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Mitgliederzahl der Bergmannsvereine stagniert
Kritik an der Saar-Industriekultur-Politik

 Auf dem Abstellgleis: Klaus Hiery, Präsident des Landesverbandes der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine des Saarlands, stützt sich auf eine historische Lore mit Gedenk-Emblem.
Auf dem Abstellgleis: Klaus Hiery, Präsident des Landesverbandes der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine des Saarlands, stützt sich auf eine historische Lore mit Gedenk-Emblem. FOTO: Ruppenthal
Saarlouis. Chef des Landesverbands der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine Hiery: „Man kann mehr daraus machen“. Heute Jubiläumsfeier. Von Dietmar Klostermann
Dietmar Klostermann

Diesen Samstag, 16. März, feiert der Landesverband der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine des Saarlandes im Vereinsheim Saarlouis-Fraulautern, ab 10.30 Uhr, sein 50-jähriges Bestehen. Auch Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) hat sich angesagt. Der Chef des Landesverbands, Klaus Hiery, nimmt im SZ-Gespräch zur Zukunft des Verbands Stellung, Und er kritisiert die Industriekultur-Politik der Landesregierung.


Wie sieht es aus mit der Mitgliederstruktur des Landesverbands und der Vereine? Finden Sie noch genügend Nachwuchs? Wie viele Mitglieder haben sie derzeit und wie viele Neueintritte gibt es?

HIERY Wir haben zurzeit 83 Mitgliedsvereine, die etwa 25 000 Mitglieder haben. Die Struktur ist stagnierend, es kommen keine neuen Mitglieder dazu. Es ist ja bei allen Vereinen im Land das Gleiche, da sind wir keine Ausnahme.



Bei Ihnen kommt ja noch hinzu, dass der Grund der Mitgliedschaft durch das Ende des Bergbaus 2012 im Saarland und 2018 auch in NRW entfallen ist. Oder sehe ich das falsch?

HIERY So ganz richtig ist das nicht. Wir haben auch nach dem Ende des Bergbaus noch neue Mitglieder bekommen, aber im Moment stagniert der Mitgliederstand. Bis 2015 haben wir noch neue Mitglieder gewinnen können. Jetzt kommt aber niemand mehr.

Ihr Verband ist ja die Vertretung der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine. Es könnte ja sein, dass noch neue Mitglieder aus der Stahlproduktion gewonnen werden könnten, die weiterhin intakt ist im Saarland?

HIERY Ja, die gehen aber mehr oder weniger in die Ortsvereine hinein. Diese Stahlarbeiter werden bei uns aber nicht direkt erfasst, da diese Ortsvereine auch Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine heißen.

Welche Aufgaben erfüllt der Landesverband? Welchen politischen Anspruch haben Sie?

HIERY Wenn wir schon bei dem bleiben, was wir haben, nämlich die kulturellen Werte zu erhalten und entsprechend auszubauen, dann haben wir schon ein großes Ziel erreicht. Mit den kulturellen Werten meine ich zum Beispiel die Bergmannsmusik oder den Saarknappenchor. Und gleichzeitig das, was die einzelnen Ortsvereine in ihren Orten machen. Die Erhaltung verschiedenster Denkmäler zum Beispiel. Oder viele sind ehrenamtlich bei der Kirche und in politischen Parteien tätig. Die bringen sich dort entsprechend ein mit ihrem Knowhow.

Gibt es Erinnerungsorte, die der Landesverband bei der Pflege kultureller Güter besonders im Auge hat? Das Saar-Polygon war etwa schon von Vandalismus betroffen.

HIERY Da haben wir zusammen mit dem Bergbauerbe Saar schon die entsprechenden Vorkehrungen getroffen. Da sind Umzäunungen eingerichtet worden. Was wir zurzeit hegen und pflegen, ist der Gedenkstein vor dem Brunnen der Anlage Duhamel. Wo alljährlich Gedenkfeiern stattfinden, wie im vergangenen Jahr am 23. Dezember. Ansonsten ist noch der 7. Februar ein wichtiges Erinnerungsdatum an das Grubenunglück dort 1962 mit 299 Toten.

Wie sehen Sie die weitere Entwicklung in Sachen Industriekultur? Da hat die CDU/SPD-Landesregierung schon vor Jahren Jahren mitgeteilt, dass vier so genannte „Leuchttürme“ besonders gefördert werden sollen. Andere Industriekulturstandorte sind quasi aus dem Fokus herausgefallen. Wie sehen Sie das?

HIERY Ich war bei zwei oder drei Besprechungen dabei. Mehr kam bisher nicht heraus. Seit einem halben oder dreiviertel Jahr haben wir nichts mehr von der Sache gehört.

Sind sie enttäuscht?

HIERY Teilweise Ja. Man kann mehr daraus machen. Wir haben so viele Industriedenkmäler, ganz gleich in welcher Form. Ich denke an die Glasgießer in Wadgassen. Da muss nicht an jedem Ort ein Schachtturm stehen. Aber trotzdem sollte man diese Sachen nicht vergessen.

Im Augenblick erleben wir eine intensive Debatte über den Klimawandel. Schüler streiken deswegen. Das Thema Kohleabbau spielt eine große Rolle. Im Saarland sind noch Kohlekraftwerke in Betrieb oder als Netzreserve einsatzbereit. Schmerzt Sie das, wenn Forderungen kommen, die ganz abzuschalten? Oder sehen Sie das als eine logische Konsequenz der Klimadebatte?

HIERY Das schmerzt mich, wenn die ganz abgeschaltet werden. Mit der Klimadebatte hat das meines Erachtens nichts zu tun, sondern ist eine politische Willenskundgebung. Wenn 2022 alle Atomreaktoren abgeschaltet werden, wo kriegen wir dann den Strom her? Aus der Steckdose. Aber wir kaufen den Strom teuer in den Nachbarstaaten ein. In vielen Ländern wird noch Kohle abgebaut, und es entstehen neue Kraftwerke. Oder wir bekommen morgen den Strom über tausende Kilometer aus China ins Saarland. Ob das normal ist? Ich glaube nicht, dass das der politische Wille der Bundesregierung ist. Man will nur einen grünen Stempel hier haben, mag es kosten, was es will. Oder man will ein bestimmtes Wählerklientel beruhigen.

Vielen Dank und Glückauf!

HIERY Glückauf!

Das Gespräch führte
Dietmar Klostermann