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Spendenaktion
Bundesweite Spendenaktion in Ludwigskirche eröffnet

Saarbrücken. Alt-Bundespräsident Joachim Gauck war zu Gast beim Festakt in Saarbrücken und lobt „Brot für die Welt“ als „kraftvolle Marke“.

(epd) Mit einer leeren Kürbisflasche ist Catherine Mwangi nach Saarbrücken gekommen. Sie hatte das traditionelle Gefäß bewusst ohne Inhalt aus Kenia mit zur Eröffnung der Spendenaktion „Brot für die Welt“ ins Saarland gebracht. Sie wisse ja, dass es an der Saar Wasser in Hülle und Fülle gebe, sagte die Direktorin des Entwicklungsdienstes der Anglikanischen Kirche ADS.



In ihrer Heimat sieht das anders aus. Am Fuße des Mount Kenia herrscht ein „semi-arides“ Klima. Dort müssten viele Frauen noch immer mühsam Wasser in 30 Kilogramm schweren Kanistern über zig Kilometer nach Hause schleppen, erzählte Mwangi. Anhaltende Dürre – nach Expertenangaben verschärft durch den Klimawandel – macht das Leben der Menschen in weiten Teilen Ost-Afrikas immer beschwerlicher. Es fehlt reines Trinkwasser für die Menschen, der Boden verödet und das Vieh stirbt. Ein ADS-Projekt hat das evangelische Hilfswerk „Brot für die Welt“ als Beispiel für die am Sonntag gestartete 59. Spendenaktion unter dem Motto „Wasser für alle!“ gewählt. Mit Hilfe von Geldern aus Deutschland hat ADS zusammen mit der lokalen Bevölkerung im Dorf Gichunguri einen ersten großen Wasserspeicher gebaut. Zwei weitere sollen folgen.

Ob in Afrika, Asien oder Lateinamerika – weltweit haben laut „Brot für die Welt“ noch immer fast 850 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Und an Appellen an die Hilfsbereitschaft jedes Einzelnen in Deutschland mangelte es in Saarbrücken nicht. Alt-Bundespräsident Joachim Gauck sieht die Lage im wasserreichen Westen auch in Zeiten der Ich-Gesellschaft nicht als hoffnungslos. „Das ganze Land ist durchzogen von einem Netz des Guten und der Guten“, sagte er beim Festakt am Samstagabend in Saarbrücken. In fast jedem Menschen – und sei er noch so konsumfixiert – gebe es das Bedürfnis, etwas für andere zu tun.

„‚Brot für die Welt‘ ist eine kraftvolle Marke“, sagte Gauck. Er berichtete von seiner Zeit als Pastor in der „laizistischen“ DDR. In Rostock habe er schon damals einen Spendenaufruf per Brief für „Brot für die Welt“ gestartet. Auch viele Menschen, „die wir nie in der Kirche sahen“, hätten gespendet.

Das Hilfswerk sammelt für die Unterstützung von Projekten in Afrika, Lateinamerika und Asien.

Beim Eröffnungsgottesdienst in der Saarbrücker Ludwigskirche berichtete Diakoniepfarrer Udo Blank aber, es werde zunehmend schwerer, junge Menschen für die Themen in der Welt zu sensibilisieren.

Am Vorabend erzählten zwei Junge Leute den Festaktgästen über ihre Teilnahme an einem Sozialen Jahr. Sie zitierten aus einem Gedicht von Bertolt Brecht, „dass das weiche Wasser in Bewegung mit der Zeit den harten Stein besiegt“. „Sie wissen am besten, wo Sie weiches Wasser sein können“, schloss Janek Walla, der ein Freiwilliges Soziales Jahr macht, seinen Vortrag.

Nach ihrem Weihnachtswunsch gefragt, berichtete Mwangi, dass viele Menschen am Mount Kenia nur wenig Zeit hätten zu feiern. Schließlich müssen sie Wasser von weit her schleppen. Aber wenn sie einen Wunsch zum Fest hätte, dann wäre der, dass alle in ihrer Heimat Wasser zu Hause hätten und ihren Durst stillen könnten.