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"Die Jugendarbeit ist tot"

 Volker Hertel (ganz links) hört im Winter als Trainer von Borussia Neunkirchens zweiter Mannschaft auf. Mit den Spielern auf diesem Bild startete das Team im Sommer in die Verbandsliga. Foto: Purper
Volker Hertel (ganz links) hört im Winter als Trainer von Borussia Neunkirchens zweiter Mannschaft auf. Mit den Spielern auf diesem Bild startete das Team im Sommer in die Verbandsliga. Foto: Purper
Neunkirchen. "Für mich ist im Winter hier Schluss. Ich komme nicht von Kaiserslautern nach Neunkirchen für so ein Kasperletheater", sagt Volker Hertel. Er ist bis zum 31. Dezember noch Trainer der U23 des Fußball-Oberligisten Borussia Neunkirchen Von SZ-Mitarbeiter Sebastian Zenner

Neunkirchen. "Für mich ist im Winter hier Schluss. Ich komme nicht von Kaiserslautern nach Neunkirchen für so ein Kasperletheater", sagt Volker Hertel. Er ist bis zum 31. Dezember noch Trainer der U23 des Fußball-Oberligisten Borussia Neunkirchen. Am vergangenen Sonntag musste das Verbandsliga-Spiel seiner Mannschaft beim SV Habach abgesagt werden, weil er aus unterschiedlichen Gründen nicht genügend Spieler zu Verfügung hatte. Kommt dies noch zwei Mal vor, wird Borussia II vom Spielbetrieb ausgeschlossen. Derzeit ist das Team mit vier Punkten Vorletzter.In der Zulassungsordnung der Oberliga steht, dass ein Verein "während der gesamten Saison" eine weitere Herrenmannschaft und eine bestimmte Anzahl Jugendmannschaften stellen muss. Alternativ müsse "mindestens eine A-, B- und C-11 Juniorenmannschaft […] unterhalten werden." Sollte die U23 der Borussia abgemeldet werden müssen, müsste der Verein, um weiter in der Oberliga spielen zu können, einen Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung stellen, sagte Klassenleiter Hans-Bernd Hemmler auf SZ-Nachfrage.


"Die Situation war - auf Deutsch gesagt - schon von Anfang an beschissen", wettert Hertel, der die U23 im Sommer übernahm, und schiebt nach: "Nach dem Spiel am Sonntag hat sich keiner vom Verein erkundigt, warum das Spiel abgesagt werden musste. Ich bin ganz schön enttäuscht. So etwas habe ich in meiner Karriere noch nicht erlebt."

Hertel kam Anfang des Jahres als A-Jugendtrainer und Jugendkoordinator zur Borussia. Er erklärt seine Enttäuschung wie folgt: "Zum einen kümmert man sich nicht richtig um die Jungs. Und zum anderen haben wir mit 20 Spielern angefangen. Als einige nach vier Wochen gemerkt haben, dass nach oben nichts geht, sind sie einfach nicht mehr gekommen." Verletzungsbedingte Ausfälle verschärften die Situation.



"Wir haben vor der Saison die Personalkosten um 30 Prozent gekürzt. Mit der Folge, dass die zweite Mannschaft zum Nulltarif spielen muss", erklärt Sportvorstand Martin Bach und begründet die Einschnitte unter anderem mit dem Abtragen von Altlasten und der Belastung durch das Stadion. "Die Vorwürfe sind mit Sicherheit berechtigt. Aber der wirtschaftliche Handlungsspielraum ist leider wirklich bescheiden." Er hofft, dass sich die Lage durch die Rückkehr einiger Verletzter wieder etwas entspannt. "Ich denke nicht, dass es zu weiteren Spielabsagen kommt. Ab Januar kann man auch die A-Jugendspieler des jüngeren Jahrgangs auch in der U23 einsetzen", sagt Bach.

Die A-Jugend, die von Catalin Racanel trainiert wird, spielt mit massiver Unterstützung von B-Jugendlichen derzeit in der Kreisliga (vergangenes Jahr: Regionalliga) und musste wegen Personalproblemen ihr Spiel am letzten Samstag ebenfalls absagen. Eine B-Jugend meldete die Borussia diese Saison nicht zum Spielbetrieb an. "Die Jugendarbeit ist tot", formuliert Volker Hertel, "ich sehe, dass hier schon Potenzial ist, das aber einfach verschleudert wird. Das ist traurig."