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Der Lektor geht von Bord . . . Das Schiff schwimmt oben

Saarbrücken. Was wäre ein Schriftsteller ohne ein Buch, in dem er seine Texte der Öffentlichkeit vorstellen kann? Seit 1998 betreibt der Saarländische Schriftstellerverband (VS Saar) in diesem Sinne mit Topicana praktische Literaturförderung. Zwei Bände dieser Buchreihe für experimentelle Literatur gibt der Verband jedes Jahr in der Edition des Saarländischen Künstlerhauses heraus

Saarbrücken. Was wäre ein Schriftsteller ohne ein Buch, in dem er seine Texte der Öffentlichkeit vorstellen kann? Seit 1998 betreibt der Saarländische Schriftstellerverband (VS Saar) in diesem Sinne mit Topicana praktische Literaturförderung. Zwei Bände dieser Buchreihe für experimentelle Literatur gibt der Verband jedes Jahr in der Edition des Saarländischen Künstlerhauses heraus. Und verhilft so saarländischen Autoren zu einer Publikation, die es sonst schwer hätten, einen Verlag zu finden, weil sie nicht "marktgängig" schreiben. So wie Gerhard Stebner, Werner Laubscher, Hans Gerhard, Ruth Rousselange zum Beispiel. Oder wie Chris Schrauff. Der Saarbrücker Autor, Mitglied im VS Saar-Vorstand, ist so etwas wie der Vater der Topicana-Reihe. Er hat sie auf den Weg gebracht und bis jetzt betreut, als Teil eines wechselnden Lektorenteams, in dem derzeit Peter Tiefenbrunner und der Literaturwissenschaftler Frank Thomas Grub mitarbeiten. Nun aber will Schrauff seinen Stab weiterreichen. "Nach zehn Jahren tut der Reihe ein bisschen Abwechslung sicher gut", sagt Schrauff und weiß das Projekt bei seinem Nachfolger Bernd Philippi in guten Händen. Der gelernte Literaturwissenschaftler und Philosoph aus Völklingen, derzeit im Hauptberuf Referent für Bildende Kunst am Landesinstitut für Pädagogik und Medien, bringt Erfahrung als Kurzgeschichten- und Hörspiel-Autor, Übersetzer, Verleger und Zeitschriftenmacher mit. Und erinnert nebenbei daran, dass es auch im Saarland mal lebhaftere Zeiten für die Literatur gab. Zusammen mit Dirk Bubel, erzählt Philippi, habe er Ende der 1970er Jahre im Kleinverlag von Bernd Schreiber die "Rotklee-Reihe" für experimentelle Lyrik und Kurzgeschichten herausgegeben. Daneben auch eine Literaturzeitung, in Konkurrenz zu den "Einzelheiten" von Arnfrid Astel. Große Bekanntheit erreichte damals auch die Aktion "Lyrik auf Plakaten", an der sich bundesweit bekannte Dichter wie Peter Paul Zahl beteiligten. Topicana total umkrempeln, das will Philippi aber nun nicht. "Wie schwer die Aufgabe ist, die ich von Chris erbe, kann ich noch nicht überblicken," sagt er. Vielleicht werde er seine guten Kontakte nach Luxemburg wieder aktivieren. Auch Autoren aus den anderen Teilen der Großregion, Belgien, Lothringen in die Topicana-Reihe einzubeziehen, könne er sich vorstellen. Laut Chris Schrauff war es von Anfang an ein wichtiges, aber auch schwieriges Anliegen, junge Schreibende zu gewinnen, zugleich für die Buchreihe und als Mitglied für den VS Saar. Deshalb beobachte das Lektorenteam die literarische Szene, auch die der Slam-Poeten, sehr genau, und das auch weiterhin. Mit einem Budget von 5000 Euro pro Jahr zwei Bände zu produzieren, gehe nur mit ehrenamtlicher Arbeitsleistung, betont Schrauff. Und freut sich, dass Topicana beim Schriftstellerverband bundesweit "als vorbildliche Reihe" gilt. sbu