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Der Fachmann für die Nacht-Musik

Kasimir Ehmke steht im Skulpturenensemble vor der Mensa. Es erinnert ihn an die Anfangsjahre als DJ, weil er nach langen Diskonächten gern mal auf den Betonpfeilern herumhüpfte. Foto: Oliver Dietze
Kasimir Ehmke steht im Skulpturenensemble vor der Mensa. Es erinnert ihn an die Anfangsjahre als DJ, weil er nach langen Diskonächten gern mal auf den Betonpfeilern herumhüpfte. Foto: Oliver Dietze FOTO: Oliver Dietze
Saarbrücken. Die Bewohner prägen eine Stadt. Einige Saarbrücker sind so bekannt, dass man, wenn man von ihnen spricht, „ein echtes Original“ hinzufügt. Originale zaubern uns ein Lächeln ins Gesicht, wenn wir sie in der Stadt erblicken, selbst dann, wenn wir sie gar nicht kennen. Gut, dass sie da sind: Denn wir verbinden mit ihnen Erinnerungen, und sie geben uns das Gefühl von Heimat. Und noch etwas: Die Bezeichnung „ein Original“ muss man sich verdienen – über Jahre hinweg. Von SZ-MitarbeiterinMarija Herceg

Kasimir Ehmke (51) ist ein Original: Er fällt auf, weil er "größer und dicker ist" als der Durchschnitt, aber auch, weil er meist nur knielange Hosen trägt. Selbst im Winter. Kasimir macht nur bei zweistelligen Minusgraden eine Ausnahme. Doch nicht nur der Optik verdankt er seine Bekanntheit, sondern vor allem seiner langen DJ-Laufbahn. Keine Disko ließ Kasimir in den vergangen 35 Jahren aus, um Feierwütigen den Soundtrack für die Nacht zu liefern. Nach sechs Jahren im "Canossa" war er von 1985 bis 1991 Stamm-DJ im legendären "Gloria Palast", in den Neunzigern Mitbetreiber des "Schwimmschiffs" und des "No.1" und bis 2009 des "Blau Niteclubs". Zuletzt legte er im "Club Seven" auf, und er gehört aktuell zum DJ-Team des "N8Werk". "Mittlerweile", sagt er grinsend, "kommen die Kinder früherer Weggefährten und richten elterliche Grüße aus."

Als Kasimir mit dem Auflegen begann, war er selbst noch ein junger Spund von 16. Damals drehten sich Ska-, Reggae- und Punkscheiben auf seinen Plattentellern. Später erweiterte er sein Repertoire: "Pop, Wave und alles, was nach den Siebzigern dazukam. Mein Herz aber gehört seit Mitte der 1980er-Jahre der elektronischen Musik." Viele Läden, wie das "Octopus" im Nauwieser Viertel oder das "Eye" am Beethovenplatz, "wo sich früher Professoren, Studenten, Taxifahrer und alle aus dem Rotlichtmilieu trafen", oder den "Gloria Palast", dem Saarbrücker bis heute nachtrauern, gibt es nicht mehr.

Übrig ist aber das "Canossa" an der Uni, wo er, "noch nicht ganz volljährig, erst als Türsteher anheuerte" und später an den Plattentellern stand. Nach dem Abi schrieb er sich zudem an der Saar-Uni ein: "Lag ja auf der Hand", sagt er schmunzelnd, "an gleicher Stelle nachts Party, tagsüber studieren." Das Skulpturen-Ensemble "Rosengarten" von Herbert Hajek stand schon damals vor der Mensa. "Nach einer langen Nacht", erinnert er sich, "sind wir gern mal auf den Betonpfeilern rumgesprungen." Auch seine Laufbahn kennt Sprünge und Abstürze. In den 90ern feierte er die größten Erfolge, teilte sich die Mischpulte mit DJs wie Jeff Mills, Sven Väth, Westbam oder Armand van Helden. "Zu der Zeit verbrachte ich die Hälfte des Jahres in Berlin, legte sogar mal im E-Werk auf und war europaweit gebucht."

Warum er Saarbrücken nie auf Dauer verließ? Darauf sagt er schlicht, "dass die Stadt mein Zuhause ist". Obwohl Kasimir keiner ist, der ständig zurückblickt, organisiert er zur Weihnachtszeit im vierten Jahr eine "Gloria-Revival-Party". Ein wenig Nostalgie gönnt sich auch dieses Saarbrücker Original.

Info: Gloria Revival Party mit DJ Kasimir am 22. Dezember im No.1, Saarbrücken.

16 Uhr ist für Daniel Walter (24) "noch früh am Morgen". "Ich war wieder die ganze Nacht online", sagt er. Walter gründete die Facebook-Seite "Spotted: Nachtleben Saarbrücken". Seit Januar ist sie online - mit inzwischen rund 9700 Fans. "Bis Ende des Jahres wollen wir die 10 000er-Marke knacken", sagt er. Seine Partner nicken: "Das packen wir", sagt "RD" (24), der, wie der "MC" (24), nur sein Facebook-Kürzel preisgibt. "Die Seite lebt ja auch vom Charme des Anonymen", findet BWL-Student RD. Im Dezember 2012 ging in Glasgow die erste Spotted-Seite ins Netz und wurde weltweit kopiert. Die Saarbrücker Seite ist Walter zufolge mit fast 10 000 Likes eine der populärsten deutschlandweit.

Die Idee: Bei den Spotted-Seiten bekommen Schüchterne eine zweite Flirtchance. "Wer sich beim Ausgehen nicht getraut hat, seinen Schwarm anzusprechen, kann uns seine Suchmeldung schicken Wir stellen sie anonym auf unsere Seite", erklärt RD. Das liest sich so: "Ich (w), suche dich (m), ca. Anfang bis Mitte 20. Du warst eben mit einem Freund im ,Alex' am Staatstheater. Du hattest ein kariertes Hemd an... Ich bin leider etwas schüchtern," schreibt eine Userin.

Der Erfolg? Etwa 75 Prozent der Gesuchten seien rasch gefunden. Ob daraus Liebe wird, wissen die drei nicht. "Wir helfen nur beim ersten Schritt", sagt RD. Rund 65 Prozent der User sind zwischen 18 und 24 Jahre alt. Etwa 100 Suchmeldungen gibt es pro Woche. "Besonders nach dem Wochenende ist viel los", sagt MC. Ihre erste Party ist am Sonntag im Club Seven. Dort stehen alle Zeichen auf Flirt.

Sonntagsclub supported by Spotted: zwei Dancefloors, Weihnachtsmützen und Singles-Bändchen. 22. Dezember, ab 23 Uhr, Club Seven.