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Der neue Bischof übernimmt sein Amt

Trier/Saarbrücken. Darauf mussten die rund 1,6 Millionen Katholiken in Deutschlands ältester Diözese dieses Mal ungewöhnlich lange warten: Fast 16 Monate nach der Verabschiedung von Reinhard Marx bekommt das Bistum Trier am Sonntag einen neuen Bischof Von SZ-Mitarbeiter Rolf Seydewitz

Trier/Saarbrücken. Darauf mussten die rund 1,6 Millionen Katholiken in Deutschlands ältester Diözese dieses Mal ungewöhnlich lange warten: Fast 16 Monate nach der Verabschiedung von Reinhard Marx bekommt das Bistum Trier am Sonntag einen neuen Bischof. Um kurz nach 15 Uhr wird der "Botschafter" des Papstes in Deutschland, Jean-Claude Périsset, dem 46-Jährigen im Dom die Ernennungsurkunde überreichen.


Mit Stephan Ackermann wird erstmals seit Bernhard Stein (war bis 1980 Bischof) wieder ein Trierer Bistumspriester Bischof von Trier. Der promovierte Theologe wurde 1963 im Eifel-Ort Mayen geboren und war seit Mai 2006 Weihbischof von Trier.

Zu Ackermanns Einführung werden mehrere tausend Besucher erwartet, darunter zahlreiche Ehrengäste aus Kirche, Politik und Gesellschaft. Mit dabei auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch.



Knapp 2000 Gläubige fasst der Dom. Wer die Einführung in der Bistumskirche hautnah miterleben möchte, sollte daher rechtzeitig vor Ort sein. Um 13.30 Uhr, also anderthalb Stunden vor Beginn des Pontifikalamts, wird der Dom geöffnet.

Wer dort keinen Platz bekommt, kann die Ackermann-Einführung auch auf einer Großleinwand in der St. Gangolf-Kirche mitverfolgen.

Eine gute Gelegenheit, den neuen Trierer Bischof hautnah zu erleben, gibt es aber schon an diesem Samstag: Ab 13 Uhr pilgert Stephan Ackermann mit Mitgliedern des Domkapitels von der Jesuitenkirche durch die Südstadt zur Benediktinerabtei St. Matthias. In der dortigen Krypta sind die Gräber der ersten beiden Trierer Bischöfe Eucharius und Valerius.

Zwischenzeitlich hat Bischof Ackermann auch sein neues Domizil neben der Liebfrauenkirche bezogen. Die Trierer Kunstschmiede Matthias Apel, Marco Reichert und Stefan Marx montierten diese Woche das neue Bischofswappen. Es ist zehn Kilogramm schwer und aus Kupferblech. Darauf zu sehen: das Trierer Kreuz als Bistumssymbol, ein Pflug als Symbol für den Familiennamen Ackermann und ein Palm-Zweig - er steht für den Märtyrer Stephanus, den Namenspatron des Bischofs.

Der Festgottesdienst zur Einführung des neuen Bischofs wird am morgigen Sonntag ab 15 Uhr live im dritten Fernseh-Programm Südwest übertragen. Im Radio: SR 2 ab 14.04 Uhr; Internet-Radio www.sr-online./de/sr2. Die ausgeschilderten Parkhäuser sind von sechs bis 21 Uhr geöffnet.

Meinung

Kein Mini-Marx

Von SZ-Redakteur

Guido Peters

Erst Marx, jetzt Ackermann. Nein, da bahnt sich kein kirchenpolitischer Umbruch im Bistum Trier an. Wenn am Sonntag Stephan Ackermann auf dem Bischofsstuhl Platz nimmt, steht das zunächst einmal für innerkirchliche Kontinuität in Deutschlands ältester Diözese.

Gewiss, sein Vorgänger Reinhard Marx, der profilierte Sozialethiker und kirchenintern konservative Oberhirte ("Wer den Zeitgeist heiratet, ist morgen schon Witwer"), hat Pflöcke eingeschlagen: Sei es durch die Zusammenlegung von Pfarreien, die Konsolidierung der Finanzen oder die Straffung der Bistums-Verwaltung. Ackermann wird zunächst einmal diese Arbeitsfelder weiter beackern müssen, wenn er das Bistum fit für die kommenden Jahre machen will. Eine Kehrtwende dürfte es dabei nicht geben. Wohl aber das ein oder andere Nachjustieren. Deutschlands jüngster Diözesan-Bischof ist selbstbewusst genug, dabei seine eigene Handschrift zu hinterlassen - kein Mini-Marx eben. Im kirchlich "jugendlichen" Alter von 46 bereits im Bischofs-Amt - das weckt Erwartungen beim Kirchenvolk, setzt Hoffnungen frei auf frischen Wind im Kirchenschiff.

Die Krise als Chance - das gilt angesichts des eklatanten Priestermangels, leerer Kirchenbänke und weniger Kirchensteuer-Einnahmen auch für die Trierer Bistums-Oberen. Da sind kreative Ideen gefragt. Ackermann wird in den nächsten Wochen mit Entscheidungsstärke und Durchsetzungsvermögen vorangehen müssen, wenn er die vorhandenen Kräfte bündeln und neue kirchliche Strukturen mit Leben erfüllen will.

Hintergrund

Auch viele Saarländer werden an der Einführung des neuen Bischofs Stephan Ackermann im Trierer Dom teilnehmen. Genaue Zahlen lassen sich nicht feststellen, da die meisten Katholiken "auf eigene Faust" anreisen, hieß es am Freitag bei der bischöflichen Pressestelle. An politischer Prominenz hat sich aus dem Saarland bisher angesagt: Landtagspräsident Hans Ley (CDU), der stellvertretende Ministerpräsident Peter Jacoby (CDU), die Vize-Fraktionschefs Cornelia Hoffmann-Bethscheider (SPD) und Karl Josef Jochem (FDP) sowie die Saarbrücker Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD). Mit Ausnahme des Saarpfalzkreises gehört das Saarland mit seinen rund 700 000 Katholiken zum Bistum Trier. gp