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LSVS-Finanzskandal
Dem LSVS droht schon bald der Super-Gau

Sanierer Franz Abel (rechts) ist der neue starke Mann beim LSVS und weisungsbefugt gegenüber dem Präsidium unter Leitung von Klaus Meiser.
Sanierer Franz Abel (rechts) ist der neue starke Mann beim LSVS und weisungsbefugt gegenüber dem Präsidium unter Leitung von Klaus Meiser. FOTO: Andreas Schlichter
Saarbrücken. Der Saar-Sportverband braucht dringend frisches Geld. Zusätzlich sorgt die Auswahl des Sanierers für Diskussionen. Von Nora Ernst und Mark Weishaupt
Nora Ernst

Der Landessportverband für das Saarland (LSVS) ist ein Sanierungsfall – das ist spätestens seit der letzten Gesamtvorstandssitzung des LSVS am 1. März klar, als das Präsidium seinen Fachverbänden von einem Jahresdefizit in Höhe von zwei Millionen Euro berichten musste. Allen Sparankündigungen des LSVS-Präsidiums um Präsident Klaus Meiser zum Trotz – es reicht hinten und vorne nicht. Das ist mittlerweile auch bis zum saarländischen Innenministerium durchgedrungen, das die Rechtsaufsicht über den LSVS hat. Jetzt wird gehandelt – und zwar mit einschneidenden Maßnahmen. Ein vom Ministerium geforderter weisungs- und handlungsbefugter Konsolidierungsberater“ übernimmt beim LSVS das Kommando.


Anwalt Franz J. Abel hat nun beim LSVS das Sagen. Er wurde vom LSVS-Präsidium am Montagabend offiziell eingesetzt, bestätigt Stefan Rabel, der beim Ministerium zuständige Abteilungsleiter. „Herr Abel wird sicher einige Zeit brauchen“, sagt Rabel. Etwa zwei bis drei Wochen sind anvisiert, um dann erste Grundzüge eines Konzepts zur Sanierung und dauerhaften Sicherung des LSVS präsentieren zu können. „Wir haben mit dem Konsolidierungsberater jemanden, der über das Fachwissen und die Durchsetzungsfähigkeit verfügt, dass man annehmen kann, dass er erfolgreich ist“, sagte Rabel – den bisher handelnden Personen beim LSVS wurde das von der Rechtsaufsicht offenbar nicht mehr zugetraut.

Das erste und oberste Ziel von Abel: die drohende Zahlungsunfähigkeit des LSVS abzuwenden. Und die scheint nicht weit entfernt zu sein, „die kann schnell kommen“, sagt Rabel. Nach Informationen der Saarbrücker Zeitung droht angeblich bereits Ende März der Super-Gau, weil der klamme LSVS dann Tilgungsraten und Zinsen in siebenstelliger Höhe für Kredite bedienen muss. Deswegen muss Abel dem LSVS frisches Geld besorgen.

Intern werden nach SZ-Informationen verschiedene Varianten diskutiert, wo sich der LSVS Geld leihen kann – in Frage kommen Banken im Saarland oder sogar ein Darlehen bei der Saarland Sporttoto GmbH (kurz Saartoto), an der der LSVS zu drei Siebtel beteiligt ist. Selbst eine wie auch immer geartete Veräußerung von Immobilien an der Hermann-Neuberger-Sportschule scheint nicht ausgeschlossen.

Klar ist: Klassisch pleite, also insolvent, kann der LSVS als Körperschaft des öffentlichen Rechts nicht gehen. Wenn alle Stricke reißen, muss das Saarland einspringen. Im Interesse des Steuerzahlers müsste Abel auch Regressforderderungen gegen bisher Verantwortliche beim LSVS und deren bisherige Finanz- und Wirtschaftsberater anmelden.



Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) sieht den Einsatz des Sanierungsberaters als „letzte Chance zur Selbstreinigung“ für den LSVS. Sollte dieser Schritt nicht erfolgreich sein, werde die Landesregierung als Ultima ratio einen Staatskommissar einsetzen. Dass die Löcher im Haushalt des LSVS noch größer sind als angenommen, mache die Mitglieder des Kabinetts „fassungslos und sehr unzufrieden“, sagte Hans.

Sanierer Abel gehört derselben Anwaltssozietät an wie Guido Britz, der LSVS-Präsident Klaus Meiser als Anwalt vertritt. Hans betonte, man habe dies kritisch hinterfragt. Externe juristische Berater des Innenministeriums hätten geprüft, ob Abel als Sanierungsexperte fachlich geeignet sei.

„Sollte es Zweifel an der Motivation, der Geschwindigkeit oder der Gründlichkeit der Arbeit des Sanierungsberaters geben, behalten wir uns vor, zum letzten Mittel des Staatskommissars zu greifen“, sagte Hans. „Wir haben darauf hingewiesen, dass das ein Problem werden kann“, sagte Sport-Abteilungsleiter Rabel,„die Frage, inwieweit da ein Interessenkonflikt besteht, muss geklärt werden.“

Die Finanzierung des Saarsports durch das Sportachtel von Saartoto wollte Ministerpräsident Hans vorerst nicht in Frage stellen: „Man darf nicht vergessen, dass wir in diesem Land immer sehr zufrieden damit waren, dass der Sport eigenverantwortlich ist und nicht abhängig von Entscheidungen der Landesregierung.“

Stefan Rabel, 
Leiter der Sportabteilung im Saar-Innenministerium
Stefan Rabel, Leiter der Sportabteilung im Saar-Innenministerium FOTO: BeckerBredel