die Gemeinde an der neuen Grabstätte einen Gedenkstein, der auch das Andenken an Pastor Pfeiffer wachhalten soll, der ebenfalls in Merchingen bestattet ist. Am 21. und 22. Juni 2008 veranstaltet die Dorfgemeinschaft Merchingen anlässlich des 150-jährigen Todestages ein Fest zu Ehren Johann Matthias Deutschs. Merchingen erinnert an die Reformen die Pastor Deutsch eingeleitet hat. So war für Merchingen in der Folge des Wirkens diesen als Bauernpastor in die Geschichte eingegangenen Aufklärers kein Merchinger Mitbürger in einem Armenhaus verzeichnet. Modern ist ebenfalls der gewählte Ansatz der Reformer Pastor Deutsch, Wilhelm Tell von Fellenberg und Eugen von Boch, der seine Ausbildung an dem Fellenbergschen Hofgut Hofwyl in der Schweiz erhielt, der Subsidiarität, der Hilfe zur Selbsthilfe. Fellenberg schaffte auch einem Verantwortungsprinzip des Staates für die Wirtschaft und die Menschen eine gewisse Geltung. In Schriftwechsel Fellenbergs mit der preußischen Verwaltung und auch in seinem politischem Wirken fordert er nicht nur für seine Bildungseinrichtungen die Unterstützung des Staates ein, und er möchte auch, dass der Staat im Sinne der Allgemeinheit einen geeigneten Rahmen setzt. Menschen, wie diesen Reformern, verdankt Deutschland, dass sich nicht der extreme englische und französische Liberalismus mit seinen prekären sozialen Nebenwirkungen durchsetzte, sondern eine in Richtung Nationalökonomie tendierende Verantwortungsgemeinschaft. Dieser Ansatz war weder liberal noch etatistisch. Die Bildung, unter der diese Reformer mehr verstanden als eine bloße Ausbildung, sondern eine starke sittliche, das heißt moralische Herausforderung sahen, sollte den Wohlstand der Landbevölkerung heben und die Loyalität zum Staat und der Gesellschaft befördern. Die Landwirte wurden zu mehr Selbständigkeit angeregt und mit ihren neu hinzuverdienten Vermögen konnten sie sich auch Produkte der sich entwickelnden Industrie leisten. Die Absatzbasis der Firmen wie des Keramikunternehmers Boch wurde vergrößert. Gleichzeitig verbesserten die Landräte wie Fuchs und von Briesen die Infrastruktur, die Hygiene und auch das Versicherungswesen. Aus den landwirtschaftlichen Vereinen entwickelten sich Genossenschaften und Sparvereine. Der Landrat von Briesen gründete die Sparkasse. Es gibt viele Gründe für das Dorf Merchingen, auf das Wirken und die Reformen Pastor Deutschs mit Dankbarkeit hinzuweisen.




Wilhelm Tell von Fellenberg.
Wilhelm Tell von Fellenberg.
Links das alte Pfarrhaus in Merchingen, 1824 für Pastor Deutsch von der Gemeinde erworben. Oben der Seminarhof, der zur Ackerbauschule von Pastor Deutsch gehörte, einem landwirtschaftlichen Musterbetrieb.
Links das alte Pfarrhaus in Merchingen, 1824 für Pastor Deutsch von der Gemeinde erworben. Oben der Seminarhof, der zur Ackerbauschule von Pastor Deutsch gehörte, einem landwirtschaftlichen Musterbetrieb.