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„Bunt statt braun“ gewinnt bei Saarlands Beste im Februar

Aus Protest gegen den NPD-Bundesparteitag demonstrierten 4000 Menschen vor dem Saarbrücker Schloss. Foto: Iris Maria Maurer
Aus Protest gegen den NPD-Bundesparteitag demonstrierten 4000 Menschen vor dem Saarbrücker Schloss. Foto: Iris Maria Maurer FOTO: Iris Maria Maurer
Saarbrücken. Das Bündnis "Bunt statt braun" tritt für gegenseitigen Respekt in einer weltoffenen Gesellschaft ein. Bei seinen Aktionen setzt es Zeichen gegen Rassismus und organisierten Rechtsextremismus. Dieses besondere Engagement würdigten jetzt die SZ-Leser und wählten das Bündnis zur "Saarlands Besten"-Gruppe im Februar. Zuletzt brachte das Bündnis, in dem Gewerkschaften, Kirchen, Parteien und andere Gruppierungen zusammengeschlossen sind, mehr als 4000 Demonstranten gegen den NPD-Bundesparteitag im März in Saarbrücken auf die Straße. "Rund um das Saarbrücker Schloss herrschte eine Art Volksfest- und Sternmarsch-Atmosphäre", berichtet Bündnis-Sprecher Philipp Weis. Eine deutsch-syrische Gruppe rief zu einem Flashmob in der Innenstadt auf, die Arbeiterwohlfahrt organisierte eine Suppenküche, eine Aktionsgruppe las unter freiem Himmel nahe des saarländischen Landtags Zitate von deutschen Autoren und Liedermachern wie Konstantin Wecker, Bertolt Brecht und Erich Fried. "Wir haben dem braunen Gedankengut im Schloss eine bunte, friedliche und fröhliche Großveranstaltung entgegengesetzt", fasst Weis zusammen. Mehr als 30 Akteure sind in dem Aktionsbündnis zusammengeschlossen und in einem E-Mail-Verteiler und über soziale Netzwerke miteinander vernetzt. Im Vorfeld jeder "Bunt statt braun"-Aktion muss die Demonstration beim Ordnungsamt der Saarbrücker Stadtverwaltung angemeldet, Flyer gedruckt und verteilt, ein Konzept mit Rednern ausgearbeitet, ein Begleitprogramm erstellt und Ordner für den Demonstrationszug gestellt werden. Der zweite Schritt bestehe darin, sagt Weis, die Aktion über den Verteiler anzukündigen und abschließend in einer Vollversammlung zu besprechen, was noch vorbereitet werden kann. "Das Bündnis kommt immer dann zusammen, wenn Neonazis oder extrem rechte Gruppierungen größere Treffen im Saarland planen", erläutert Weis. Dass es das Bündnis schaffe, Tausende von Menschen zu bewegen, liege zum einen an dem breit aufgestellten Netzwerk mit den "Schwergewichten wie Gewerkschaften, Parteien und Kirchen", erklärt das Juso-Mitglied. "Unser Bündnis hat immer bei den entscheidenden Veranstaltungen Flagge gezeigt", nennt Weis einen weiteren Faktor. Nicht nur anlässlich des jüngsten NPD-Bundesparteitages sei man auf die Straße gegangen, auch als die rechtspopulistische AfD im Herbst 2015 zu einer Kundgebung in Saarbrücken aufrief und nach dem Terror-Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt im Dezember. Das Bündnis habe sich im Laufe der Zeit "einen Namen gemacht", ist Weis überzeugt. Die Anfänge des Aktionsbündnisses reichen zurück bis zu den vom evangelischen Pfarrer Jörg Metzinger initiierten friedlichen Protesten gegen den "Politischen Aschermittwoch" der NPD 2009 in Saarbrücken-Schafbrücke. Benjamin Rannenberg