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Bundespräsident zu Besuch im Saarland
Das Staatsoberhaupt in der Badewanne

Ein ungewöhnliches Sitzmöbel: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender haben es sich beim Besuch des Keramikwerks von Villeroy & Boch in einer aufgesägten Badewanne bequem gemacht.
Ein ungewöhnliches Sitzmöbel: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender haben es sich beim Besuch des Keramikwerks von Villeroy & Boch in einer aufgesägten Badewanne bequem gemacht. FOTO: dpa / Oliver Dietze
Mettlach . Es muss nicht immer ernst sein, findet Präsident Steinmeier bei seiner Reise durch das Saarland. Auch die Menschen freut es – trotz vieler Probleme. Von Pascal Becher
Pascal Becher

Erst einmal alle richtig in Position bringen. Das Protokoll kennt auch im gläsernen Seiteneingang der schicken Schaltzentrale des Weltkonzerns Villeroy & Boch kein Pardon. „Fabrik 9“ heißt das neue Gebäude. Aber das ist jetzt egal: Frank-Walter Steinmeier weit vorn, mit seiner Frau Elke Büdenbender. Neben dem Präsidentenpaar steht Konzernvorstand Frank Göring. Dann kommen noch Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) und seine Frau Tanja, Vize-Regierungschefin Anke Rehlinger (SPD). Danach die Delegation. Passt? Dann alle rein in die Halle, nur ein paar Schritte. Einmal kurz den strahlenden Mitarbeitern auf den Treppen winken, rechts um die Ecke biegen zur Produktentwicklung. Und weg ist der Star-Gast. Fürs Erste. Das deutsche Staatsoberhaupt kommt gleich wieder – und redet noch eine halbe Stunde lang mit den Männern und Frauen des Werks. Aber eben alles der Reihe nach.


Das ist quasi das Motto von Steinmeiers zweitägiger Präsidentschaftsauftakt-Tour durch das Saarland. Es gibt viel zu sehen. Am Dienstag die Landeshauptstadt. Gestern dann die europäische Akademie in Otzenhausen und eben auch der populäre Keramikhersteller in Mettlach. Manche Szenen wiederholen sich: Es gibt für alles einen genauen Ablaufplan und irgendwo liegt stets ein roter Teppich herum.

Das Prozedere überrascht an diesem Morgen in Mettlach niemanden. Sie kennen das. Staatsgäste der Landesregierung kommen gefühlt immer zum „Klo“-Verkäufer, wie Göring sich später einmal ironisch nennen wird. Steinmeier gefällt’s. Er lacht laut. Man ist einfach routiniert im Umgang mit Politikern. „Es ist aber immer hochspannend für uns. Eine große Ehre. Wir kennen Steinmeier ja auch nur aus dem Fernsehen“, sagt Nicolas Luc Villeroy, ein Spross der siebten Generation. Sowieso könne von „normal“ keine Rede sein. Jeder Staatsgast sei anders: Joachim Gauck wollte vor zwei Jahren als damals noch amtierender Bundespräsident „viel über die Historie des Konzerns, des Saarlandes, der deutsch-französischen Geschichte“ wissen. Steinmeier sei hingegen „zukunftsorientiert. Am Zusammenleben der Generationen, Gleichstellung von Mann und Frau im Konzern, Perspektiven für Allein­erziehende in Top-Jobs“ interessiert.

Die Staatsgäste seien auch meistens sehr umgänglich. Wie Steinmeier, der sich für ein Pressebild auch mal in eine Badewanne setzt. Seine Art kommt an. Überall, wo Steinmeiers schwarze Limousine an diesen Tagen anhält, winken ihm die Menschen freundlich zu. Und er ihnen. Das Staatsoberhaupt nimmt sich Zeit für sein Volk. Für Selfies. Kurze Gespräche, hört den Bürgern zu, wenn sie ihm vom Gefühl des Abgehängtseins auf dem Land erzählen („Ohne Autos geht doch nichts“. Oder: „Es fehlen hier Ärzte“). Um eine bessere digitale Infrastruktur und Vernetzung dreht es sich dann am Mittag beim Gespräch mit Jungunternehmern und Wissenschaftlern der Europa-Akademie.

Immer wieder kommt der Bundespräsident auf die politische Agenda seiner Amtszeit zu sprechen: die Demokratie. „Besorgniserregend“ findet er den Rechtsruck in Italien, gerade mit Blick auf andere westliche Staaten – wie Deutschland. „Wir müssen uns um unsere Demokratie kümmern“, appelliert Steinmeier an die Menschen.



Sein Lösungsansatz: „Die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse ist ein Auftrag des Grundgesetzes. Wir müssen dafür aber auch innerhalb der Länder sorgen.“ Er fordert überall im Staat ein Mindestmaß an Versorgung mit Ärzten, Supermärkten, Möglichkeiten für Sport und Unterhaltung. Hier seien die Bundesregierung gefordert und die Landesregierungen. „Das kann nicht die Aufgabe eines einzelnen Ministeriums sein. Auch nicht eines, in dem künftig Heimat in der Begriffsbezeichnung vorkommt“, verweist Steinmeier auf den neuen Ressortzuschnitt des Innenministeriums der wohl bald regierenden großen Koalition. Das Heimatministerium hatte sich die bayerische CSU im Bundeskabinett so eingefordert.

Kritisiert der Bundespräsident da etwa gerade die Bundesregierung? Vielleicht. Womöglich ist sein Blick nur schon wieder weiter nach vorn gerichtet. Kommende Woche soll er ja die neue Regierung offiziell ernennen. Und Steinmeier ist ja ein „zukunftsorientierter“ Mensch.