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Das waren glanzvolle Wadgasser Handballzeiten . . .

Wadgassen. "Wer sucht, der findet!" Dieses Bibelzitat aus Matthäus 7,7 trifft nicht in jedem Falle zu. Vor allem dann nicht, wenn man im Sportteil der Saarbrücker Zeitung nach einer Tabelle sucht - einer Tabelle, in der die aktiven Handballer des Traditionsvereins 1872 Wadgassen aufgelistet sind. In keiner saarländischen Spielklasse findet man die Wadgasser Handballer

Wadgassen. "Wer sucht, der findet!" Dieses Bibelzitat aus Matthäus 7,7 trifft nicht in jedem Falle zu. Vor allem dann nicht, wenn man im Sportteil der Saarbrücker Zeitung nach einer Tabelle sucht - einer Tabelle, in der die aktiven Handballer des Traditionsvereins 1872 Wadgassen aufgelistet sind. In keiner saarländischen Spielklasse findet man die Wadgasser Handballer. Dietmar Reichert, der Vorsitzender des TuS, liefert die Begründung: "Eine aktive Männermannschaft existiert nicht mehr - schon seit zwei Jahren nicht mehr. Mangels Masse, mangels Interesse!" Lediglich im Jugendbereich spielt man noch, aber nicht mehr auf "eigenen Füßen", sondern in einer Spielgemeinschaft mit dem Sportverein SV 08 Bous von der anderen Saarseite.Positive SchlagzeilenSchlagzeilen machen also die Wadgasser Handballer heute nicht mehr. Aber vor 60 Jahren, da war in der saarländischen Sportpresse viel Positives zu lesen. Der 15. Mai 1949, das war der große Tag des Wadgasser Handballes - und auch für den saarländischen Handball überhaupt. Zu Gast auf den Höhen des gefürchteten Wadgasser Glockenberges war nämlich mit dem A.C. Paris Villemomble eine der renommiertesten europäischen Spitzenmannschaften im Feldhandball. Die Gäste reisten gleich mit drei Titeln an die Saar: Meister der französischen Landeshauptstadt, französischer Pokalsieger und Landesmeister. Kein Wunder, dass diese erste internationale Begegnung im Westen des Saarlandes - nur wenige Jahre nach Kriegende - weithin Beachtung fand. Die Wadgasser Vereinsleitung hatte sogar ein Faltblatt - heute würde man Flyer sagen - mit den Aufstellungen beider Mannschaften herausgegeben. Zu Beginn des Spieles wurde die französische Nationalhymne gespielt, und die Gastgeber überreichten eine wertvolle Kristallvase aus der Fertigung von Villeroy & Boch. Und dann entwickelte sich vor 4000 Zuschauern ein spannendes Spiel, über das die saarländische Sportzeitung "Sport-Echo" in ihrer Ausgabe vom 16. Mai 1949 unter dem Titel " Handballfest mit Villemomble" in großer Aufmachung berichtete. Wadgassen hatte eine große erste Halbzeit. 6:2 lagen die Platzherren nach 30 Minuten vorne. Im zweiten Durchgang gelang es dem französischen Meister, dank fast perfekt praktizierter Riegeltaktik, sicherem Zuspiel und ausgefeilter Wurftechnik, sich an die Platzherren heranzuarbeiten. Otto Benard, der Wadgasser Stürmer mit einem strammen Wurf, schaffte kurz vor Schluss die Wadgasser 9:8-Führung, aber in der letzten Minute gelang den Franzosen der letztendlich beide Seiten zufriedenstellenden 9:9-Ausgleich. Hansgünther Adam, der Redakteur des "Sport-Echo", hat seinen Beitrag über dieses erinnerungswürdige Spiel mit einer Reihe origineller anschaulicher Formulierungen gewürzt. Hier eine Auswahl: "Ehe Benoit im Wadgasser Tor richtig Luft gezogen hatte, hieß es bereits 0:1. . . . Da klebte Corea einen unhaltbaren Ball an den französischen Innenpfosten. . . . Benard schien mit einer Bombe die Entscheidung gefällt zu haben.""Das ist mir unvergesslich"Dieses Spiel ist auch heute noch vielen Wadgassern noch in bester Erinnerung. Dem heute 81-jährigen Helmut Klein, technisch versierter Spieler in der Mannschaft, hatte die gewaltige Zuschauerzahl besonders imponiert. "Unter ihren waren viele Lisdorfer Handballfreunde." Lisdorf, das war der Rivale, mit denen sich die Wadgasser in der saarländischen Landesliga viele interessante Nachbarschaftsduelle geliefert hatten. Arno Schmitt, späterer Spartenleiter Handball und Oberturnwart beim TuS 1872, nennt spontan Motta, den Namen des französischen Torwartes, der ihm als damals 16-Jährigen imponiert habe. Und Josef Maier, quirliger Angreifer, kann heute noch spontan die komplette Mannschaftsaufstellung nennen, samt der Ersatzspieler auf der Reservebank.Lassen wir auch noch den heute 90-jährigen Kurt Schirra in seinen Erinnerungsfalten blättern. Er erzählt: "Dieses große Spiel ist für mich unvergesslich." Daher sei die Mannschaftsaufstellung nachgereicht. Wadgassen trat an mit Benoit, Seilner Thomas, Mirold, Weber, Klein, Fritz, Schichtel, Corea, Maier, Weidner und Benard. Ersatzspieler waren Seilner Theo und Theobald. Und auch die Torschützen seien hier festgehalten: Benard 4, Schichtel 2, Theobald 1, Weidner1 und Corea 1. Von der Güte des Wadgasser Handballs spricht auch die Tatsache, dass des Öfteren Spieler des Turn- und Spielvereins an offiziellen Länder- und Auswahlspielen des Saarländischen Handballbundes teilnahmen. Otto Benard und Werner Zaske nahmen auch bei den Handballweltmeisterschaften 1951 in der Schweiz und 1955 in Deutschland teil. Benard zeichnete sich hierbei als Torjäger aus, Zaske als zuverlässiger Torwart. Diese kurze Übersicht über "Wadgasser Handball" soll abgerundet werden mit der Erfolgsmeldung der Saison 1953/54: Die erste Handballmannschaft schaffte den Aufstieg in die Oberliga, damit in die höchste deutsche Spielklasse. Und das stand damals sicher auch im Sportteil der Saarbrücker Zeitung. hpf