| 00:00 Uhr

Blutige Nasen für den guten Zweck

 Deesin Ekkachai (links) von der ausrichtenden NKTA Saarbrücken setzt sich hier im Cruisergewicht-Halbfinale gegen Peter Lumberjack durch. Später gewinnt er auch das Finale. Foto: Wieck
Deesin Ekkachai (links) von der ausrichtenden NKTA Saarbrücken setzt sich hier im Cruisergewicht-Halbfinale gegen Peter Lumberjack durch. Später gewinnt er auch das Finale. Foto: Wieck FOTO: Wieck
Saarbrücken. Die Thai- und Kickboxer aus Deutschland, Luxemburg und Frankreich haben am Samstag nicht nur um den Turniersieg in Saarbrücken gekämpft, sondern auch für den guten Zweck: Die Einnahmen dienen der Unterstützung schwerstkranker Kinder. Von SZ-MitarbeiterMichael Aubert

Die fernöstliche Musik von Trommeln, Zimbalen und Jawa-Flöten, die in der Kampfkunstschule "Nai Khanom Tom Akademie Saarbrücken" immer wieder gespielt wurde, hätte auch den Eindruck vermitteln können, man sei in eine Meditation hereingeplatzt. Doch die Tänze und Rituale, die die Thai-Boxer vor ihren Kämpfen vollzogen, waren Teil einer traditionellen Zeremonie. Diese sollte einerseits den Respekt vor Familie, Trainer und dem Publikum zeigen, andererseits der Nervosität der Kämpfer selbst entgegenwirken.

Rund 200 Zuschauer waren am Samstag in der Metzerstraße, um die überregionalen Thai- und Kickbox-Kämpfe um die "Nai Khanom Tom Major Trophy" zu verfolgen, eine Kampfsport- und Wohltätigkeitsveranstaltung. Blutige Nasen für den guten Zweck, genauer gesagt für das Projekt "The Bridge - we fight for kids", das Alessandro Sorce ins Leben gerufen hat. Es finanziert sich aus Spenden und aus Teilen der Einnahmen aus einer Reihe von Veranstaltungen. Die Summe geht an den Kinder-Hospizdienst Saar. Hauptveranstaltung für das Projekt ist die Kampfsportgala am 18. Januar in der Joachim-Deckarm-Halle. "Nach der Gala wissen wir, wieviel Geld zusammengekommen ist", sagt Sorce, Vizepräsident des Weltverbandes "World all fight system organisation" (ASFO).

Es ist einer von vielen Verbänden in dieser Szene. "Es gibt tatsächlich weltweit 30 bis 40 Verbände", sagt Oliver Baumgärtner, selbst jahrelang aktiv im Ring und jetzt ASFO-Präsident. Er möchte verändern, was ihn früher als Sportler gestört hat: In vielen Verbänden gibt es nur interne Kämpfe, übergreifende Duelle kommen kaum zustande. Daher führt Baumgärtner den Kampf außerhalb der Matten fort. "Die Verbände sind in sich geschlossen", kritisiert er, "und das Konkurrenzdenken unter ihnen ist sehr groß." Dafür, dass er nie das Bedürfnis hatte, als Verbandsfunktionär tätig zu sein, ist sein Antrieb enorm: "Wenn ich es schon mache, möchte es so gestalten, wie ich es mir als Sportler immer gewünscht habe."

Baumgärtner ist überzeugt, dass die kleine Kampfsportgemeinschaft nur zusammen funktionieren kann: "Jeder Sportler muss überall kämpfen können, ohne gleich vom eigenen Verband gesperrt zu werden", sagt er: "Das macht den Sport sonst kaputt."


Zum Thema:

Auf einen BlickDie Sieger der "Nai Khanom Tom Major Trophy": Kinder Nadelgewicht: Yusuf Kuzpinari (FT Muskelkater), Kinder Papiergewicht: Jason Sakraschinky (NKTA Saarbrücken), Juniorinnen Federgewicht: Amandine Falck (Kick Contact Saarguemines), Junioren Weltergewicht: Nikita Osadchy (NKTA), Frauen Fliegengewicht: Melody Hauch (NKTA), Herren Halbmittelgewicht: Morgen Vargas (FT Muskelkater), Herren Supermittelgewicht: Gérard Hergott (Red Devil Muay Thai), Senioren Weltergewicht: Kevin Bielefeld (Kingz Gym Bottrop), Senioren Cruisergewicht: Deesin Ekkachai (NKTA), Saar-Lor-Lux-Titelkampf/Frauen Leichtgewicht: Sindi Benkert (Fight Team Gypsy). red