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Charme-Offensive der Ordnungshüter

St. Wendel. An der Nikolaus-Obertreis-Schule klickten jüngst die Handschellen. Ohnehin ist die Polizei zurzeit Dauergast an der Bildungseinrichtung. Nicht etwa, weil an der Grundschule viele junge Schwerenöter unterrichtet werden oder sie eines besonderen Schutzes vor Angriffen von außen bedarf. Sondern, weil die Polizei eine Patenschaft über die Nikolaus-Oberteis-Schule übernommen hat Von SZ-Redakteur Rainer Ulm

St. Wendel. An der Nikolaus-Obertreis-Schule klickten jüngst die Handschellen. Ohnehin ist die Polizei zurzeit Dauergast an der Bildungseinrichtung. Nicht etwa, weil an der Grundschule viele junge Schwerenöter unterrichtet werden oder sie eines besonderen Schutzes vor Angriffen von außen bedarf. Sondern, weil die Polizei eine Patenschaft über die Nikolaus-Oberteis-Schule übernommen hat. Das teilte der stellvertretende Chef des Polizeibezirks St. Wendel, Hubert Zimmer, mit.Mit der Patenschaft will die Polizei über ihre Arbeit informieren und um Sympathie werben. "Manche Eltern drohen bereits ihren Kindern aus geringfügigem Anlass mit der Polizei. Aber die Uniform soll keinen abschreckenden Charakter haben", begründet Zimmer die Charme-Offensive der Ordnungshüter. "Damit kann man nicht früh genug beginnen." Damit sei man sich mit der Elternvertretung der Grundschule einig, "die an uns mit diesem Ansinnen herangetreten ist". Laut Zimmer handelt es sich auf eine "Patenschaft auf Dauer", bei dem ein "Vertrauensverhältnis" auf-, Berührungsängste und Vorurteile abgebaut werden sollen. Um das zu erreichen, besuchen einmal im Vierteljahr 14 junge Beamte die Schüler und ihre Lehrer in den 16 Klassen.In den Schulstunden sprechen die Polizisten unter anderem darüber, warum es einen Notruf gibt, was ein Blaulicht oder Martinshorn ist, warum die Beamten Uniform tragen, wann, wie und warum sie mit anderen Diensten wie Feuerwehr und Notärzten zusammenarbeiten, was Gewalt und was eine Straftat ist und warum es heißt: "Polizei, dein Freund und Helfer." Für Zimmer hat diese Patenschaftsarbeit auch einen vorbeugenden Aspekt: "Prävention ist wichtig." Er glaubt: "Dadurch können mögliches Fehlverhalten von Kindern verhindert und Gefahrenpotenziale erkannt werden.""Wir schaffen es nie, unseren Lehrplan, den wir uns vorher überlegt haben, durchzubekommen. Die Kinder fragen uns schon vorher geradezu Löcher in den Bauch", beschreibt Polizeikommissar Markus Tigmann das große Interesse der Grundschüler. Tigmann hat gerade gemeinsam mit seiner Kollegin Polizeikommissarin Ramona Sersch die Klasse 2a der Nikolaus-Obertreis-Schule besucht, hatte den Kindern unter anderem erklärt, warum sie im Fall eines Falles die Notrufnummer 110 anrufen müssen. Und plötzlich fragte einer der Schüler nach den Handschellen, die sie bei sich trugen. Und schon wollten die metallenen Fesseln einmal "ausprobieren". Und so kam es, dass bei den Acht- und Neunjährigen die Handschellen klickten.