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Nonnweiler
Der Biber treibt Gartenbesitzer zur Verzweiflung

Der Bestand der Biber im Saarland ist innerhalb von elf Jahren von 68 auf 650 gestiegen.
Der Bestand der Biber im Saarland ist innerhalb von elf Jahren von 68 auf 650 gestiegen. FOTO: Felix Heyder / picture alliance / dpa
Nonnweiler. Der Nager macht auch vor Obstbäumen nicht Halt. Von einer „Plage“ will man im Ministerium nicht sprechen, bietet aber für Betroffene eine Lösung an.

Jahrzehntelang hat Kurt Scherer sein Obstgrundstück in Nonnweiler-Kastel gepflegt. Es brauchte jedoch nur einen hungrigen Nager, um die Idylle zunichte zu machen. Vier Apfelbäume sind bereits gefällt, weitere Bäume durch Bisse beschädigt. Der Täter – ganz klar – ein Biber. Scherer ist verärgert, doch er ist nicht alleine betroffen. Auch auf den umliegenden Grundstücken haben Biber Schäden angerichtet. Das Wort „Biberplage“ fällt, Betroffene fühlen sich alleine gelassen.


Seit 1994 ist der Biber wieder im Saarland. Zuvor wurde er aufgrund der Jagd nach seinem Pelz, Fleisch und dem Bibergeil, einem Sekret aus den Drüsen des Tiers, fast ausgerottet. Im Verlauf von elf Jahren wurden insgesamt 68 Tiere auf Beschluss des Umweltministeriums wieder neu in saarländischen Gewässern angesiedelt. Heute steht der Nager unter Naturschutz. „Er gehört zum heimischen Tierbestand. Wo er fehlt, ist ein unnatürlicher Lebensraum“, sagt Norbert Fritsch, Leiter der Biber AG des saarländischen Naturschutzbunds (Nabu).

Im Saarland leben circa 650 Tiere, so das Umweltministerium. Der Bestand werde sich in den nächsten Jahren noch leicht vergrößern, jedoch langsamer als in den ersten Jahren. „Das Doppelte und Dreifache hätte aber sicher noch Platz, das Saarland ist bei weitem nicht überbevölkert“, sagt Fritsch. Der Biber passt sich dem Lebensraum an, die Population pendelt sich auf einem für die Landschaft tragfähigen Level ein. Viele Biber sind bereits nach Rheinland-Pfalz und Frankreich abgewandert. Von einer Biberplage zu sprechen, sei deswegen fern jeglicher Realität, sagt Fritsch. Auch das Umweltministerium bezieht klar Stellung: „Das Problem ergibt sich durch die lange Abwesenheit der Biber. Die Menschen haben sich den Lebensraum der Biber zu eigen gemacht und müssen wieder lernen, mit diesen ehemals weit verbreiteten Arten in friedlicher Koexistenz zu leben.“

Von Biberschäden Betroffenen empfiehlt Fritsch, sich an die Biber AG zu wenden: „Die Biberbetreuer helfen bei Problemen und bieten Hilfestellung im Falle von Verlusten.“ Maßnahmen, um Grundstücke vor Bibern zu schützen, sind laut dem Direktor des Neunkircher Zoos mit wenigen Handgriffen zu treffen. Eine „Drahthose“ um Bäume zu ziehen, sei zeit- und kostengünstig und schaffe das Problem der Biberschäden dauerhaft aus der Welt. Das Umweltministerium weist darauf hin, dass Grundstücke ebenso mit Elektrozäunen oder Verbiss-Schutzmitteln an Bäumen geschützt werden könnten. Gerade im Winter ernährt sich der Biber nämlich besonders stark von Rinde, vor allem von Obstbäumen, die in der Nähe von Gewässern stehen.

Fritsch betont, dass die Biber AG den Unmut und die Konflikte Betroffener aus der Welt schaffen will. In den meisten Fällen könnten große Schäden durch frühzeitiges Einschalten der Biberbetreuer vermieden werden. Eine pauschale Entschädigungsregelung für Verluste gibt es nämlich nicht. Laut dem Umweltministerium besteht jedoch die Möglichkeit eines Grundstückstauschs. Im Einzelfall lasse sich immer eine Lösung finden.



Vier Apfelbäume fällten die Tiere auf dem Grundstück von Kurt Scherer in Nonnweiler-Kastel.
Vier Apfelbäume fällten die Tiere auf dem Grundstück von Kurt Scherer in Nonnweiler-Kastel. FOTO: Kurt Scherer