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Bürger in Uniform gehören zur Stadt

Am 14. April 1961 rückten erstmals Soldaten des Fallschirmjägerbataillons in die Lebacher Graf-Haeseler-Kaserne ein. Lebach ist somit der erste Garnisonsstandort im neuen Bundesland Saarland. Doch die Geschichte Lebachs in Zusammenhang mit dem Militär reicht bis vor den Zweiten Weltkrieg Von SZ-Redakteurin Monika Kühn

Am 14. April 1961 rückten erstmals Soldaten des Fallschirmjägerbataillons in die Lebacher Graf-Haeseler-Kaserne ein. Lebach ist somit der erste Garnisonsstandort im neuen Bundesland Saarland. Doch die Geschichte Lebachs in Zusammenhang mit dem Militär reicht bis vor den Zweiten Weltkrieg. Klaus Altmeyer (Foto: privat), Jahrgang 1926, hat die Geschichte der Bundeswehr und der Soldaten in Lebach verfolgt und die Kriegseinwirkungen vor Ort erlebt.In der Dillinger Straße in Lebach wurden nach der Aufkündigung der im Versailler Vertrag von 1919 vorgeschriebenen Entmilitarisierung der Rheinlande durch das NS-Regime 1936 zwei Kasernen geplant und gebaut. Eine für Stab und erstes Bataillon des Infanterieregiments 125, dort sind jetzt Schulen untergebracht, und eine Kaserne für Artillerie (Teile Regiment 36), die heutige Graf-Haeseler-Kaserne. Der Rohbau einschließlich eines Betondaches der Artilleriekaserne war ebenfalls soweit fertig. Bei den Erdarbeiten wurden dort, erzählt Altmeyer, Fundamente der römischen Villa Weinheck gefunden. Während eines Bombenangriffs am 9. Dezember 1944 wurde diese Kaserne teilweise zerstört. Sie war inzwischen als Depot für den Nachschub eingerichtet.


Die Kasernengebäude in dem heutigen Schulzentrum waren im Juli 1940 bezugsbereit, eine direkte Belegung fand jedoch nicht mehr statt. Sie dienten nach dem Frankreichfeldzug als Reservelazarett. Altmeyer kann sich noch gut erinnern, dass die Bevölkerung von Lebach und Umgebung sonntags genesende Soldaten zu sich nach Hause zum Essen lud. Auch sie hatten meist zwei Gäste.

Im Herbst 1944 wurde aus dem Reservelazarett ein Feldlazarett. Die Aula, heute Bistro, war Exerzierhalle zur sportlichen Ertüchtigung. Die beiden Kasernen waren vom Kriegsministerium gebaut worden. Warum wurden sie in Lebach gebaut? Altmeyer erklärt. Nach der Remilitarisierung des Rheinlandes 1936 bot sich die Gelegenheit, Saarlouis, Saarbrücken, Trier durch weitere Garnisonen zu ergänzen. Der Westwall wurde in Angriff genommen. Lebach war ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Lebach, Merzig, Homburg und Saarburg (Trier) wurden außerdem als neue Kasernenstandorte gewählt.



Auch wurde in dieser Zeit als strategische Maßnahme die Heeresstraße Limbach-Rümmelbach-Jabach, die auch heute noch so heißt, durch Arbeitsdiensteinheiten gebaut.

Flüchtlingslager für Polen

Nach dem Zweiten Weltkrieg haben die Alliierten in der Infanteriekaserne das UNRRA-Lager Team 15 eingerichtet, ein Flüchtlingslager. 2000 polnische Fremdarbeiter, Displaced Persons, wohnten dort, weitere 800 kamen aus der Ukraine oder Weißrussland. Ein Gebäude war der französischen Militärregierung unterstellt, dort wohnten Flüchtlinge aus Ungarn und dem Baltikum.

Im Frühjahr 1947, vor der Währungsumstellung im November, wurden die Polen nach Bad Kreuznach und Niederlahnstein verlegt. Das katholische Lehrerseminar fand nun in dem freien Gebäude eine Bleibe. Es war ein Seminar mit Internat. Der Anfang eines Bildungszentrums war somit gelegt. Weiterführende Schulen wie die Oberschule wurden eingerichtet. Heute befinden sich dort zwei Gymnasien, eine Grund- und Realschule, die Blinden- und Gehörlosenschule, die Landwirtschaftskammer und die Volkshochschule.

Saar-Unternehmen bauten

In oberen Geschossen des Hauptgebäudes der jetzigen Kaserne war nach Kriegsende eine Fabrikationsstätte für Ferngläser und Mikroskope untergebracht. 1951/52 wurde das neue Besatzungsstatut, der Deutschland Vertrag, zwischen den westlichen Alliierten und der Bundesrepublik verhandelt und ein Stationierungsabkommen von neuen Truppen in der Bundesrepublik vereinbart. Die Aufnahme der Bundesrepublik in die Nato stand bevor. Der damaligen Saar-Regierung Hoffmann wurde zur Auflage gemacht, eine neue Militärunterkunft zu erstellen. Dies besorgte Architekt Schirrmeister mit saarländischen Bauunternehmen. 1952/53 zog eine französische Militäreinheit dort ein. Die Offiziere luden die Lebacher Bevölkerung samstags zum Tanz ins Casino.

Nachdem das Saarland 1957 Bundesland geworden war, musste sich das Land auch verpflichten, Flüchtlinge aus Friedland aufzunehmen. 1957 wurde die Landeswohnsiedlung gebaut. Unter den zirka 1000 Flüchtlingen waren auch viele schulpflichtige Kinder. Für sie wurde die Flüchtlingsschule gebaut, in den Räumen ist heute zum Teil das BBZ untergebracht. Bis der Bau stand, wurden die Kinder in der Obhut des Schulleiters Richard Schneider und seines Stellvertreters Josef Kreutzer in einem Gebäude der heutigen Graf-Haeseler-Kaserne unterrichtet. Sie mussten morgens an den französischen Wachen vorbei in ihre Klassen. 1958/59 zogen die Franzosen ab. Die Kaserne war neu hergerichtet. Die Soldaten der Bundeswehr konnten nach Lebach kommen. Das Straßenbild im Ort wandelte sich fortan: Zu den zahlreichen Flüchtlingen gesellten sich nun die Bundesbürger in Uniform in ihrer Freizeit.

Die Nachricht des Tages

Freitag, 14. April 1961

Der Befehlshaber im Wehrbereich vier der Bundeswehr, Generalmajor Herrmann, ernannte heute in Lebach im Kreis Saarlouis den Kommandeur des 261. Fallschirmjägerbataillons, Reino Hamer, zum ersten saarländischen Standort-Kommandanten. Lebach wurde damit der 170. Standort innerhalb der Bundesrepublik. An einem Festakt anlässlich des Einzugs der Fallschirmjäger nahmen Vertreter der Landesregierung - die Minister Ludwig Schnur und Dr. Arthur Heidtschmitt - und des Landtags - Präsident Josef Schmitt - sowie Vertreter der katholischen und evangelischen Kirche sowie der Behörden und Körperschaften des öffentlichen Rechts teil. Zu den Gästen zählten außerdem der amerikanische Standort-Kommandant von Kaiserslautern und im Saarland stationierte höhere französische Offiziere.

Abendschau des SR Fernsehens, Freitag, 14. 04. 1961, 19.15 Uhr.