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Der gerade Weg von der Mathematik zum Jazzgesang

Annika Jonsson wollte eigentlich Mathematikerin werden. Jetzt ist sie Sängerin. Foto: Barbara Peper
Annika Jonsson wollte eigentlich Mathematikerin werden. Jetzt ist sie Sängerin. Foto: Barbara Peper FOTO: Barbara Peper
Saarbrücken. Saarbrücken hat eine lebendige Musikszene, die Hochschule für Musik veranstaltet regelmäßig Konzerte, Gastronomen bieten Live-Musik an, so dass Neugierige fast täglich die Möglichkeit haben, sich auf Musikerlebnisse einzulassen und dabei neue Künstler zu entdecken – wie die Sängerin Annika Jonsson, die am Montag mit ihrer Band Nika & Karambolage im Kaiserhof auftritt. ask

Eine junge Frau aus einem Hunsrückdorf geht zum Studieren in die Stadt: Mathematik. Sie sucht nach einem Ausgleich zum theorielastigen Studienfach und steigt bei einer befreundeten Rockband ein, singt fortan Songs von Alanis Morissette, den Guano Apes oder der deutschen Band Die Happy. Die Stimme ist ungeschult, Heiserkeit der Lohn für das rockig-laute Singen. Annika Jonsson, heute 32 Jahre alt, nahm Gesangsunterricht und entdeckte dank ihrer Lehrerin Kirsti Alho den Jazz, erarbeitete sich die Jazzstandards, lernte zu improvisieren und wurde motiviert, sich auch an eigene Stücke zu wagen. Der Ehrgeiz war geweckt und die angehende Mathematikerin wechselte auf die Saarbrücker Musikhochschule zu Anne Czichowsky.

Das Hochschulstudium ist vielseitig, die Jazzstudenten lernen, ihre Stimme auch als rhythmische Klangbilder einzusetzen. Scat-Improvisation heißt das gesanglich anspruchsvolle Hervorbringen sinnfreier Vokalfolgen. Viele Gleichgesinnte an einem Ort, da liegt es nah, sich in verschiedenen Formationen zusammenzutun. Annika Jonsson nennt auf ihrer Internetseite vier aktuelle Bands. Mit einer - Nika & Karambolage, einem Zusammenschluss von vier Musikern - wird die Sängerin am Montag im Kaiserhof (Mainzer Straße) auftreten. Sie spielt da auch Fender Rhodes, ein "klassisches" E-Piano, eine Art Retro-Instrument.

Jonsson ist immer offen geblieben für Rock und Pop, und Pop ist auch das, was sie mit dieser Band vorhat: eigene Songs mit Pop-Liedstrukturen - Strophe, Refrain, Strophe, Refrain. "Ich will immer, dass es bei Karambolage poppig klingt." Sie vermeiden die im Jazz üblichen langen Soli, und doch klingt es jazzig, eigenwillig. Eins von Jonssons Liedern "jazz is dead" ist die trotzige Kampfansage an den Produzenten, der ihr genau dieses Ende beschied. "Running" thematisiert die Schwierigkeit, Gutes zu tun, ohne an anderer Stelle Schlechtes zu verursachen, und auch die Liebe bekommt ihren nachdenklichen Abschied mit dem Stück "Leben ohne Dich". Pop gebe ihr "mehr Freiheit, und die Texte sind sehr wichtig," so Jonsson.

Konzert in der Reihe "Song & Talk" am Montag, 13. Januar, 18 Uhr, im Kaiserhof, Mainzer Straße 78. An diesem Abend tritt auch noch der Liedermacher Michael Riehm auf. Eintritt frei, Hutsammlung.