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Saarbrücken
Das Kongresszentrum Saar im Meinungsstreit

Eine aktuelle Luftaufnahme des Saarbrücker Bürgerparks mit der Congresshalle.
Eine aktuelle Luftaufnahme des Saarbrücker Bürgerparks mit der Congresshalle. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Bei einer Podiumsdebatte deutete sich an, dass neben der Saarbrücker Congresshalle keine weitere Halle seitens der Stadt geplant ist. Von Cathrin Elss-Seringhaus
Cathrin Elss-Seringhaus

. Zuerst herrschte eine jahrelange Hängepartie. Folgt jetzt eine schnelle Realisierung des neuen Messe- und Kongresszentrums Saar? Stadt und Land seien entschlossen, „die Dinge in die Umsetzungsbahn zu bringen“, hörte man am Montag vom Saarbrücker CDU-Stadtverordneten Herrmann Hoffmann bei einer Podiumsveranstaltung. Die Kulturpolitische Gesellschaft hatte ins Forum der Saarbrücker Zeitung. eingeladen, „Denkverbot oder Zukunftsfrage“ hieß es unter der zupackenden Moderation von Ilka Desgranges, Chefin der SZ-Lokalredaktion Mitte. Kommt die Diskussion um die optimale Platzierung für einen Erweiterungsbau der Congresshalle also schon zu spät, wie der Vorsitzende des Saarbrücker Städtebaubeirates Luca Kist befürchtete? Oder kommt sie gerade richtig, um noch einiges zu bewegen? Dies war die Botschaft des SPD-Stadtratmitglieds Peter Bauer, der als Zuhörer anwesend war und als Mitglied im Aufsichtsrat der für das Messezentrum zuständigen CCS-Gesellschaft über den Abstimmungsprozess zwischen Land und Stadt Bescheid weiß. Hauptsache, der öffentliche Meinungsaustausch gerät überhaupt erst mal wieder in Gang, nach Jahren der Geheimdiplomatie, dies der Eindruck, den man aus dieser kontroversen, kompetenten und kreativen Runde mitnahm.


Die Leitlinie der Stadt scheint derweil schon festzustehen: das Congresszentrum first. Danach erst geht man alle anderen Sanierungsprojekte (Saarlandhalle) und Kulturhallen-Neubau-Ideen an wie Saarphilharmonie oder Rockhalle. Verbaut man sich damit nicht Optionen? Diese Bedenken teilten der CDU-Mann Hoffmann und sein SPD-Stadtratskollege Thomas Kruse nicht. Sie zeigten Einigkeit darüber, dass die  Congresshallen-Erweiterung absolute zeitliche Priorität genießen muss. Man werde und wolle nicht alles auf einmal anpacken, so die Stadtpolitiker. Womit für den Bau einer Mega-Eventhalle (10 000 Besucher) im Umfeld der Congresshalle  bereits die K.O.-Glocke geläutet ist. Unabhängig davon, ob für ein solches Vorhaben der international hoch angesehene Bürgerpark angetastet werden müsste oder auch nicht. Der Vorsitzende des Saarbrücker Städtebaubeirates Luca Kist warnte: „Es würde ein Aufschrei durch die Fachwelt gehen“. Kist verwies, hier unterstützt von SPD-Mann Kruse,  zusätzlich auf die Hochwasserproblematik und meinte: „Alles an einem Standort geht nicht.“ Gilt also: Hände weg vom Bürgerpark, gibt es doch Denkverbote?  Nicht für HTW-Architekturprofessor Stefan Ochs. Eine Mega-Eventhalle im Umfeld der Congresshalle brächte enorme Besucherströme in die Innenstadt, meinte er und prophezeite einen Schub für die Wirtschaftskraft. Die Hochwasser-Problematik sei lösbar, die Verkehrs-Problematik nicht existent: „Wir brauchen keine 3000 zusätzlichen Parkplätze in der Innenstadt. Das ist das Denken von vorgestern.“ Ochs setzt auf eine Ertüchtigung des öffentlichen Nahverkehrs. Seine Hauptwarnung gilt einer Platzierung des Erweiterungsbaus auf dem Totoparkplatz gegenüber der Congresshalle auf der anderen Saarseite. Dies war der Vorschlag eines  Siegerentwurfs beim Ideenwettbewerb für Alt-Saarbrücken. In die Höhe zu bauen und lange Wege, das funktioniert laut Ochs nirgendwo in der Welt. Das neue Messezentrum müsse durch Komfort punkten und nicht durch Stege über die Saar abschrecken, meinte auch der Vorsitzende der Kulturpolitischen Gesellschaft, Ex-Staatskanzleichef und Ex-Saartoto-Geschäftsführe Kurt Bohr (SPD). Bohr warb für ein Musikzentrum (Klassik, U-Musik) auf dem Areal der Ex-Becker-Farben-Fabrik. Er sieht die Konzerthalle als „ideale Ergänzung“ zum Kongresszentrum, denn sie sei auch als Bankettsaal nutzbar, was bei Tagungen oft nachgefragt würde. Stimmgewaltig pochte Bohr darauf, das „Fenster zur Zukunft“ aufzureißen: „Wir brauchen keine 1b, wir brauchen eine 1a Lösung“. Deshalb dürfe man nichts überstürzen, man müsse sich einen Realisierungswettbewerb „gönnen“.

Und was sagen die Bürger? Ein Zuhörer beklagte die gefährlichen Zustände im unbelebten Bürgerpark. über die aktuellen „unprofessionellen Verhältnisse“ für die Musiker berichtete der Orchestermanager der Radiophilharmonie, Benedikt Fohr. Oft fänden in der Congresshalle Parallel-Veranstaltungen statt - ein fürs Konzertpublikum atmosphärisch wenig erbaulicher Zustand. Und dann war da noch ein Hinweis aus dem Publikum: Dass auch Neunkirchen als Standort für eine Groß-Event-Halle im Gespräch sei. Ein Warnruf an Saarbrücken?