| 18:47 Uhr

Bistum Trier startet 2020 mit 13 Groß-Pfarreien
Ackermann teilt die Pfarreien-Reform auf

 Neugliederung der Pfarreien im Saarland - nur gelb markierten starten zum 1. Januar 2020, die anderen folgen (Anklicken für Vollansicht).
Neugliederung der Pfarreien im Saarland - nur gelb markierten starten zum 1. Januar 2020, die anderen folgen (Anklicken für Vollansicht). FOTO: SZ / Müller, Astrid
Trier. Ab dem Jahr 2020 soll es die ersten 13 XXL-Pfarreien im Bistum Trier geben, darunter fünf im Saarland. Der Bischof verspricht „neuen Schwung“. Von Rolf Seydewitz (SZ) und Michael Merten (KNA)
rolf seydewitz

Wird sich die Umsetzung der geplanten Strukturreform verzögern? Entsprechende Gerüchte kursieren im Bistum Trier schon seit Monaten. Doch wann immer man Bischof Stephan Ackermann oder seine Führungscrew danach fragte, schüttelten diese beharrlich den Kopf: Nichts dergleichen sei geplant, es bleibe beim Zeitplan, hieß es unisono immer wieder.


Bis gestern: Da traten der Bischof und sein Generalvikar Ulrich Graf von Plettenberg am späten Vormittag vor die Journalisten, um zu erklären, dass die „erste Stufe der Umsetzung der neuen Raumgliederung“ am 1. Januar nächsten Jahres mit 13 Pfarreien starte.

Eine echte Überraschung. Denn von einer ersten Stufe, bei der nur ein Drittel der insgesamt vorgesehenen 35 neuen Großpfarreien errichtet werden soll, war bislang keine Rede gewesen.



Noch Ende Oktober, als vor dem Trierer Dom rund 1500 Gläubige gegen die mit der Reform einhergehende Zwangsauflösung der Pfarreien demonstrierten, bekräftigte Ackermann in einer improvisierten Pressekonferenz, dass die Bistumsleitung am Zeitplan und den Inhalten der Reform festhalten werde – auch wenn bei der Umsetzung womöglich nicht alles schon zum 1. Januar 2020 in trockenen Tüchern sei.

Jetzt sieht es so aus, als sei bis dahin noch ziemlich vieles nicht in trockenen Tüchern, auch wenn sich der Bischof am Donnerstag redlich mühte, diesen Eindruck gar nicht erst aufkommen zu lassen. Ackermann sagte aber auch, dass sich einige Dinge erst klären ließen, „wenn der Ernstfall beginnt“, und es auch danach noch „Präzisierungen und Nachjustierungen“ geben müsse. Und dass die sogenannten Teilprozessgruppen, die sich mit unterschiedlichen Einzelheiten der Reform befasst haben, „teilweise an ihre Grenzen gestoßen“ seien.

Immerhin: Bei den 13 Großpfarreien, die noch in diesem Jahr aus der Taufe gehoben werden, darunter fünf im Saarland (siehe Grafik), soll jedenfalls alles so laufen wie geplant, will heißen: Sie gehen mit Beginn des nächsten Jahres an den Start, die alten Dekanate und Kirchengemeinden werden bis dahin aufgelöst, neue Leitungsteams implementiert. „Es kann nicht so weitergehen wie bisher“, sagte der Bischof, und es klang so, als müsse er sich selbst noch einmal versichern, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Das Ziel immer fest vor Augen: „Wir wollen das Evangelium mit neuem Schwung und neuer Freude leben.“

 Dass Bistümer die Zahl ihrer Pfarreien deutlich reduzieren, liegt im Trend; ob im Nachbarbistum Limburg oder im Erzbistum Freiburg: Fusionen sind angesagt. Ackermanns Reformpläne gehen aber weiter als andere. Sie gehen zurück auf die von 2013 bis 2016 tagende Trierer Diözesansynode, die als Versammlung von Laien und Geistlichen zahlreiche Vorschläge zur Neuausrichtung des kirchlichen Lebens ausarbeitete. Es war die erste Synode in einem deutschen Bistum in diesem Jahrhundert.

Ackermann sagte, die Verantwortlichen in der Bistumsleitung hätten sich gefragt: „Wann überfordern wir die Menschen vor Ort, aber auch die Verwaltung?“ Daher werde die Umsetzung der Pfarreienreform in zwei Schritten vorgenomen. Der Bischof machte deutlich: „Das ist keine Rolle rückwärts, das ist eine Konkretisierung.“ Er glaube aber, „dass es für manche eine Entlastung sein wird; einige werden aufatmen“.