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Wünschewagen
Das Auto, das letzte Wünsche erfüllt

Sechs weitere Wünschewagen standen zusammen mit dem neusten Mitglied, dem Wünschewagen Saarland, zur offiziellen Einweihung vor der Saarbrücker Ludwigskirche.
Sechs weitere Wünschewagen standen zusammen mit dem neusten Mitglied, dem Wünschewagen Saarland, zur offiziellen Einweihung vor der Saarbrücker Ludwigskirche. FOTO: Andreas Engel
Saarbrücken. Mit dem „Wünschewagen“ macht der Arbeiter-Samariter-Bund unheilbar Kranken eine letzte Freude vor dem Tod.

Noch einmal ans Meer, in die Berge, zu einem Fußballspiel des Lieblingsvereins oder einfach nur kurz in die eigenen vier Wände: Das alles sind letzte Wünsche von unheilbar kranken Menschen. Menschen, die wissen, dass sich ihr Leben dem Ende entgegen neigt und die noch einen letzten Wunsch haben. Der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) hat es sich mit dem Projekt „Wünschewagen“ zur Aufgabe gemacht, diese zu erfüllen.


Ein Wünschewagen unter dem Motto „Letzte Wünsche wagen“ steht nun auch im Saarland zur Verfügung. Vor rund vier Jahren wurde die Aktion vom ASB-Regionalverband Ruhr ins Leben gerufen. Das Projekt ermöglicht schwerstkranken Menschen letzte Wunschfahrten an ein Ziel ihrer Wahl. Das Alter der Fahrgäste spiele dabei keine Rolle, erklärt Guido Jost, Vorsitzender des saarländischen ASB-Landesverbandes. Er betont, dass jeder Mensch es verdiene, seine Wünsche erfüllt zu bekommen. Auch spielt es keine Rolle, ob ein Sterbenskranker vermögend ist oder nicht, denn die Fahrten mit dem Wünschewagen sowie weitere Aktivitäten am Zielort sind für den Patienten sowie eine Begleitperson kostenlos. Es gibt nur eine Bedingung, die der ASB stellt: Das Wunschziel sollte innerhalb eines Tages erreichbar sein.

Der Wünschewagen ist ein umgebauter Krankenwagen, der an die speziellen Bedürfnisse seiner Fahrgäste angepasst wurde. Spezielle Stoßdämpfer, Musik, ein harmonisches Konzept aus Licht und Farben sowie Panoramafenster machen eine Fahrt mit dem Wagen zum Erlebnis. Ebenso verfügt das Fahrzeug über eine notfallmedizinische Ausstattung, womit das begleitende ASB-Team im Notfall eingreifen kann. Mindestens zwei ehrenamtliche Mitarbeiter, die aus dem Rettungsdienst oder dem medizinisch-pflegerischen Bereich kommen, sind immer mit dabei.



Innenminister Klaus Bouillon (CDU) zeigte sich am Mittwoch in der Staatskanzlei, wo der saarländische Wünschewagen offiziell eingeweiht wurde, begeistert: „Es ist mir eine Ehre, für den ASB arbeiten zu können und auch in Zukunft haben wir noch viel vor.“ Bouillon übernimmt die Schirmherrschaft für das Projekt „Wünschewagen“. Der Präsident des ASB Deutschland, Franz Müntefering, berichtete stolz von den bisherigen Erfolgen des Projekts. „Ich hoffe, dass der Wünschewagen im Saarland für viele Menschen ein Ort sein wird, an dem sie etwas erleben, was wichtig für sie ist“, sagte der ehemalige SPD-Politiker und Ex-Vizekanzler.

Schon vor der offiziellen Vorstellung des Projekts ging der Wünschewagen auf große Fahrt. „Vor ein paar Tagen haben wir einen Hospiz-Patienten in seine Wohnung gebracht“, berichtet Notfallsanitäter Thomas Schallmo, der sich ehrenamtlich bei dem ASB-Projekt engagiert. „Die nächste Fahrt geht dann im März zu einem Fußballspiel des FC Bayern.“ Schnell müsse es oft gehen, wenn ein Wunsch eingereicht werde, erzählt ASB-Sprecherin Claudia Kohde-Kilsch. „Wir hatten schon zwei Anmeldungen, bei denen kurz darauf die Wünschenden verstorben sind. So etwas ist immer besonders schlimm.“

Menschen, die einen letzten, unerfüllten Wunsch haben, können sich für eine Fahrt mit dem Wünschewagen anmelden. Wunschanfragen können auch von Familienangehörigen gestellt werden. Wichtig ist nur, dass der Fahrgast transportfähig ist.

Wünsche können bei Projektleiter Jürgen Müller beim ASB-Landesverband, Kurt-Schumacher-Str. 18 in Saarbrücken, telefonisch unter (06 81) 96 73 40 oder per Email an wuenschewagen@asb-saarland.de eingereicht werden.