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Bliesgau zieht mit Serengeti gleich

Saarbrücken. Saar-Umweltminister Stefan Mörsdorf (CDU) hat gestern seinen Stolz auf die Unesco-Auszeichnung für das Biosphärenreservat Bliesgau offen bekundet Von SZ-Redakteur Dietmar Klostermann

Saarbrücken. Saar-Umweltminister Stefan Mörsdorf (CDU) hat gestern seinen Stolz auf die Unesco-Auszeichnung für das Biosphärenreservat Bliesgau offen bekundet. "Wir stehen jetzt im Saarland in einer Reihe mit den großen Kulturlandschaften der Welt wie dem Serengeti-Park in Kenia oder den Everglades in den USA", erklärte Mörsdorf vor Journalisten in der Saarbrücker Staatskanzlei, während hinter seinem Rücken eine Diashow mit Fotos der weltweit bekannten Biosphärenreservate und vom Bliesgau lief. "Für das Saarland ist die Auszeichnung ein Meilenstein und ein Auftrag, die Attraktivität der Biosphäre als Lebens-, Arbeits- und Erholungsraum zu steigern", betonte Mörsdorf.



Dann griff er zum Telefonhörer und rief die Vorsitzende des Deutschen Unesco-Komitees "Der Mensch und die Biosphäre" (Man and Biosphere, MAB) Gertrud Sahler in Jeju/Südkorea an, wo die Unesco die Entscheidung zugunsten des Bliesgaus und der Schwäbischen Alb gefällt hatte. Die Referatsleiterin des Bundesumweltministeriums gratulierte dem Saarland und sagte, dass die beiden deutschen Vorschläge unter den 20 angenommenen für die Unesco-Liste beispielhaft seien. In Deutschland tragen jetzt 15 Gebiete das UN-Siegel, darunter der Pfälzer Wald.

Mörsdorf lud Sahler am 23. August zum Biosphärenfest nach Kirkel ein. "Frau Sahler hat im Bliesgau erfolgreich Überzeugungsarbeit geleistet", sagte Mörsdorf. Es hatte in der Vergangenheit Einwände von Bauern, Fischern und Jägern gegeben, die um ihre Arbeitsmöglichkeiten in der Biosphärenregion fürchteten. "Es ist wesentlich ruhiger geworden", sagte Mörsdorf, der nach eigenen Angaben 80 Abendtermine in der Region absolviert hat.

Ein weiteres Biosphärenreservat etwa auf dem Saargau oder im Hochwald sei jedoch nicht geplant. "Wir lassen die Kirche im Dorf", erklärte der Umweltminister. Geldwerte Vorteile für die Biosphärenregion ließen sich nur schwer messen. "Die Unesco-Auszeichnung ist eine Ehre. Dadurch wird es einfacher, an Fördergelder zu kommen". Zentrale Zukunftsprojekte seien die Förderung des Tourismus und der Ortskerne. Vor allem fehle ein größeres Hotel im Bliesgau für etwa 100 Gäste, betonte Mörsdorf. Auch die Landtags-Fraktionen von CDU, SPD und Grünen begrüßten die Unesco-Entscheidung.

Der Vorsitzende des Biosphären-Zweckverbandes Herbert Keßler (CDU) sagte, dass ein Biosphärenhaus in Blieskastel errichtet werde. Pia Schramm, Sprecherin des Zweckverbandes, fügte hinzu, dass dieses Haus ein Dienstleistungszentrum für die ganze Region werden solle. Die Querelen des vergangenen Jahres um die Besetzung des Zweckverbands-Geschäftsführers spielten am gestrigen "Biosphären-Feiertag" keine Rolle mehr.