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Bioland im Saarland
Das Saarland hat die größte Bio-Fläche

Der Landwirt Stefan Zenner (53) stellte 1992 seinen „Marienhof“ in Rehlingen-Siersburg auf ökologische Landwirtschaft um. Mit dem Ziel gesunde Lebensmittel herzustellen und Tiere artgerecht zu halten.
Der Landwirt Stefan Zenner (53) stellte 1992 seinen „Marienhof“ in Rehlingen-Siersburg auf ökologische Landwirtschaft um. Mit dem Ziel gesunde Lebensmittel herzustellen und Tiere artgerecht zu halten. FOTO: dpa / Katja Sponholz
Rehlingen-Siersburg. Bio boomt im Saarland: Immer mehr Menschen wollen wissen, woher ihre Produkte kommen. Und das ist gut so, meint Öko-Landwirt Stefan Zenner.

Es herrscht eine besondere Atmosphäre in dem Laden 20 Kilometer nordwestlich von Saarlouis. Aus der Backstube in einer kleinen Ortschaft von Rehlingen-Siersburg strömt der Duft von frisch gebackenem Brot, am Eingang werden die Besucher von zwei Hunden schwanzwedelnd begrüßt. Vor der Theke warten die Kunden geduldig und freundlich lächelnd, bis sie an der Reihe sind. „Die Menschen, die bei uns einkaufen, sind anders als die, die durch den Discounter laufen“, sagt Öko-Landwirt Stefan Zenner (53). „Die kaufen nicht nur irgendein Produkt, sondern sie wollen wissen, wo es herkommt.“ Und davon können sie sich auf dem Marienhof Gerlfangen überzeugen: Beim Blick in den Backofen von Zenners Ehefrau Karin etwa und auch in die Ställe mit Milchkühen, Bullen, Kälbern und Ferkeln.


Bio boomt. Besonders im Saarland: Mit knapp 16 Prozent hat das Saarland den höchsten Anteil bundesweit an ökologisch bewirtschafteter Landwirtschaftsfläche und liegt damit weit über dem Bundesdurchschnitt von sieben Prozent. „Beim Ranking der Länder sind wir ja nicht immer vorne“, sagt Umweltminister Reinhold Jost (SPD), „aber dies ist ein Highlight, auf das wir besonders stolz sind.“ Und das auch weiter gepflegt werden soll: Bis zum Ende der Legislaturperiode 2022 will das Land diesen Anteil auf 25 Prozent steigern – und die Umstellung von konventioneller auf biologische Landwirtschaft dann mit mehr als 20 Millionen Euro gefördert haben.

„Das Saarland hat schon immer Bio getickt“, sagt Zenner. Auch wenn er bei seinem Vater mit der Idee von einem Biobetrieb zunächst auf Skepsis stieß. 1984 hatte Zenner im Alter von 19 Jahren den Hof von seinem Vater übernommen. „Er kannte noch Hunger, und für seine Generation war Düngen und Pflanzenschutz ein Segen.“ Sehr früh sei dem jungen Zenner damals bewusst geworden, dass man als Landwirt im Saarland in einem benachteiligten Gebiet lebe, was Struktur und Bodenqualität angehe. „Mir war schnell klar, dass ich den Produktionswettlauf hier nicht gewinne, dass man wertschöpfungsmäßig etwas machen muss, damit man auf diesem Standort nicht hinten runterfällt.“



Und weil er immer schon Zweifel an Pflanzenschutzmitteln hatte, stellte er den Marienhof 1992 auf ökologischen Landbau um. Als Mitglied im Bioland-Verband arbeitet er nach strengen Richtlinien, deren Einhaltung regelmäßig überprüft werde. Doch nicht nur Anbau, Tierhaltung und Produkte änderten sich seitdem, sondern auch die Größe des Betriebes: Aus den sieben Kühen und 15 Hektar Getreidebau der Eltern ist ein Bio-Hof mit 300 Rindern (davon 95 Milchkühe), 50 Mastschweinen und 230 Hektar Getreideanbau und Grünland geworden.

Ziel der Familie Zenner ist es, die natürlichen Lebensgrundlagen Boden, Wasser und Luft zu erhalten, Lebensmittel mit gesundheitlichem Wert zu erzeugen, Nutztiere artgerecht zu halten und aktiven Naturschutz zu betreiben. „Ökologischer Anbau ist nun mal nicht nur besser für die Böden oder für die Tiere, sondern auch für den Menschen, davon bin ich überzeugt“, sagt Zenner.

Und auch die Zukunft des Hofes scheint langfristig gesichert: Denn die 22-jährige Annika, die Ältere der beiden Töchter, hat nach einer Ausbildung auch ökologische Landwirtschaft studiert und arbeitet bereits auf dem Hof mit - mit Herzblut und voller Überzeugung. Auch, wenn es in der Berufsschule für sie als einzige Vertreterin eines Bio-Hofes nicht immer leicht war: „Das war manchmal schon ein Problem, wenn alle anders denken und man abgestempelt wird als Öko, bei dem nichts wächst.“ Diese Vorurteile allerdings, sagt sie lachend, hielten nicht lange an: „Alle, die hier waren, haben ihre Meinung danach geändert.“