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Dem Schmerz den Weg abschneiden

Püttlingen. Die Ursache kann an Nerven nahe der Wirbelsäule liegen, ausgesendet wird der Schmerzimpuls aber vom Gehirn. Bei einem neuen Verfahren blockiert eine Elektrode teilweise die Nervenimpulse zum Gehirn. Von SZ-MitarbeiterAndreas Lang

Das Schmerzzentrum des Knappschaftsklinikums Saar in Püttlingen wendet eine neue Methode der Schmerzminderung an: Wem bisher (bei Unfall oder operativem Eingriff) ein verletzter Nerv massive Schmerzen bereitet, dem kann mit der so genannten Spinalganglienstimulation geholfen werden. Der Leiter des Schmerzzentrums, Dr. Gerhard Deynet, hat die neue Therapie, die weit und breit nur im Schmerzzentrum der Knappschaftsklinik angeboten werde, bei einem Pressegespräch vorgestellt.

Zunächst mache er exakt den Nerv aus, der wegen genannter Gründe dauerhaft massive Schmerzsignale aussendet. Sobald der Nerv identifiziert ist, wird eine neuartige Elektrode im entsprechenden Spinalganglion platziert. Spinalganglien sind Nervenknoten, die sich nahe der Wirbelsäule befinden. Die Elektrode sendet ein vom Patienten über ein Handgerät einstellbares elektrisches Signal, das die Weiterleitung des Schmerzes reduziert oder ganz verhindert, ehe das Schmerzsignal über das Rückenmark an das Gehirn weitergeleitet wird.

Behandelte Patienten gaben eine Schmerzminderung von durchschnittlich 78 Prozent an. Für Lilo Maar aus Pfungstadt ist die neue Therapie ein Segen. Eine Fußoperation hat für sie 2007 eine wahre Odyssee eingeleitet. Nach dem Eingriff blieben unerträgliche Schmerzen. Sie brauchte starke Schmerzmittel, deren Dosis immer weiter erhöht werden musste. Dennoch konnte sie vor Schmerzen kaum einige Schritte weit gehen. Eine Schmerklinik konnte ihre Leiden ebenso wenig lindern wie der Aufenthalt in einer psychosomatischen Klink.

Erst als der Bensheimer Schmerztherapeut Ole Peters sie zu Dr. Deynet nach Püttlingen schickte fand sie Hoffnung. Am 4. September bekam sie die Elektrode eingesetzt, mittlerweile läuft sie scheinbar weitgehend beschwerdefrei ohne Gehilfe. Wie sie die elektrischen Signale richtig einstellt - zum Beispiel auf Tag- oder Nachtbetrieb - hat sie gelernt.

Da sich die Schmerzen um 80 Prozent verringert haben, hat sie neue Lebenslust gewonnen: "Ich bin so glücklich, endlich von diesem zermürbenden Schmerz befreit zu sein. Ich freue mich jeden Tag, dass ich jetzt wieder meinen Alltag meistern kann, das Leben ist wieder lebenswert."


Zum Thema:

Auf einen BlickPatienten-Infotag: Auch der nächste Patienten-Infotag im Knappschaftsklinikum Saar in Püttlinger befasst sich mit dem Thema "Endlich Schmerzfrei". Termin: Samstag, 9. November, 10-13 Uhr, im Konferenzraum (8. Etage). Vorträge: 10-10.30 Uhr: "Leistenhernien-Chirurgie - Behandlungsstandards und Operationsrisiken", Prof. Thomas Reck, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie. 11-11.20 Uhr: "Pheriphere Nervenverletzung - Welcher Nerv ist betroffen?", Ole Peters, Schmerztherapeut am Medizinisches Versorgungszentrum Bensheim.11.40-12 Uhr: "Fortschritte in der gezielten Nervenstimulation - Vorstellung des neuen operativen Verfahrens und Wirkmechanismus", Dr. Gerhard Deynet, Chefarzt der Schmerzklinik. Im Anschluss können Fragen an die Mediziner und an behandelte Patienten gestellt werden. al

Am Modell einer Rückenwirbelsäule erklärt Dr. Gerhard Deynet Patientin Lilo Maar, wie die neue Schmerztherapie funktioniert. Die Computeranimation rechts zeigt, wie eine Elektrode zur Schmerzlinderung am Nerv platziert werden kann. Fotos: Andreas Lang/Knappschaftsklinikum
Am Modell einer Rückenwirbelsäule erklärt Dr. Gerhard Deynet Patientin Lilo Maar, wie die neue Schmerztherapie funktioniert. Die Computeranimation rechts zeigt, wie eine Elektrode zur Schmerzlinderung am Nerv platziert werden kann. Fotos: Andreas Lang/Knappschaftsklinikum