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Die Kinder müssen hier auch mal mit anpacken

Die Kinder im Ferienlager waren begeistert, als der Polizei-Diensthund eine Ein-Euro-Münze im hohen Gras fand. Foto: Rolf Ruppenthal
Die Kinder im Ferienlager waren begeistert, als der Polizei-Diensthund eine Ein-Euro-Münze im hohen Gras fand. Foto: Rolf Ruppenthal FOTO: Rolf Ruppenthal
Heusweiler/Britten. Seit Jahrzehnten lädt der Saarländische Turnerbund eine große Zahl von Kindern zum Sommer-Ferienlager ein. Dieses Mal war sie in Britten. Und auch der Turnverein Heusweiler machte mit. Von SZ-Redaktionsmitglied Laura Blatter

Kasino-Abend, Geisterwanderung, Mini-Playback-Show und eine Erfrischung im Losheimer Stausee - den teilnehmenden Kindern wurde im Ferienlager der Saarländischen Turnerjugend (STJ) viel geboten. Seit drei Jahren findet die Freizeit auf dem Waldfestplatz in Britten statt.

In 25 Pfadfinderzelten übernachteten in der zweiten Juliwoche insgesamt 154 Kinder im Alter von sechs bis 13 Jahren. Mit dabei waren Jungen und Mädchen vom TuS Brotdorf, TV Bierbach, TV Aschbach, TV Heusweiler sowie Kinder der Saarländischen Sportjugend und der Gewerkschaft der Polizei. 22 Betreuer standen ihnen rund um die Uhr zur Seite. Außerdem sorgten 31 so genannte Teamer für die Verpflegung und das Programm. "Wir machen hier Vollpension", erklärt der Freizeitverantwortliche Fabian Theobald bei einem Besuch der SZ vor Ort und lacht.

Auch er war als Kind schon bei den Zeltlagern dabei, die der Turnerbund seit über 40 Jahren veranstaltet, erzählt er. "Zeltlager ist wie Urlaub bei der Oma. Hier dürfen die Kinder auch mal Dinge machen, die sie sonst nicht machen, wie zum Beispiel mal länger aufbleiben", sagt Theobald. Nur - so fügt der Freizeitverantwortliche hinzu - würden die Kinder nicht ganz so verwöhnt. "Sie müssen hier auch mal anpacken. Jeden Tag übernimmt ein anderes Team den Lagerdienst. Für dieses heißt es Tische aufstellen, abwischen und Ordnung auf dem Platz schaffen." Für die "Arbeit" würden die Kinder am Abend bei einer Nachtwache belohnt: "Dann dürfen sie länger am Lagerfeuer sitzen, und die Betreuer schmieren ihnen Nutella-Brote, oder sie bekommen Popcorn", erzählt Theobald.

Peter Schneider, Polizeikommissar und Freizeitbetreuer, macht die Arbeit mit den Kindern Spaß. Er hat seine drei Kinder Celine (8), Pascal (10) und Marcel (12) bereits im dritten Jahr mit dabei. "Es ist eine schöne Sache, sich ehrenamtlich zu engagieren, denn ohne Ehrenamtliche würde es ein solches Ferienlager nicht geben", gibt Schneider zu bedenken. Er hat Glück, dass er eine Woche Sonderurlaub genehmigt bekommt, wie er erzählt. Doch das sei bei den wenigsten Ehrenamtlichen der Fall, spricht Theobald ein Problem an: "Die meisten nehmen ihren Jahresurlaub in Anspruch, um dabei sein zu können. Der Gesetzgeber muss einfach Rahmenbedingungen schaffen, dass eine solche ehrenamtliche Tätigkeit weitergeführt werden kann. Sonst werden diese Ferienfreizeiten sterben, obwohl die Nachfrage da ist."

Mit dabei waren mittwochs auch zwei Diensthunde der Hundestaffel der saarländischen Polizei. Die Belgischen Schäferhunde Axe und Aick zeigten in einer kleinen Show ihre Leistungsfähigkeit. "Als die Diensthunde selbst eine Ein-Euro-Münze im hohen Gras fanden, waren die Kinder ganz begeistert", erzählt Peter Schneider. Und bei der Geisterwanderung im dunklen Wald sei selbst der größte Rabauke plötzlich kleinlaut geworden.

"Das war voll gruselig. Aber nur die Jungs haben geweint", verrät die neunjährige Johanna. Sie ist bereits zum dritten Mal beim Ferienlager dabei. Auch Lenny, elf, ist ein Wiederholungstäter: "Ich bin zum zweiten Mal hier, weil es mir einfach Spaß macht. Das Schlafen im Zelt ist witzig." Maria, sechs, mag die Unordnung im Zelt nicht: "Da muss ich immer mit den anderen schimpfen. Aber ich habe auch schon viele neue Freunde kennengelernt."