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Dialog über die Sorgen der Kirche

Homburg/Erbach. Vertrauensverluste, Missbrauchsfälle und andere Sorgen und Nöte: Leichte Kost wurde bei einem Dialogabend, zu dem auch Bischof Karl-Heinz Wiesemann nach Erbach gekommen war, nicht serviert. Grundsätzlich ging es aber darum, wie die Katholiken im Bistum Speyer die Zukunft ihrer Kirche sehen Von SZ-Mitarbeiter Bernhard Reichhart

Homburg/Erbach. Vertrauensverluste, Missbrauchsfälle und andere Sorgen und Nöte: Leichte Kost wurde bei einem Dialogabend, zu dem auch Bischof Karl-Heinz Wiesemann nach Erbach gekommen war, nicht serviert. Grundsätzlich ging es aber darum, wie die Katholiken im Bistum Speyer die Zukunft ihrer Kirche sehen. Das steht in den "Zukunftsbriefen", die im Rahmen des Prozesses "Gemeindepastoral 2015" von den Pfarreien erarbeitet und an die Leitung des Bistums weitergegeben wurden. Bei insgesamt 26 Dialogabenden in den Pfarrverbänden wird nun über das beraten, was in diesen Briefen steht; diesmal ging es im voll besetzten Pfarrheim Maria vom Frieden in Erbach über die Anregungen der Pfarreien des Pfarrverbandes Homburg.Und das mit hohem kirchlichem Besuch: Unter der Moderation von Kanzleidirektor Wolfgang Jochim diskutierten neben Bischof Wiesemann, Generalvikar Franz Jung, Domkapitular Franz Vogelgesang, die Vorsitzende des Katholikenrats im Bistum Speyer, Maria Faßnacht, sowie Irene Wimmi, Vorstandsmitglied des Katholikenrates, überaus angeregt mit den Vertretern des Pfarrverbandsrates, des Pfarrgemeinde- und Verwaltungsrates. Zu großen Themenblöcken hatten sich die Gremien der Pfarrgemeinden Gedanken gemacht und ihre Sorgen und Nöte, die durch das Gemeindepastoral 2015 entstanden sind, in den Zukunftsbriefen dargelegt. Vier Briefe aus St. Fronleichnam, Maria Hilf, St. Josef Frankenholz sowie der Projektpfarrei Homburg 1 von zehn Gremien des Pfarrverbandes Homburg seien in Speyer angekommen, sagte Irene Wimmi. "Ein Alarmzeichen oder ein Zeichen der Enttäuschung?", fragte Maria Faßnacht. Es sei an der Zeit, dass die Menschen Antworten von der Kirche auf ihre Fragen erhalten. Die Kirche habe "viel an Strahlkraft verloren und befindet sich in einer schweren Krise", beklagte sie "ein Vertrauensdefizit" - dies angesichts einer nachlassenden Resonanz und angesichts der Tatsache, dass immer mehr Gemeindemitglieder der älteren Generation zuzurechnen sind.

Auch andere Themen spielten eine Rolle: der Umgang mit der Zulassung geschiedener Wiederverheirateter zum Empfang der Kommunion und der Umgang mit den Missbrauchsfällen. In diesem Zusammenhang kamen die Vorfälle am früheren Internat des Homburger Johanneums zur Sprache. "Das ist in Homburg ein brennendes Thema und wird kontrovers diskutiert", erklärte Peter Fuchs vom Pfarreirat der Projektpfarrei Homburg 1. Man müsse den Orden ermutigen, "die Fälle anzugehen und aufzuarbeiten", antwortete Bischof Wiesemann. Gleichzeitig machte er deutlich, dass der Orden mit dem Thema "nicht richtig umgeht". Für die Kirche sei dies "ein Prüfstein der Glaubwürdigkeit", unterstrich Christoph Brass. "Die Glaubwürdigkeitsdebatte in der Kirche ist wichtig", so der Bischof. Er habe dem Orden in dieser Angelegenheit einen "sehr ernsten Brief" geschrieben, stellte Generalvikar Jung klar: "Die interne Bereitschaft des Ordens zur Aufarbeitung ist jedoch nicht genügend vorhanden." Fuchs brachte die finanzielle Beteiligung des Bistums an der Schule ins Gespräch und forderte es auf, "sich als Bistum hier eindeutig zu positionieren".

Die Runde beschäftigte sich zudem damit, wie man Menschen aller Alters- und sozialen Schichten ansprechen und in den Schoß der Kirche holen könnte. Der Bischof warnte vor dem Versuch einer "Rundum-Versorgung". Dies sei personell angesichts schrumpfender Gemeinden kaum machbar. Beklagt wurde zudem die Überforderung des Ehrenamtes. Vor allem in der Projektpfarrei, wo mehrere Pfarreien zusammenfinden müssten, stoße man an Grenzen.