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Die Beschwerden gehen weiter
Der gelbe Sack verärgert das Saarland

Gelbe Säcke: Sie werden oft einfach nicht abgeholt, Wind und Tiere reißen sie auf und verteilen den Müll auf den Straßen. Eine gelbe Tonne könnte da vielleicht Abhilfe schaffen. Aber wohin damit?
Gelbe Säcke: Sie werden oft einfach nicht abgeholt, Wind und Tiere reißen sie auf und verteilen den Müll auf den Straßen. Eine gelbe Tonne könnte da vielleicht Abhilfe schaffen. Aber wohin damit? FOTO: Thomas Reinhardt
Saarbrücken. Mit den gelben Säcken läuft einiges schief, da sind sich die Saarländer einig: unregelmäßige Abfuhr, zu dünne Tüten und kein Nachschub. Von Stephanie Schwarz

Das Problem mit den gelben Säcken ist auch drei Monate nach Wechsel der Abholfirmen im Saarland immer noch nicht gelöst. Nach einem SZ-Aufruf zum Gelbe-Säcke-Chaos haben sich zahlreiche Leser auf unserer Facebook-Seite zu dem Thema geäußert. Online sind sich die Saarländer einig: Es hakt an einigen Stellen. Die Tüten würden gar nicht oder mit Verspätung abgeholt, Wind und Tiere rissen die Säcke auf und verteilten den Müll auf den Straßen. Es gebe keinen Nachschub an Säcken, und eine Rolle pro Haushalt sei zu wenig. Der Hauptkritikpunkt ist jedoch: Der gelbe Plastiksack müsse endlich weg von den Straßen.


Im Saarland sind seit Jahresbeginn drei Unternehmen für das Einsammeln der gelben Säcke verantwortlich: RMG mit Sitz in Wiesbaden für den Regionalverband Saarbrücken und den Landkreis St. Wendel. Paulus GmbH in Friedrichsthal für die Landkreise Neunkirchen und Saarpfalz und Remondis GmbH in Mannheim für die Landkreise Saarlouis und Merzig-Wadern.

In einigen Kommunen scheint die Abfuhr gut zu funktionieren, berichten SZ-Leser, beispielsweise in Völklingen-Ludweiler, Illingen-Hüttigweiler und auch Saarbrücken-Fechingen. In anderen Teilen des Saarlandes sind die Anwohner über die Entsorgung der Anbieter verärgert: etwa in Lebach, Saarbrücken-Bellevue, Rehlingen, Burbach und Saarhölzbach. Michael M. beschreibt die Situation in Blieskastel als „Katastrophe“. Auch in Fraulautern und Merchweiler gäbe es zeitweise Verzögerungen. Da würden schon mal die Säcke auf der einen Straßenhälfte eingesammelt und die auf der anderen liegen gelassen. Das Abholen der gelben Säcke sei reine „Glücksache“, sagt Kate E. aus Lebach.

Aber nicht nur die Abfuhrunternehmen seien Schuld an der Situation, auch die Bürger selbst würden ihren Teil dazu beitragen, beschweren sich manche. Denn viele Haushalte scheinen immer noch nicht zu wissen, was in den gelben Sack gehört. SZ-Leser berichten von Papier, Zahnbürsten oder Essensresten in gelben Säcken. Aus diesem Grund würden Säcke wahrscheinlich einfach nicht mitgenommen, sagt Conny P.. Ein weiteres Problem: Anwohner stellten die Säcke zu früh raus, sagt Hans-Jürgen R. Das Resultat: Bei Wind rollten die Säcke auf der Straße herum, rissen auf und verteilten den Müll, für den sich niemand mehr zuständig fühle, beschwert sich Beatrix H. aus Ensheim. „Das ist ärgerlich aber dafür können die Entsorger nichts.“



Die Gemeinden, in denen SZ-Leser die meisten Probleme gemeldet haben, gehören zu dem Entsorgungsgebiet der Remondis GmbH. Seitdem das Unternehmen den Auftrag Anfang des Jahres für die Landkreise Merzig-Wadern und Saarlouis übernommen hat, „kam es auf Grund von Anlaufschwierigkeiten zu Problemen bei der Abfuhr“, teilt Remondis-Pressesprecher Michael Schneider mit. Besonders in Lebach, Schmelz, Nalbach und Mettlach. Alle Reklamationen seien „umgehend behoben worden. „Seit etwa zwei Wochen läuft die Abfuhr ohne Probleme“, sagt Schneider.

Dem Unternehmen sei bekannt, dass der Nachschub an gelben Säcken zweitweise stockte. Der Grund hierfür würde beim für die Region ehemals zuständigen Entsorger Paulus liegen, der Ende des vergangenen Jahres Probleme mit der Beschaffung der gelben Säcke hatte und viele Ausgabestellen nicht beliefern konnte, sagt Schneider. Die Nachfrage an gelben Säcken sei mittlerweile von Remondis „im vollen Umfang befriedigt worden“. Das Abfuhrunternehmen Paulus, das bis Dezember 2017 noch für diese Landkreise zuständig war, weist die Vorwürfe zurück. Im Oktober und November sei es zu Engpässen gekommen, aber im Dezember hätte Paulus die Ausgabestellen beliefert, teilte der Entsorger mit: „Aber nur genug Säcke für einen Monat, da wir ab Januar nicht mehr zuständig waren.“

Die Saarländer ärgern sich nicht nur über die Versorgung mit den gelben Säcken, sondern auch ihre Reißfestigkeit wird online diskutiert: Die „zarten gelben Tütchen“, wie sie manche nennen, würden oft kaputt gehen, „spätestens beim Zubinden“, sagt Gabi H.. Einige SZ-Leser hätten sich auch bei Entsorgern und Gemeinden darüber beschwert, wie beispielsweise Dursun Y. Er bekam die Antwort: „Ich soll zwei Tüten ineinander stecken – also doppelter Verbrauch.“

Um Ärger mit den „dünnen Tütchen“ zu vermeiden, fordern SZ-Leser: „Die kostenlose gelbe Tonne muss her“ – vor allem der Umwelt zuliebe. „Die Tonne ist die bessere Lösung als aufgerissene Säcke. Wir stellen ja auch nicht den Bio- oder Restmüll in Säcken vor die Tür“, sagt David B. auf Facebook – einige stimmen ihm zu. Andere führen jedoch das Argument ins Feld, dass viele Haushalte für eine weitere Tonne keinen Platz mehr hätten. Neben schwarz, blau und grün könnte zukünftig die gelbe Tonne stehen, wenn es nach den saarländischen Grünen geht. Ihnen ist der gelbe Sack seit Jahren ein Ärgernis. Sie fordern die Landesregierung auf, sich für ein neues Wertstoffgesetz einzusetzen. Das heißt: Wertstofftonne statt gelbe Säcke.