| 20:14 Uhr

Den Leerstand als Chance nutzen

Saarbrücken. Wenn Kirchenvertreter ein Bekenntnis zum Glauben ablegen, gehört das in den Bereich des Erwartbaren. Aufhorchen lässt jedoch, wenn ein Superintendent, in diesem Fall der des Kirchenkreises Saarbrücken, sich zu einem Städtebauprojekt bekennt. Genau das tat Christian Weyer am Montagabend in der Michaelskirche Von SZ-Mitarbeiterin Silvia Buss

Saarbrücken. Wenn Kirchenvertreter ein Bekenntnis zum Glauben ablegen, gehört das in den Bereich des Erwartbaren. Aufhorchen lässt jedoch, wenn ein Superintendent, in diesem Fall der des Kirchenkreises Saarbrücken, sich zu einem Städtebauprojekt bekennt. Genau das tat Christian Weyer am Montagabend in der Michaelskirche. Als Einstimmung in die bevorstehende "Nacht der Kirchen" zu Pfingsten fand hier in Kooperation mit SR 2 Kulturradio ein Podiumsgespräch zum Thema "Was die Stadt zusammenhält - von Stadtkultur bis Seelsorge" statt. Neben Weyer bezogen auch Dechant Michael Becker vom Dekanat Saarbrücken, Bürgermeister Kajo Breuer und Herbert Kiefer, Präsident der saarländischen Architektenkammer, hinter Stehtischen vor Publikum Position. Das Thema Stadtplanung erhielt dabei breiten Raum. Auf die Frage von SR-Moderator Thomas Bimesdörfer, was Saarbrücken (noch) fehle, um eine liebenswerte Stadt zu sein, sagte der Superintendent: "Es fehlt genau das, was jetzt angegangen wird: Das Stadtzentrum umzugestalten, so dass man sich da gern aufhält". Und nicht, wie derzeit noch, vom Lärm der Autobahn belästigt werde. Wohlwissend, dass Saarbrücken bei Weitem nicht so viel Geld wie Düsseldorf habe, stellte sich der Kirchenmann damit klar hinter das Projekt "Stadtmitte am Fluss". Und wies auf noch etwas hin, das fehle: "Der Mut, zu sagen, was man nicht erhalten kann". Den Leerstand in manchen Wohnvierteln sollte man als Chance nutzen, um sich von Bausünden zu trennen, regte Weyer an, und gleichzeitig schöne, alte Architektur besser zur Geltung bringen. Weyer: "Metz hat uns das vorgemacht". Man dürfe die Stadtentwicklung nicht den Investoren überlassen, nicht jede Fläche verplanen, sondern den Menschen Freiräume überlassen und müsse "Toleranz in die Stadt bringen" nannte Architektenkammer-Präsident Herbert Kiefer als weitere wichtige Bedingungen für eine l(i)ebenswürdige Stadt. Dass es auch für so genannte Randständige Platz in der Gemeinschaft geben muss, war für die Runde keine Frage. Im Gottesdienst auf alle Fälle, auch wenn sich mancher gestört fühlt, stellte Dechant Becker klar. Im städtischen Raum sei das jeweils ein "Aushandelsprozess", sagte Bürgermeister Breuer. Warum Stadtplanung für die Kirchen keine Luxusfrage ist, konnten Dechant Becker und Superintendent Weyer leicht erklären. Auch die Kirchen sind vom Schrumpfungsprozess betroffen, müssen sich fragen, welche Gebäude sie erhalten, welche sie umwidmen müssen. Die Katholiken haben auf Dekanats-Ebene dazu ein Leitbild entwickelt, das man in den Gemeinden zur Diskussion stellen will, erzählte Dechant Becker. Auf protestantischer Seite sei es denkbar, dass sich die einzelnen Kirchengemeinden künftig in ihrer diakonischen Arbeit auf bestimmte Schwerpunkte konzentrieren, sagte Superintendent Weyer, doch nur, wenn es sich unter den Gemeinden insgesamt ausgleicht.