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Lebensmittel
Damit nicht tausende Steaks im Müll landen

Lebensmittel in einer Mülltonne. Jeder Mensch in Deutschland wirft statistisch gesehen im Schnitt rund 82 Kilo Lebensmittel pro Jahr weg.
Lebensmittel in einer Mülltonne. Jeder Mensch in Deutschland wirft statistisch gesehen im Schnitt rund 82 Kilo Lebensmittel pro Jahr weg. FOTO: dpa / Patrick Pleul
Saarbrücken. Minister Jost ruft Aktionswoche gegen Lebensmittelverschwendung aus. Ab Montag soll es dazu rund 50 Info-Veranstaltungen geben. Von Johannes Schleuning
Johannes Schleuning

Jeder von uns wirft jeden Tag ein Steak ungegessen in den Abfall. Das glauben Sie nicht? Statistisch ist das belegt: Jeder Mensch in Deutschland wirft im Schnitt rund 82 Kilo Lebensmittel im Jahr weg. Das ist so viel wie ein Steak pro Tag – oder zwei Äpfel, nämlich rund 220 Gramm pro Tag. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Uni Stuttgart. Nur ein kleiner Teil davon ist verdorben. 53 der 82 Kilogramm Lebensmittelabfälle wären also vermeidbar. Um auf das Problem aufmerksam zu machen und sowohl die Verbraucher – also uns! – als auch Industrie und Handel für einen verantwortungsbewussten Umgang mit Lebensmitteln zu sensibilisieren, hat Verbraucherschutzminister Reinhold Jost (SPD) eine Aktionswoche ausgerufen. In der kommenden Woche soll es dazu fast 50 Infoveranstaltungen, Vorträge und eine Podiumsdiskussion geben (Termine unter www.lebensmittelverluste.saarland.de).


Das Gros der Lebensmittelverluste geht laut Ministerium auf das Konto der Konsumenten. „Schon Kinder sollten deshalb lernen, wie Lebensmittel verarbeitet und gelagert werden, und was man kreativ aus Essensresten zaubern kann“, so Jost. Kitas und Schulen seien deshalb auch diejenigen Orte, wo „die Wertschätzung gegenüber Lebensmitteln“ erlernt werden müsse. Geschärft werden müsse aber auch der Blick für das Mindesthaltbarkeitsdatum. „Viele sehen, dass das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist, und schmeißen das Produkt daraufhin ungeöffnet in den Müll“, erklärt Jost. Doch das Mindesthaltbarkeitsdatum sei kein Verfallsdatum. „Ein prüfender Blick und eine einfache Geruchsprobe reichen oft schon aus, um ein Produkt mit abgelaufenem Datum vor der Mülltonne zu bewahren.“ Deshalb setze sich sein Ministerium auch schon „seit Jahren für die Abschaffung des Mindesthaltbarkeitsdatums ein“.

Die neue deutsch-französische Broschüre des Ministeriums „Tipps und Tricks zur Lebensmittelrettung“ erklärt, wie man erkennt, ob Lebensmittel noch verzehrt werden können. Sie soll in der nächsten (Aktions-)Woche in Einzelhandelsketten und an Infoständen verteilt werden und ist zudem kostenlos beim Ministerium erhältlich.

In den Informations-Kampf gegen Lebensmittelverschwendung will das Ministerium in diesem Jahr insgesamt 100 000 Euro investieren. „Und sollte das nicht ausreichen, werden wir die Mittel in den kommenden Jahren noch aufstocken“, kündigt Jost an. Denn die Aktionswoche soll jährlich stattfinden. Während sie sich in diesem Jahr vorrangig an die Verbraucher richten werde, solle sie sich im nächsten Jahr vor allem der Industrie widmen, 2020 dem Großverbraucher und 2021 dem Handel. Letzterer stehe dem Kampf gegen Lebensmittelverschwendung übrigens „äußerst aufgeschlossen gegenüber“, sagt Jost. „Da rennen wir quasi offene Türen ein – nicht zuletzt, weil es ja auch deren ureigenstes Interesse ist, nicht auf Lebensmitteln mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum sitzen zu bleiben.“

Die Kampagne des Ministeriums hat also vorerst ebenfalls kein Mindesthaltbarkeitsdatum. Es sei denn natürlich, die Aktion würde irgendwann ungenießbar werden – weil keiner von uns mehr Lebensmittel wegwirft.



Reinhold Jost
Reinhold Jost FOTO: SPD-Landtagsfraktion/Tom Gundelwein