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Broadway-Luft im Zeltpalast

Probenauftakt im Zeltpalast Merzig für das Broadway-Musical. Foto: Rolf Ruppenthal
Probenauftakt im Zeltpalast Merzig für das Broadway-Musical. Foto: Rolf Ruppenthal FOTO: Rolf Ruppenthal
Merzig. „Cabaret“ spielt im Berlin der 30er Jahre, machte Liza Minnelli weltberühmt und bekam acht Oscars. Nun soll es in neuem Gewand im Merziger Zeltpalast gezeigt werden. 20 Schauspieler proben jetzt die zweite Woche. Von SZ-RedakteurinMargit Stark

In dem Riesentopf blubbert die Tomatensoße mit vielen Gewürzen, die Tausendsassa Joachim Arnold für sein über 20-köpfiges Ensemble an diesem Tag auf den Speiseplan setzt. Während sich der Chef von Musik- und Theater Saar in der Küche ans Zucchinigemüse macht, frischen Parmesan für das vegetarische Mahl hobelt - familiär geht es zu bei den Proben, aber auch konzentriert und höchst professionell - laufen ein paar Meter weiter im Theaterzelt die Proben zu einem Stück weiter, das Liza Minnelli mit einem Schlag weltberühmt machte: Cabaret, jenes weltbekannte Broadway-Musical von John Kander und Fred Ebb. Bob Fosses Verfilmung des Stückes, das im Berlin Anfang der 30er Jahre spielt, hatte acht Oscars abgestaubt. Jetzt schickt sich die Crew in Merzig an, den Klassiker zwischen Illusion und Horror, zwischen Geflimmer und Hölle in neuem Gewand auf die Bühne zu bringen. Premiere ist am Freitag, 9. August, 20 Uhr.

Tanz auf dem Vulkan

Die "Party-Mucke", mit der Achim Schneider auf Geheiß von Regisseur Holger Hauer die Verlobungsfeier von Fräulein Schneider und Herrn Schulz umrahmt, muss der Mann am Klavier immer wieder unterbrechen. Hauer, in Fernseh-Serien wie "Wilsberg", "Ein Fall für Zwei" und "Familie Dr. Kleist", oder "Tatort" als Schauspieler auf dem Bildschirm präsent, testet aus. Wie ist die Neuinszenierung des Tanzes auf dem Vulkan aufzupeppen? Rhythmische Solobewegungen? Oder Paartanz? Der Mann, der seine Regiekarriere am Staatstheater Saarbrücken startete, entscheidet sich für beides, animiert zwei Kit-Kat-Girls zu einer apart-frechen "Polonaise" durch die Gesellschaft, lässt Otto alias Marcus G. Kulby die Damen wechseln - nach Fräulein Schneider alias Petra Lamy fordert er Kit-Kat-Girl Giulia Fabris auf. "Macht kurze Steppschritte": Längst hat Christopher Tölle seinen Platz unmittelbar vor der Bühne verlassen, beobachtet die Szene von den Zuschauerrängen aus.

"Rückt näher zusammen" deuten Handbewegungen des Choreografen an. Stopp, kurze Beratung mit dem Regisseur, Stellprobe, die Szene wird wiederholt. In der zweiten Woche steht die Crew auf der Bühne. Bis einschließlich Sonntag, 1. September, trifft Show auf Politik, werden 15 Ensemble-Mitglieder mit ihren Zuschauern in die letzten Jahre der Weimarer Republik reisen, in jene Zeit, als die braune Gefahr sich unaufhörlich ausbreitet. Hauers Wunsch: Wer am Ende des Naziliedes "Der morgige Tag ist mein" die Hand zum Hitlergruß hebt, muss klar und deutlich erkennbar sein. "Man muss sehen können, wer von dem bösen Buben aus Österreich bereits verführt ist", verlangt der sympathische, vielseitige Künstler. So dirigiert er Fräulein Kost, dargestellt von Edda Petry, ein paar Zentimeter weiter in die Mitte und feilt an der Aufstellung der übrigen Ensemble-Mitglieder. Nach wenigen Minuten ist's perfekt. Wer neben und hinter wem steht - Regieassistentin Verena Arndt hält's nicht nur auf dem Papier, sondern auch via Handy fest.

Soll Ernst Ludwig, jener Devisenschmuggler im Dienst der NSDAP alias Sven Fliege dem jungen amerikanischen Schriftsteller Cliff Bradshaw (Alen Hodzovic) Aktentasche und Mantel oder nur den Mantel reichen? Ein Detail, für das sich der Regisseur in der Probe entscheidet - nach zweimaligem Vorspiel.

Während der Verlobungsszene hat Conférencier Andrea Pagani Pause. Erst ganz am Ende hat er wieder seinen Auftritt. "Ich habe die Rolle schon einmal gespielt", verrät der Darsteller. Kaum hat das Ensemble verkündet "Der morgige Tag ist mein", ist sein Part gekommen.