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Ein Saarlouiser in New York
Das neue saarländische Gesicht in der Modewelt

 Gut gelaunt in New York: der Saarländer Christophe Larsson vor seinem Auftritt bei der Fashion Week. Erst mit 51 Jahren hat er, als so genanntes Best-Ager-Model, jetzt eine Blitzkarriere gestartet.
Gut gelaunt in New York: der Saarländer Christophe Larsson vor seinem Auftritt bei der Fashion Week. Erst mit 51 Jahren hat er, als so genanntes Best-Ager-Model, jetzt eine Blitzkarriere gestartet. FOTO: Christoph Larsson
Saarlouis/New York. Vor ein paar Tagen stand der Saarlouiser Christophe Larsson bei der Fashion Week in New York auf dem Laufsteg. Die Erfüllung eines Lebenstraums für den 51-Jährigen. Und der Traum geht weiter: Auch für die nächsten Modewochen in London und New York ist er schon gebucht. Von Oliver Schwambach
Oliver Schwambach

Seine Mails aus New York schlagen quasi im Minutentakt ein, trunken vor Euphorie. Christophe Larsson muss seine Begeisterung einfach loswerden, sie allen mitteilen. Denn er steht – als 51-jähriger Neuling – bei der Fashion Week in New York auf dem Laufsteg, einem der Top-Mode-Events überhaupt. Und sein Herz ist übervoll mit Von-Null-auf-Hundert-Gefühlen. Vor nicht mal einem Jahr dachte der gebürtige Saarlouiser nämlich an alles – bloß nicht daran, mit über 100 anderen Models vor unzähligen Kameralinsen zu posieren, Sekundenstar im Blitzlichtgewitter zu sein, Interviews zu geben ...


Normalerweise arbeitet Larsson als pädagogischer Leiter der Tagesklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in St. Wendel. Kein Job, sondern „meine Lebensaufgabe“, sagt er. Klar, wer ein Auge dafür hat, sieht schon, dass dem markanten 1,88-Meter-Mann Mode was bedeutet, Spiegel seiner Persönlichkeit sein soll. Und ja, in jungen Jahren trippelte er schon mal zaghaft auf diversen kleineren Laufstegen. Doch das verwarf er schnell wieder. Zu riskant, zu unstet erschien ihm das schöne Geschäft mit den Eitelkeiten.

Dann aber hatte er 2018 plötzlich die Gelegenheit, ein Foto-Shooting für Männerkosmetik auf Sylt zu machen. Mehr eine Laune als ernsthafte Absicht. Doch die Bilder hatten offenbar was. Der Fotograf stellte die Aufnahmen auf Online-Mode-Portale. Und Larsson bekam Anfragen und landete jetzt mitten im großen Moderummel am Hudson.



 Christophe Larsson mit einem Lammfell-Oberteil, das er kürzlich bei der Fashion Week in New York vorführte.
Christophe Larsson mit einem Lammfell-Oberteil, das er kürzlich bei der Fashion Week in New York vorführte. FOTO: Christoph Larsson

Dort war er jetzt zwar nur für – übliches Modelschicksal – „30 Sekunden“ der Star, als ihm in einem alten Hotel nahe der 5th Avenue der Catwalk gehörte. Umringt von Fachjournalisten und Einkäufern von Versandunternehmen und Warenhäusern. Doch „ich fühlte mich großartig – und auch hochkonzentriert, weil ich wusste: Ich muss abliefern“. Die Sekunden brauchten freilich Ewigkeiten der Vorbereitung. Schon am Abend vorher wurde geprobt. Am eigentlichen Show-Tag gab es weitere Testdurchgänge. Dazu Anprobe, unter anderem des Lammfell-Oberteils von „Mr. Rowe“, der auch für die Sängerinnen Rihanna und Grace Jones entwirft, dann Zeit in der Maske, der Bart wurde nochmal gestutzt. Der grau-schwarz-melierte Bart löste übrigens zu Larssons Überraschung Riesenbegeisterung aus: „Alle sprachen mich darauf an.“ Und bald hieß er nur noch „the amazing German face“ (das unglaubliche deutsche Gesicht).

Fast wäre Christophe Larsson zu seinem großen Auftritt allerdings zu spät gekommen. Kurz vor seinem großen Lauf kam Designer Demetrius Williams nämlich auf ihn zu, fragte, ob der Saarländer Zeit für ein Foto-Shooting habe. Larsson fragte: „Wann?“ Antwort: „Jetzt.“ „Sofort hatte ich dieses deutsche Denken in mir“, meint Larsson, „dass man nicht kurzfristig vor so einem wichtigen Moment noch was anderes macht“. Aber ein amerikanischer Kollege habe ihn nur angesehen und zugerufen: „Do it!“. Also ging Larsson mit Williams raus in eine Seitenstraße der 5th Avenue, posierte im Eis und Schnee so cool und lässig wie nur möglich. Bis Williams sagte: „Du hast den Job.“

 Christoph Larsson im Gespräch mit  "Red Carpet"  bei der Fashion Week.
Christoph Larsson im Gespräch mit "Red Carpet" bei der Fashion Week. FOTO: Christoph Larsson

Für den 51-jährigen Larsson überstürzen sich gerade die Ereignisse, sein Leben wird in Teilen neu geschrieben. Sein Traum, einmal über den großen Laufsteg zu gehen, ist nämlich noch nicht zu Ende. Sondern fängt gerade erst richtig an. Denn auch bei den Fashion Weeks der nächsten beiden Jahre in New York ist er gebucht. Und für die London Fashion Week im September wurde er ebenfalls eingekauft. Im Spätsommer dieses Jahres wird der Saarlouiser dann von New York zum Urlaub mit der Familie nach Sylt fliegen. Von dort nach London jetten. Und wieder zurück zum Urlaub nach Sylt. Dazu dürfte demnächst auch noch ein Stempel der Immigration Control auf Hawaii im Pass dazukommen. Denn eine Anfrage für eine Kampagne, die ein russischer Fotograf auf den Pazifik-Inseln fotografiert, hat er auch noch.

Könnte er da nicht doch schwach werden und für den Laufsteg seinen eigentlichen Beruf an den Nagel hängen? „Nein“, antwortet Christophe Larsson sehr bestimmt. „Meine Arbeit in St. Wendel steht für mich an oberster Stelle.“ Was aber könnte auch besser sein? Ein Beruf, der ihm Berufung ist, und dazu noch ein „Hobby“, das ihn rund um den Globus bringt.