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Computerfestival "Revision" mit Tastatur und Maus

Ein digitaler Fotowettbewerb war einer von 20 Wettbewerben des Computerfestivals. Foto: Heike Theobald
Ein digitaler Fotowettbewerb war einer von 20 Wettbewerben des Computerfestivals. Foto: Heike Theobald
Saarbrücken. In hoher Geschwindigkeit wechselte die Nebellandschaft ihre Farben und Formen, mal in Weiß, dann in Blau, mal erschien ein Feuerschwall auf dem Monitor. Die Musik dazu klang ebenso bizarr, wie die Bilder selbst es waren. Joachim Hufer aus München hat dieses Intro programmiert. Maximale Größe: Knapp 4 Kilobyte

Saarbrücken. In hoher Geschwindigkeit wechselte die Nebellandschaft ihre Farben und Formen, mal in Weiß, dann in Blau, mal erschien ein Feuerschwall auf dem Monitor. Die Musik dazu klang ebenso bizarr, wie die Bilder selbst es waren. Joachim Hufer aus München hat dieses Intro programmiert. Maximale Größe: Knapp 4 Kilobyte. Wer sich am Computer auskennt, weiß, das entspricht nicht mehr als einem gewöhnlichen Word-Dokument und das ist für eine Computeranimation wenig.Hufer, 31 Jahre alt, bezeichnet sich selbst als Freak. Ein Freak, der sich am Wochenende in Saarbrücken unter Hunderte von Gleichgesinnten mischte, die so genannte Demoszene. Sie traf sich im E-Werk zum Computerfestival "Revision". Rund 800 Kreativköpfe versammelten sich dort, um sich der Herausforderung des Programmierens von Grafiken und Musik auf einem herkömmlichen PC zu stellen, dabei alles heraus zu kitzeln, was das Gerät hergibt, kurz: Sie kreieren Computerkunst.

Hufer ist Informatiker, arbeitet in der Forschung für Spracherkennung. Sein Vater war Programmierer, der Computer ist dem Münchner quasi in die Wiege gelegt worden. Und auch in seiner Freizeit taucht er gerne in die virtuelle Welt ein. Zur Demoszene kam Hufer 2003, als er erstmals an der "Breakpoint" teilnahm, dem Vorgängerfestival der "Revision". Die Grafik für sein Intro programmierte er in drei Monaten, für die Musik brauchte er zwei Jahre. "Ich habe immer wieder ausprobiert und gelöscht", sagte er. Obwohl noch nicht fertig, habe sein Kunstwerk nun jedoch eine Form angenommen, die es wert gewesen sei, sie zu präsentieren. Das optische Ergebnis sei für Hufer zweitrangig. Wichtig sei, dass die Szene erkenne, was er programmiert habe.

Der 31-Jährige trat im 4-K-Wettbewerb an, einem von über 20 Wettbewerben, die das Festival in puncto Programmierung, Animation, Musik und Grafik zu bieten hatte. Die "Revision", veranstaltet vom Verein "Tastatur und Maus", tritt die Nachfolge der "Breakpoint" an, die von 2003 bis 2010 jeweils an Ostern in Bingen lief. Saarbrücken, so hofft Reza Esmaili als Sprecher des Vereins, soll nun der Ort des "weltweit größten Computerfestivals" bleiben. Und auch die Feiertage von Karfreitag bis Ostermontag sollen beibehalten werden. Die 800 Teilnehmer der "Revision" kamen aus über 30 Ländern weltweit, die meisten aus den Benelux-Staaten, Frankreich, Skandinavien und Osteuropa. "Der Ausländeranteil liegt bei etwa 60 Prozent", so Esmaili. Der Rest kommt aus Deutschland. Die Demoszene entwickelte sich aus der Computerszene der 80er Jahre in der Blütezeit der 8-Bit-Systeme. Die "Demos", wie die Anhänger sich bezeichnen, programmieren digitale Kunst, meist als musikalisch unterlegte Echtzeit-Animationen. hth