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Adelstitel
Die adoptierten Fürsten

Fürst Alexander zu Sayn-Wittgenstein-Sayn.
Fürst Alexander zu Sayn-Wittgenstein-Sayn. FOTO: dpa / Thomas Frey
Bendorf. Adelstitel werden in Deutschland nicht mehr verliehen. Mit Tricks geht’s dennoch — und der Adel wächst.

Graf, Fürst, Herzog: Seit fast 100 Jahren gelten in Deutschland Adelsbezeichnungen nur noch als Teil des Namens. Sie dürfen nicht mehr verliehen werden. Doch das macht sie für manche nur noch begehrenswerter. Manche lassen sich über Internet- und Zeitungsannoncen mit Adoption oder Heirat ergattern. Dabei fließen nach Expertenangaben insgeheim auch fünf- und sechsstellige Summen, die sich in Provisionen für Vermittler und Zahlungen an adoptierende Adelige aufteilen.


„Mir sind rund 60 adoptierte Fürsten von Sayn-Wittgenstein bekannt“, erklärt Alexander Fürst zu Sayn-Wittgenstein-Sayn im Schloss Sayn in Bendorf bei Koblenz. Darunter seien ganz normale Leute, aber auch einige dubiose Gestalten. Der legendäre Titelhändler Hans-Hermann Consul Weyer Graf von Yorck hat nach Worten des Bendorf-Sayner Fürsten vor langer Zeit die Heirat zwischen seiner entfernten Verwandten Gertrude Fürstin von Sayn-Wittgenstein und Bruno Lothar Koch vermittelt. Dieser wiederum habe mit seinem neuen klingenden Namen eine Reihe von Interessenten adoptiert. Zusammen mit deren weiteren Adoptionen und Kindern seien es immer mehr von Sayn-Wittgensteins geworden.

„Es gibt auch Firmen von adoptierten Namensträgern, die unser Wappen oder Fotos vom Schloss Sayn ohne unsere Genehmigung verwenden, zum Beispiel im Immobilien- und Vermögensverwaltungsbereich. Immer wieder bekomme ich auch Anrufe von Leuten, die in irgendeiner Form betrogen worden seien und von mir wissen wollen, wie sie die mutmaßlichen Betrüger erreichen könnten“, erzählt Fürst Alexander, Chef des Fürstenhauses zu Sayn-Wittgenstein-Sayn. Natürlich seien nicht alle adoptierten Sayn-Wittgensteins kriminell. „Manche amüsieren mich auch nur, zum Beispiel Karl Heinz von Sayn-Wittgenstein auf Mallorca. Das ist die Liga der cleveren Selbstdarsteller wie Frédéric Prinz von Anhalt“, sagt Alexander zu Sayn-Wittgenstein-Sayn. Auch der im Hunsrück-Dorf Wallhausen aufgewachsene und als achter Ehemann mit der 2016 verstorbenen Hollywood-Diva Zsa Zsa Gabor verheiratete Frédéric von Anhalt ist einst mit Hilfe von Consul Weyer zu seinem klingenden Namen gekommen. Laut Deutschem Adelsarchiv gibt es rund 80 000 Adelige in Deutschland, Erwachsenenadoptionen im Adel habe es aber sicher schon in über 100 Fällen gegeben.



(dpa)