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Chef der deutschen Blauhelm-Soldaten in Mali
„Wir werden einen langen Atem brauchen“

Oberst Aslak Heisner aus Saarlouis führt die etwa 850 deutschen Blauhelm-Soldaten in Mali.
Oberst Aslak Heisner aus Saarlouis führt die etwa 850 deutschen Blauhelm-Soldaten in Mali. FOTO: Bundeswehr/Meike Reetz / Meike Reetz
Saarlouis/Gao. 420 Soldaten aus dem Saarland und Zweibrücken helfen dabei, Mali zu stabilisieren. Ein Gespräch mit ihrem Chef. Von Daniel Kirch
Daniel Kirch

Chefkorrespondent Landespolitik

In brütender Hitze von zum Teil über 40 Grad Celsius verrichten derzeit rund 420 Soldaten der Saarlandbrigade aus Zweibrücken, Saarlouis, Lebach und Merzig ihren Dienst im Wüstenstaat Mali. Die Brigade ist der deutsche Leitverband der UN-Friedensmission MINUSMA, zu der rund 12 000 Soldaten aus 53 Staaten gehören, darunter etwa 850 Bundeswehr-Soldaten. Geführt werden die deutschen Blauhelm-Soldaten in Mali seit Februar von Oberst Aslak Heisner. Der 56-Jährige ist seit 2015 stellvertretender Kommandeur der Saarlandbrigade in Saarlouis.


Was genau ist der Auftrag Ihrer Soldaten?

HEISNER Die Mission MINUSMA dient der Sicherung des Friedens in Mali. Die Kernaufgaben sind, die Waffenruhe, die vertrauensbildenden Maßnahmen zwischen den Konfliktparteien und die Umsetzung des Abkommens für Frieden und Aussöhnung in Mali zu unterstützen. Die Bundeswehr hilft den Vereinten Nationen vorrangig mit der Bereitstellung von Aufklärungsergebnissen und leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Gesamtlagebild in Mali. Wir führen abgesetzte Aufklärungspatrouillen über längere Zeiträume durch, sammeln Informationen und zeigen Präsenz. Außerdem müssen wir natürlich unsere Basis Camp Castor sichern.



Wie gefährlich ist der Einsatz?

HEISNER Grundsätzlich gibt es keine hundertprozentige Sicherheit. Aber die Lage in Mali ist speziell. Trotzdem ist es für uns unabdingbar, mental und physisch darauf vorbereitet zu sein, erforderlichenfalls in einem Gefecht bestehen zu können. Die Luftlandeaufklärer aus Lebach und die Fallschirmjäger aus Saarlouis, Merzig und Zweibrücken sind darauf vorbereitet.

Waren Ihre Soldaten schon einmal in Gefechte verwickelt?

HEISNER Wir können von Glück sagen, dass wir bislang nicht in solche Situationen gekommen sind. Das liegt mit Sicherheit auch daran, dass wir unsere Operationen gut vorbereiten. Das macht es auch nicht leicht, Aktionen gegen uns zu planen. Durch unsere Ausstattung und Ausrüstung wirken wir auch schon abschreckend auf unseren Gegner.

Muss sich die Öffentlichkeit auf einen scheinbar unendlichen Einsatz wie in Afghanistan einstellen?

HEISNER Das hängt von vielen Faktoren ab. Ich bin kein Prophet. Persönlich sehe ich aber momentan sehr viele positive Anzeichen in der Zivilgesellschaft, so dass Mali das Potenzial hat, sich stabilisieren zu können. Die internationale Gemeinschaft wird aber einen langen Atem brauchen. Nehmen Sie beispielsweise die gesamtgesellschaftliche Aufgabe der deutschen Wiedervereinigung oder den KFOR-Einsatz auf dem Balkan – wenn man in solchen Zeiträumen denkt, hat man ungefähr ein Gefühl, wie lange es gehen könnte.

Mali ist ein wichtiges Transitland für Migranten, die sich auf den Weg nach Europa machen. Gibt es eine Verbindung des Migrationsthemas zu Ihrem Einsatz?

HEISNER Unkontrollierte Migrationsströme erschweren die Stabilisierung. Das birgt Gefahren für die Menschen. Mali kann die Migrationsströme nicht großartig versorgen, das belastet die Sicherheitssituation. Es gehört natürlich zu unserem Auftrag, mittels unserer Aufklärungssensoren zu einem umfassenden Lagebild der Vereinten Nationen beizutragen. Dazu gehören auch Informationen über vermeintliche und tatsächliche Migrationsbewegungen.

Welche deutschen Interessen werden in Mali eigentlich verteidigt?

HEISNER Als Soldat folge ich natürlich dem Primat der Politik. Legitimation und Gründe hat der Bundestag erläutert. Aus persönlicher Sicht sage ich: Wer Verantwortung innerhalb der Vereinten Nationen wahrnehmen möchte, der muss sich auch an UN-Einsätzen beteiligen und Pflichten übernehmen. Risiken und Instabilitäten in Mali oder in Westafrika wirken sich auch zeitnah auf die Sicherheit Europas und Deutschlands aus. Das kann man nicht trennen.

Wie kommen die Soldaten mit den klimatischen Bedingungen in Mali zurecht?

HEISNER In Gao leben wir am Südrand der Sahara, deshalb ist es in der Regel zwischen 38 und 45 Grad heiß. Regen gibt es eher selten. In der Einsatzvorbereitung im November/Dezember in Deutschland war das natürlich nicht abbildbar. Aber das Kennzeichen der Luftlandetruppe ist körperliche Fitness, und dementsprechend haben sich die Fallschirmjäger und Luftlandeaufklärer vorbereitet. Das gilt übrigens auch für die Männer und Frauen des Kontingents, die aus anderen Truppen­teilen kommen. Wir machen hier fast täglich Sport, um uns fit zu halten, und haben uns mittlerweile gut akklimatisiert.

 Die Fragen stellte Daniel Kirch.