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Den Motiven ganz nah"Die Spender zeichnen Anteile eines Werkes"

Dagstuhl. Mit der Linse ihrer Kamera kommt Maria Krause den Motiven ganz nah. So nah, dass sie sich bildfüllend vor dem Betrachter ausbreiten und im fotografischen Abbild eine ungeahnte Präsenz entfalten. Wie in den acht Farbaufnahmen vom Völklinger Weltkulturerbe, die zusammen mit weiteren 44 Farbaufnahmen in Schloss Dagstuhl zu sehen sind Von SZ-Mitarbeiterin Brigitte Quack

Dagstuhl. Mit der Linse ihrer Kamera kommt Maria Krause den Motiven ganz nah. So nah, dass sie sich bildfüllend vor dem Betrachter ausbreiten und im fotografischen Abbild eine ungeahnte Präsenz entfalten. Wie in den acht Farbaufnahmen vom Völklinger Weltkulturerbe, die zusammen mit weiteren 44 Farbaufnahmen in Schloss Dagstuhl zu sehen sind. Dabei ist Völklingen nur die eine Facette dieser abwechslungsreichen Ausstellung, die den Besucher auf eine Reise rund um die Themen Schönheit und Vergänglichkeit mitnimmt. In den Völklinger Aufnahmen fällt der Blick direkt und unumwunden auf Spuren, welche die Witterung im Laufe der Zeit auf Eisen hinterlassen hat. Rost und abblätternde Farbe wirken in dieser direkten Nahsicht wie Malerei und Zeichnung eines abstrakten Gemäldes, das sich räumlich und plastisch vor den Augen des Betrachters auszubreiten scheint. Das Motiv gerät fast in Vergessenheit zu Gunsten dieser vielfältigen Strukturen, die doch letzten Endes auf die Wirkung der Natur zurückzuführen sind. Ebenso wie es uns die 1942 im Sauerland geborene Frau in der Serie der "Baumporträts" vor Augen führt: von Wind und Wetter ausgebleicht und gezeichnet offenbaren Bäume die Last ihrer Jahre in einem variantenreichen Linienspiel, das Raum lässt für verschiedene Assoziationen. Daneben zeigt die Absolventin eines Kunststudiums an der Universität Paderborn aber auch alltägliche, bisweilen skurril anmutende Szenen aus Argentinien. Etwa die Arbeit mit dem Titel "Hundeausführer in Buenos Aires", wo ein junger Mann fünf Hunde an ihren Leinen gemeinsam ausführt. Oder die der Auslagen eines edlen, hochglanzpolierten argentinischen Geschäftes für Reiterzubehör. Der Blick fällt auf Spiegelungen und seltsame Straßenszenen, die mitunter im kleinen Format zu mehrteiligen Fototafeln kombiniert werden, aber auch auf Blumen und Blüten in Patagonien und auf "Décollage" genannte Ansichten von abblätternden Plakaten. Wenn sich Maria Krause auch ursprünglich in erster Linie als Bildhauerin verstand und erst mit zunehmendem Alter die Fotografie als künstlerisches Ausdrucksmittel entdeckte, so sprechen ihre Aufnahmen doch eine überzeugende Sprache. Das mag daran liegen, dass auch eine Bildhauerin die Schule des Sehens beherrschen muss, weil ohne genaues und einfühlsames Sehen auch die Herstellung einer gelungenen Skulptur nur schwer möglich ist.Foto-Ausstellung Maria Krause. Bis zum 30. Juli. Schloss Dagstuhl, Leibniz-Zentrum für Informatik, Oktavie Allee, Wadern, Mo-Do. 9-16 Uhr, Fr. 9-14 Uhr. Wer hatte die Idee, im Informatikzentrum Ausstellungen durchzuführen? Müller: Nach dem Bezug des Neubaus im Jahr 1995 hatte der wissenschaftliche Direktor Reinhard Wilhelm die Idee, über Ausstellungen und Ankäufe über Spenden Kunst ins Haus zu holen. Er sah die Notwendigkeit eines Gegenpols zur wissenschaftlichen und kontemplativen Atmosphäre des Hauses.Ihrer Internetseite ist zu entnehmen, dass es sich um keine Galerie handelt, sondern um ein Forum, weil 100 Prozent des Verkaufserlöses an den Künstler gehen. Wie kommt es, dass Sie ohne über ein eigenes Budget für Ankäufe zu verfügen, bisher bereits 50 Werke erworben haben? Müller: Reinhart Wilhem, der wissenschaftliche Direktor, hat ein Spendenschema erfunden, mit dem wir die Gäste unseres Hauses und Besucher unseres Webservers bitten, Anteile von Kunstwerken zu zeichnen, die wir erwerben möchten. Es ist ein Dreiecks-Prozess: Die Spender zeichnen Anteile eines Werkes. Wenn alle Anteile gezeichnet sind, schreiben wir ihnen eine Rechnung (gegen Spendenquittung), zahlen dem Künstler das Bild und hängen es bei uns auf. Daneben kommt, wie im Mittelalter, immer eine Liste mit den Spendern, die oft die Teilnehmer eines unserer Seminare sind.