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Fastnacht
Die Karnevalsorden kommen aus einer Nalbacher Werkstatt

 Graveurmeister Jörg Fisch in seiner Werkstatt. 10 000 Karnevalsorden hat er allein in der laufenden Session für 80 Saar-Vereine produziert.
Graveurmeister Jörg Fisch in seiner Werkstatt. 10 000 Karnevalsorden hat er allein in der laufenden Session für 80 Saar-Vereine produziert. FOTO: BeckerBredel
Nalbach. Graveurmeister Jörg Fisch ist einer der wenigen, die das Handwerk beherrschen. Hergestellt werden die Fastnachts-Umhängsel heute meist in China. Von Frank Bredel

10 000 Karnevalsorden hat allein der Graveurmeister Jörg Fisch aus Nalbach in diesem Jahr für die saarländischen Karnevalsvereine bestellt. 80 Vereine haben Entwürfe bei ihm eingereicht oder sich einen Motiv-Vorschlag machen lassen, denn der Orden gehört zu den Basiselementen des karnevalistischen Brauchtums. Erfunden wurden die Orden in der Zeit Preußens, als die Karnevalisten in Köln die Obrigkeit auf die Schippe nahmen. Die mit Orden und Ehrenzeichen dekorierten Militärs und Adeligen unterstrichen ihre Macht, die Narren hielten dagegen und erfanden sich ihre Orden einfach selbst. Gehalten hat sich das bis heute.


Jörg Fisch ist der Mann, der im Saarland einer von zwei Anbietern für die bunten Umhängsel ist und in dessen Werkstatt in Nalbach die Orden der jetzt laufenden Session kistenweise umgeschlagen werden. Denn hergestellt werden sie bei ihm nicht mehr. „Nur noch die Kleinst­auflagen fertige ich selbst. Dann wird der Entwurf auf Transparentpapier in Blech gestochen, ausgefräst, geprägt und emailliert. Das ist eine Handarbeit, die kaum zu bezahlen ist. Die großen Auflagen werden alle in China hergestellt“, erzählt der Fachmann, dessen Handwerk langsam ausstirbt. Heute macht er noch die Entwürfe, bestellt dann in China die fertig gegossenen Orden und beseitigt in seiner Werkstatt Mängel, bevor die fertigen Orden an die Vereine ausgeliefert werden.

Trotzdem wird sein Wissen gebraucht. Fisch sorgt dafür, dass die Wünsche der Vereine in Fernost auch richtig umgesetzt werden. „Die einen bringen komplett fertige Entwürfe, andere bringen eine Skizze, nach der ich den Entwurf fertige. Die dritte Variante sind die Vereine, denen ich einen Orden komplett gestalte.“



Allen sei aber gemein, dass die Ordensmotive heute sehr sensibel ausgewählt würden. „Die bildlichen Darstellungen müssen politisch korrekt sein. Kritik an der Obrigkeit wird kaum noch in den Motiven verarbeitet. Meist geht es um das Sessionsmotto oder um Motive aus der jeweiligen Gemeinde.“ Trotzdem würden die Bilder immer aufwändiger, vor allem seit der Verband Saarländischer Karnevalsvereine den Ordenswettbewerb ausgeschrieben habe. Da hängen Würfel am Orden, oder es wird ein bewegliches Gardemädchen eingearbeitet oder bis zu zehn unterschiedliche Bilder miteinander farbenfroh kombiniert.

Kreativ und kunsthandwerklich interessant ist das allemal. Aber es werde auch gespart, sagt Fisch. Bei der Gesamtauflage werde gekürzt, oder es würden Pins statt Orden hergestellt. Pins seien viel günstiger und man könne sie an der Kleidung auch in den Folgejahren tragen. Verdrängen würden die Pins die Orden aber nicht und alle Vereine kreierten jedes Jahr neue Motive.

Allein Fischs Musterkiste der laufenden Session ist eine Schatzkiste, es macht Spaß, darin zu wühlen. Kein Orden gleicht dem anderen. Und dann ist da der Orden in Gitarrenform mit den großen Buchstaben „AKK“. Also doch noch ein politisches Motiv? Nein, die Gitarre ist der Orden des Arbeitskreises Karneval der Kolpingfamilie Kelheim (AKK). Und die benutzen die drei Buchstaben schon länger als die neue CDU-Bundesvorsitzende.