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Der Krippenbauer von St. Wendel

Im Missionshaus in St. Wendel sind hunderte Krippen von Karl Heindl zu sehen. Hier steht der Künstler inmitten der großen Außenkrippe. Foto: B&K
Im Missionshaus in St. Wendel sind hunderte Krippen von Karl Heindl zu sehen. Hier steht der Künstler inmitten der großen Außenkrippe. Foto: B&K FOTO: B&K
St Wendel. Tausende Besucher haben sie schon gesehen, die Krippenausstellung von Karl Heindl im Missionshaus der Steyler Missionare in St. Wendel. Viele kommen fast jedes Jahr. Jetzt ist die Ausstellung wieder geöffnet. Die SZ hat den Künstler Heindl und seine Krippen besucht. Von SZ-Mitarbeiterin Gianna Palermo

Ein unscheinbarer Seiteneingang führt die Besucher in einen mit Holzstühlen und Tischen ausgestatteten Raum. Beruhigende Klänge und warmes Licht lenken in einen mit grünen Vitrinen versehenen Gang: der Eingang zu Karl Heindls Lebenswerk. 550 handgefertigte, farbenfrohe Krippen verschiedenster Größen und Formen stehen dicht an dicht nebeneinander. Übereinandergestapelte mit Krippen bestückte Vitrinen verdecken die Wände und reichen bis zur Decke. Ein schmaler Rundgang führt durch den vollgepackten Raum. Die große Krippenausstellung im Missionshaus der Steyler Missionare in St. Wendel ist wieder offen.

Seit 45 Jahren fertigt Heindl in filigraner Kleinarbeit Weihnachtskrippen an und stellt seine Sammlung bei einer jährlichen Krippenausstellung aus. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, "den Brauch der traditionellen und geschmackvollen Krippe, auch in der von amerikanischem Kitsch geprägten Zeit, als weihnachtliches Symbol zu bewahren", so Heindl. Die Privatsammlung des Künstlers ist von regionalen, kulturellen und länderspezifischen Eindrücken geprägt: Asiatische, italienische oder peruanische Modelle zeigen dem Besucher die unterschiedlichsten christlichen Vorstellungen der Weihnachtsgeschichte. Das neueste Werk in seiner Sammlung ist eine afrikanische Landschaftskrippe: Im warmen Licht des Sonnenuntergangs finden sich Josef, Maria, das Jesuskind und die Heiligen Drei Könige am Ufer eines Flusses unter einer typisch afrikanischen Holzhütte wieder. Aus original afrikanischen, leicht kolorierten Holzfiguren, die 1992 ein Geschenk einer Missionsschwester aus Ruanda waren, hat Heindl eine stimmige Kulisse geschaffen. Drei Musiker, eine Frau mit einer Tonschüssel auf dem Kopf und die im Hintergrund zu sehenden Fischer im Boot erweitern das traditionelle Bild der Heiligen Nacht und lassen die Geschichte in einem neuen und modernen Licht erscheinen. Diese Krippe ist eine von vielen, die Heindl in einem selbst gebastelten, beleuchteten Schaukasten präsentiert, um sie, umgeben von konstruierten Landschaften und gemalten Hintergründen dreidimensional erscheinen zu lassen. "Jedes Kästchen ist liebevoll in sich dekoriert", berichtet Heindl.

Viele der Krippen sind in kompletter Eigenherstellung entstanden, andere wurden Heindl geschenkt, zerstörte und unbrauchbare Krippen wiederum putzte der Künstler heraus. Auch gebastelte Modelle von Schülern, Familien und Gefängnisinsassen sind Teil der Sammlung. "Die Ausstellung besteht über 80 Prozent aus Unikaten", sagt Heindl.

Die Bandbreite zeigt sich auch in der Verwendung unterschiedlichster Rohprodukte. Wenn Kinder Heindl fragen, aus welchen Materialien er bereits Weihnachtskrippen gefertigt hat, ist die Liste lang: von Wolle und Sandstein über Salzteig bis hin zu Bambus und Rinde. Heindl wagt sich mit Ehrgeiz und Präzision an die unterschiedlichsten Naturprodukte.

Schon als Kind hat den 69-Jährigen die Vielfalt des Krippenbaus fasziniert. Bis heute modelliert, schnitzt, bastelt und bemalt er Krippen. Der leidenschaftliche Künstler kann sich auch noch nach Jahren für sein Hobby begeistern. "Mich fasziniert die Kreativität, die man beim Krippenbau entfalten kann", sagt Heindl.

Verkauft hat der gebürtige Oberfranke bis heute jedoch keine einzige seiner Krippen. Den Krippenbau sieht er nämlich ausschließlich als Hobby an. Auch die Ausstellung im Missionshaus in St. Wendel betreibt er nicht des Geldes wegen. Die Eintrittsgelder kommen den Steyler Missionaren zugute. Bei einem Besuch der Ausstellung, die noch bis Anfang Februar geöffnet ist, kann passend zu Weihnachten, etwas Gutes getan werden.

Die Ausstellung befindet sich im Gästesaal des Missionshauses und ist täglich von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 18 Uhr geöffnet und während des St. Wendeler Weihnachtsmarktes durchgehend geöffnet.