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Die härteste Währung im Köllertal

Sonnenschein lockte am Samstag die Besucher zum Weinfest an der Burg Bucherbach. Foto: Jenal
Sonnenschein lockte am Samstag die Besucher zum Weinfest an der Burg Bucherbach. Foto: Jenal FOTO: Jenal
Köllerbach. Von der Sonne verwöhnt wurde das Weinfest der Interessengemeinschaft Burg Bucherbach nur am Samstag. Am Sonntag zeigte sich das Wetter weniger fein. Daran konnte auch Prinzessin Julia I. nichts ändern. Von SZ-MitarbeiterinBeatrix Hoffmann

Das Beste an heißen Sommertagen sind die Abende, die mit tropischen Temperaturen zum Draußensitzen animieren. Beim Amtsantritt von Prinzessin Julia weht ein sanftes Lüftchen. Die Burgruine in Köllerbach gibt eine vortreffliche Kulisse für ein Weinfest ab. Bunte Wimpel und Weinlaub schaukeln an Holzbuden. Der örtliche Männerchor singt von Wasser und Wein, von Trauben in der Tonne und: "Oh, du mein Köllertal".

Kaplan Christian Adams hatte für den ökumenischen Gottesdienst, der eben hier unter freiem Himmel stattgefunden hat, die Bibel durchforstet und 220 Stellen ausfindig gemacht, die sich um das Thema Wein drehen. Gerade ist Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer eingetroffen. In leger-schickem Freizeitlook mit weißer Hose und Ringelshirt übernimmt sie die Schirmherrschaft. Prinzessin Julia I. trägt ein keckes Dirndl und eine Hibiskusblüte am Zopf. Ritter Kunibert Jost, Chef der Interessengemeinschaft (IG) Burg Bucherbach, legt der Prinzessin eine grüne Schärpe mit gelben Fransen um, lässt sie Frohsinn geloben und dass sie mit Herz und Verstand dazu beitrage, dass viel gelacht, getrunken und gegessen wird.

"Strahlen, lächeln, Männer küssen - was Prinzessinnen so machen", bringt eine Besucherin Julias Aufgaben auf den Punkt. Festteilnehmer Michael Drumm verlangt "Rotwein Nummer zwei" am Italienstand. "Wenn man eine Nummer zu lieblich findet, geht man auf die nächste. Das ist der Trick dabei", erklärt er, während er Bucherbacher Burg-Bons (BBB) über den Tresen schiebt. Laut Kunibert Jost ist der BBB ("kennt keine Krise") die härteste Währung im Köllertal. Der Wein wird in Gläsern mit Burg-Gravur kredenzt. Wer will, kann sie statt Pfandrückgabe als Souvenir mitnehmen. "Aber bitte erst am Sonntagabend", sagt Kunibert Jost.

Jeder Weinstand ist einem anderem Anbaugebiet hold. Italien wird vom Musikverein Harmonie bewirtschaftet. Die SPD hat sich dem Elsass verschrieben. Die Ringer setzen auf Navarra in Nordspanien. Am Vorabend waren das Orgateam des KSV Köllerbach, unter Leitung von Henning Stüdemann, mit Wasserwaage, Scharnieren, Hämmern und Holzplatten zugange. Jetzt, beim Fest übertrumpfen sie alle mit ihrer selbst gebauten Bodega, die gleich nach drei Seiten hin Ausschankmöglichkeiten bietet. Hinter der Bodega wird Flammkuchen in den Ofen geschoben. Konsumiert wird für einen guten Zweck. Zehn Prozent - in Anlehung an den Zehnten, den früher die Fürsten von den Bauern einforderten - kommen der Burgruine zu Gute. Sanierungsmaßnahmen und touristisch Wirksames wie die effektvolle Illumination werden so finanziert. "Hier hat sich ja früher sehr viel abgespielt. Das soll wieder belebt werden", erklärt Kunibert Jost. "Das Konzept stimmt. Es ist auf Wachstum angelegt, und es wird in den nächsten Jahren weitergehen", meint Schirmherrin Annegret Kramp-Karrenbauer.

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HintergrundNach dem Fest ist bekanntlich vor dem Fest. Und so können sich ab sofort Anwärterinnen für das Amt der Prinzessin zu Bucherbach 2014 bewerben. Weil früher Grafen auf der Köllerbacher Burg residierten, soll der Prinzessin beim nächsten Weinfest ein stattliches Mannsbild zur Seite gestellt werden. hof