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30 Jahre naturnahe Waldwirtschaft
Chef des Umweltverbandes lobt Saar-Forst

Zur naturnahen Waldwirtschaft des Saar-Forsts gehören das Belassen von alten Bäumen und das Liegenlassen von Ästen.
Zur naturnahen Waldwirtschaft des Saar-Forsts gehören das Belassen von alten Bäumen und das Liegenlassen von Ästen. FOTO: picture alliance / blickwinkel / dpa Picture-Alliance / J. Fieber
Saarbrücken. Nach 30 Jahren naturnaher Waldwirtschaft gilt das Saarland immer noch als bundesweiter Vorreiter. Von Udo Lorenz

Trotz mancher Kritik an zu viel Holzeinschlag, rotierenden Windrädern und von Maschinenfurchen zerfledderten Wanderwegen im Wald: Der Saar-Forst gilt nach 30 Jahren naturnaher Waldwirtschaft, bei der er einst mit Kahlschlag- und Chemieeinsatz-Verbot bundesweiter Vorreiter war, weiterhin als Vorbild für ein wegen des Klimawandels dringend benötigtes Waldumbauprogramm in Deutschland. Das hat der Vorsitzende des Umweltverbandes BUND, Hubert Weiger, am Mittwochabend als Festredner einer Jubiläumsveranstaltung im Saarbrücker Rathaus hervorgehoben.


Anders als in etlichen anderen Bundesländern ist der „Bürgerwald“ im Saarland für Spaziergänger mit und ohne Hund, Reiter, Mountainbiker und viele andere bis hin zu Geocachern bereits in den vergangenen drei Jahrzehnten zu drei Vierteln auf Laubbäume wie Buche, Eiche und Ahorn umgestellt worden, was den schadhaften Borkenkäferbefall eindämmt. Wärmetolerantere Nadelbäume wie die Weißtanne, die die Fichte ersetzt, sollen zudem den Wald fitter für den immer bedrohlicheren Klimawandel machen.

„Ich nehme den gesetzlichen Auftrag, den Wald zu erhalten, sehr ernst“, sagte Umweltminister Reinhold Jost (SPD), der auch die Vorreiterrolle seiner Minister-Vorgänger bei der naturnahen Waldbewirtschaftung würdigte. Die Leistungen des Saar-Forstes und des Staatswaldes seien aber nicht zum Nulltarif zu haben, meinte er. Die Holzverwertung im staatlichen Saar-Forst bringe zehn Millionen Euro pro Jahr. Die naturnahe Waldwirtschaft mit Verzicht der Holznutzung auf einem Zehntel der Waldfläche, dem zunehmenden Belassen alter Bäume und dem Liegenlassen von dünnen Ästen und Baumteilen im Wald, bedeute demgegenüber einen Einnahmeverzicht von vier Millionen Euro jährlich. Zudem würden im Saarland ständig mehr Bäume neu angepflanzt als gefällt. Wegen des Klimawandels mit seinem Anstieg der Erderwärmung um ein Grad, der nun auch unsere Wälder bedrohe, gelte es vor allem, den Kohlendioxid-Ausstoß zu mindern. Deshalb solle das CO2-neutrale Holz öfters Produkte wie Beton und Stahl als Baustoff ersetzen.



„Wir Jäger sehen das Land bei der naturnahen Waldwirtschaft auf dem richtigen Weg“, sagte Landesjägermeister Josef Schneider: „Wir erkennen nur dort Probleme, wo die Jagd – wie im Urwald vor den Toren der Stadt – nicht ausgeübt werden darf und die Wildschweine dann Probleme bis hin zu Verkehrsunfällen machen.“ Im vergangenen Jahr haben die 4800 Jäger im Saarland laut Schneider dennoch eine Rekordstrecke beim Schwarzwild und die höchste Abschussquote aller Zeiten beim Rehwild gegen den Baumverbiss erzielt.

Beim ökologisch notwendigen Ausbau der Windenergie, so Minister Jost, seien die historisch alten Waldstandorte besonders geschützt worden. „Von den 28 über Staatswald genehmigten Windenergieanlagen sind 20 in Betrieb und vier weitere Anlagen im Bau“, sagte er. „Der Waldverlust wurde durch Neuaufforstung an anderer Stelle ersetzt.“

Laut Jost soll beim Saar-Forst am Personalstand von derzeit rund 200 Beschäftigten bis 2025 festgehalten werden. „Zudem führen wir gerade an über dreitausend Stichprobenpunkten eine Inventur im Staatswald durch“, betonte er. „Die Ergebnisse mit aktuellem Datenmaterial über Holzvorräte, Zuwächse und Nutzungsmöglichkeiten erwarten wir bis Ende des Jahres.“