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Das Erzrockfestival ist abgesagt

Denise Baldauf
Denise Baldauf
Völklingen. Das für den 17. August geplante Erzrockfestival in Völklingen findet nicht statt. Nachdem Denise Baldauf (FDP) in einer Anfrage an die Stadtverwaltung Zweifel an der politischen Integrität der angekündigten Band Stainless Steel angemeldet hat, will das Weltkulturerbe das Konzert nicht auf seinem Gelände dulden. Der Veranstalter hat nun abgesagt. Von SZ-MitarbeiterAlexander Manderscheid

Laut wird es beim Erzrock allemal. Hätte Jürgen Heisel aber gewusst, welche Wellen die Wahl der Bands für das im August anstehende Erzrockfestival in Völklingen schlagen würde, dann hätten seine Planungen als Veranstalter wohl anders ausgesehen. "Ich bin vielleicht etwas blauäugig an die Sache herangegangen", sagt er auf SZ-Nachfrage zu der Verpflichtung von Stainless Steel.

Denise Baldauf, Vorsitzende der FDP-Fraktion im Völklinger Stadtrat, ist auf den Namen der Gruppe aufmerksam geworden, weil die als Coverband der bekannten Böhsen Onkelz auftritt, einer Band, die in ihrer Anfangszeit in Songs wie "Türken raus!" fremdenfeindliche Texte gesungen hatte. Zwar hatten sich die Onkelz, die sich 2005 auflösten, später öffentlich von der rechten Szene distanziert; dennoch blieben Restzweifel, sagt Baldauf. Außerdem soll Killerton auftreten, ein Seitenprojekt von Stainless Steel. Killerton covert Freiwild - eine Gruppe, die ebenfalls trotz Distanzierung immer wieder mit rechtem Gedankengut und Deutschtümelei in Verbindung gebracht wird. Nach langer Recherche im Internet, durch deren Ergebnis sie sich bestätigt fühlt, schickt Baldauf eine Anfrage an die Stadtverwaltung: Die möge Stellung nehmen zu den Konzertplänen - auch vor dem Hintergrund, dass der Völklinger Stadtrat eine Resolution gegen Rechtsradikalismus verabschiedet hat.

Auch wenn sich Stainless Steel auf der eigenen Internetseite von Rassismus und Intoleranz distanziert, fürchtet Baldauf unter anderem, "dass das Konzert negativ auf das Weltkulturerbe zurückfallen könnte". Dessen Erzplatz soll der Veranstaltungsort sein. Außerdem sorgt sie sich, das Konzert könne ein Magnet für Rechtsradikale werden. Denn es soll ausgerechnet am Todestag des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß stattfinden.

Auf SZ-Nachfrage gibt sich die Stadtpressestelle bedeckt. Sie stellt aber klar, dass sie nicht der Veranstalter ist. Die Stadt habe lediglich über ihr Grundstücks- und Gebäudemanagement den Platz - über den sie in diesem Jahr nach einem Vertrag mit dem Weltkulturerbe verfügt - an den Veranstalter Heisel vermietet. Inwieweit sie bei Bedarf eingreifen könne, müsse noch geklärt werden.

Klarere Worte findet Weltkulturerbe-Chef Meinrad Grewenig. Er sei schon am Mittwoch von der Stadt darauf angesprochen worden, dass "ein Konzert mit fragwürdigen Bands" auf dem Denkmal-Gelände stattfinden solle, sagt er. Und: "Wir haben gestern über die Sache beraten und dem Oberbürgermeister unsere Entscheidung mitgeteilt: Das Konzert findet bei uns nicht statt! Alles andere ist nicht mehr unsere Sache. Ich denke, ich habe mich damit deutlich genug ausgedrückt."

Dass das Weltkulturerbe von seinem Hausrecht Gebrauch machen will, erfährt Jürgen Heisel gestern erst durch die SZ. Auch er habe zuvor im Internet wegen der Bands recherchiert und dort deren Distanzirung von der rechten Szene gefunden. Als Referenz führt er auch an, dass Stainless Steel immerhin schon beim Wacken Open Air aufgetreten sei. Und diese wohl berühmteste Heavy-Metal-Veranstaltung der Welt lasse sicherlich kein rechtes Gedankengut zu, sagt er. Auf seinem Werbeflyer habe er darauf aufmerksam gemacht, dass das Konzert "Kein Platz für Nazis" sei. Und er habe seine Ordner angewiesen, keine Personen mit eindeutiger rechtsradikaler Symbolik auf das Gelände zu lassen. Doch nach der Entscheidung des Weltkulturerbes streicht er die Segel: "Wir sagen das Konzert ab. Diesen Ärger möchten wir nicht haben", sagt er spontan. Seine Auslagen von bisher rund 3000 Euro will er wieder über die Stadt als Vermieter reinholen. Die könne das ja mit dem Weltkulturerbe abklären.

Vom Erzrock werde er sich aber nicht zurückziehen, verspricht er. Im November folge das nächste Konzert. "Und zwar mit einer U 2-Coverband. Dann ist wieder alles normal."

Jürgen Heisel
Jürgen Heisel
Fotos aus Zeiten, in denen allein die Musik für Lautstärke beim Erzrockfestival gesorgt hatte: Im vorigen Jahr entfachten die Bands Still Collins (links) und Purple eine Superstimmung. Im November soll es weitergehen, sagt Veranstalter Heisel. ArchivFotos: Becker&Bredel/Jenal
Fotos aus Zeiten, in denen allein die Musik für Lautstärke beim Erzrockfestival gesorgt hatte: Im vorigen Jahr entfachten die Bands Still Collins (links) und Purple eine Superstimmung. Im November soll es weitergehen, sagt Veranstalter Heisel. ArchivFotos: Becker&Bredel/Jenal