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Bücherei schließt ihre Pforten

Wadrill. Zu wenige Leser, da lohnte sich der Personal- und Sachaufwand nicht: Nun wird die katholische öffentliche Bücherei St. Martinus in Wadrill geschlossen. Die rund 3000 Bücher und 1500 CDs, DVDs und Videospiele aus dem Bestand werden verkauft. Von SZ-Mitarbeiter Erich Brücker

Die Pflege der Kultur hat in der Pfarrgemeinde St. Martinus Wadrill einen Rückschritt hinnehmen müssen: Zum Monatswechsel hat die Katholische Öffentliche Pfarrbücherei im alten Pfarrheim ihre Pforten geschlossen. Der Bestand an Büchern und Zeitschriften für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit insgesamt 3000 Exemplaren aller Richtungen sowie an elektronischen Medien mit 1500 CD, DVD und Videospielen war ordentlich und interessant, aber auch zeitgemäß und hatte für jeden Geschmack eine gute Auswahl zu bieten.

"Leider sind die Leser in den letzten Wochen und Monaten ausgeblieben, so dass der Aufwand sich nicht mehr gelohnt hat", sagen Claudia Jutz und Ingrid Barbian, die seit Oktober 2000 die Ausleihen allwöchentlich ehrenamtlich organisiert hatten.

Pastor Jakob Spaniol hat die jüngsten Aufräumarbeiten und den Ausverkaufstag des Büchereibestandes an Jedermann zum Anlass genommen, zusammen mit Elisabeth Gimmler (Pfarrgemeinderat) und Hermann Clasen (Verwaltungsrat) den beiden Frauen für ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement zu danken. "Wir nehmen sicherlich nicht gerne Abschied von dieser guten Einrichtung, die im Laufe der Jahre vielen Pfarrangehörigen zu Gute gekommen ist", sagte Spaniol und bescheinigte den Frauen, mit viel Herzblut und Engagement unzählige Stunden ihrer Freizeit geopfert zu haben. Schließlich war es nicht nur mit den Stunden der Ausleihe getan. Bücher, Zeitschriften und andere Medien mussten angeschafft und archiviert werden. Mit viel Enthusiasmus hatten Lutz und Barbian im Oktober 2000 ihr Ehrenamt angetreten. Jetzt ist leider Schluss.

Blumen und ein Geschenk überreichte das Trio an die beiden ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen, die schon etwas traurig darüber waren, dass es so gekommen ist. "Es hat immer viel Spaß gemacht", waren Jutz und Barbian einer Meinung. Schon lange vor dem Zweiten Weltkrieg, aber auch unmittelbar danach war das Wadriller Pfarrheim der kulturelle Treffpunkt im Hochwaldort.

Vor allem kirchliche Vereine hatten mit Theaterspielen viel Leben in das um 1770 erbaute Gebäude gebracht. Ein weiterer kultureller Mittelpunkt war die dort untergebrachte Borromäus-Bücherei. Zur Aufrechterhaltung war eigens der Borromäusverein gegründet worden. Genaue Daten über die Eröffnung der Bücherei gibt es nicht. Wahrscheinlich wurde sie nach dem Umbau des alten Pfarrhauses in ein Pfarrjugendheim unter dem damaligen Pastor Kenn 1931 eingerichtet. Exakte Aufzeichnungen über Büchereibestand und Leseranzahl gibt es erst ab 1954, nachdem Hilde Weber die Leitung der Bücherei übernommen hatte. Ab dann erfreute sich die Bücherei eines regen Zuspruchs, der bis 1996 anhielt. Nach vierjähriger Pause hatten Jutz und Barbian der Bücherei wieder neues Leben eingehaucht. Jetzt steht aber der Ausverkauf an. Wer Bücher und andere Medien erwerben möchte, wende sich an Claudia Jutz, Telefon (0 68 71) 16 44.