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| 20:11 Uhr

Bis hierher und nicht weiter

Sulzbach. Es gibt Redensarten, die gehen mit purer Fassungslosigkeit einher. "Du Opfer" ist eine solche. Sie zeigt tiefste Verachtung für das Gegenüber. Seit geraumer Zeit grassiert diese Redensart unter jungen Leuten, manche sind nicht älter als zehn Jahre. Und es grassiert die Gewalttätigkeit. Nicht unbedingt die Gewalt, die schwere Verletzungen nach sich zieht Von SZ-Redakteurin Michèle Hartmann

Sulzbach. Es gibt Redensarten, die gehen mit purer Fassungslosigkeit einher. "Du Opfer" ist eine solche. Sie zeigt tiefste Verachtung für das Gegenüber. Seit geraumer Zeit grassiert diese Redensart unter jungen Leuten, manche sind nicht älter als zehn Jahre. Und es grassiert die Gewalttätigkeit. Nicht unbedingt die Gewalt, die schwere Verletzungen nach sich zieht. Eher die Gewalt, die das Opfer mit blauen Flecken und Quetschungen zurücklässt.Günter Herrmann aus dem Sulzbacher Stadtteil Neuweiler kennt das alles. Der 42-Jährige ist Meister der asiatischen Kampf- und Heilkunst. "Doctor of Philosophy in Martial Arts Science" darf er sich zwar nicht hierzulande, aber in den USA nennen. Weil er an einer Universität in Georgia studiert und dort seine Lehrbefähigung erlangt hat. Vier Jahre hat er für einen Sicherheitsdienst gearbeitet.

Heute verdient er, der alleinerziehende Vater eines 13-jährigen Jungen, sein Geld vor allem mit der Heilkunst: Wirbelsäulenbegradigung und anderes mehr zählt zu seinen Fachgebieten. Nebenbei trainiert Günter Herrmann im vierten Jahr bei der DJK in Neuweiler junge Leute in Selbstverteidigung. Kin-Do Jitsu, "Weg zum Erfolg", nennt sich das. Herrmann gibt außerhalb der DJK auch Selbstbehauptungskurse vor allem für Schüler. Damit sich Jungen und Mädchen nicht ausgeliefert fühlen gegen Anmache und körperliche Gewalt.

In dieser Mission hat er schon Hunderte von Jugendlichen an einem Saarlouiser Gymnasium und an der Erweiterten Realschule Sulzbach unterrichtet. Demnächst ist er in einer Saarbrücker Gesamtschule tätig.

Günter Herrmann ist ein sanftmütiger Mensch. Ruhe und Gelassenheit strahlt er aus. "Wer Walzer tanzen kann, der kann sich auch verteidigen", sagt er. Um in der Praxis vorzuführen, was er meint. Schläge ins Leere laufen lassen, durch elegante Bewegungen. Das ist das eine. Es gibt viele solcher Methoden. Dass er den jungen Leute, die sich wirksam wehren wollen, keine Aggressivität antrainiert, ist das andere. "Schlag- und Tritttechniken nicht vor dem 14. Lebensjahr", sagt der Selbstbehauptungstrainer: "Kinder sind dazu psychisch nicht in der Lage." Wohl aber lehrt er sie, nicht nur auszuweichen, sondern auch die drohende Gewalt im Keim zu ersticken. Berührungsängste abbauen, das Selbstbewusstsein stärken, sich stark machen gegen Widersacher, das sind seine Themen. Günter Herrmann erklärt den jungen Leuten aber auch, was gewalttätiges Handelns nach sich ziehen kann: dass nämlich sie und nicht ihre Eltern für Gesundheitsschäden finanziell geradestehen müssen.

Er redet mit ihnen über Mobbing, über den respektlosen Umgang mit anderen. Und er weckt den Helferinstinkt. Weil ein Mensch, der dazwischengeht, ein wahrer Held ist. Der Selbstbehauptungstrainer zeigt den Kindern, wie sie richtig fallen, ohne sich weh zu tun - auch auf hartem Asphalt. Schon das, sagt er, stärkt das Selbstvertrauen. Er macht die Kinder stark gegen die Härten des Lebens. Auch die vermeintlich körperlich Schwachen, die oft Opfer brutaler Angriffe sind. "Die Schwächeren erkennen plötzlich, dass sie durch Ausweichtechniken gegen die Großen eine Chance haben", sagt der 42-Jährige und lächelt. Alles eine Frage der Kunst und des Könnens. Spezielle Übungen bringt er jungen Leuten bei, die sie zu Hause allein üben können. Und dann hat Herrmann, wie er sagt, noch spezielle psychologische Tricks auf Lager, die dazu geeignet sind, den Gegner zu bezwingen. Ganz ohne Gewalt. "Wer Walzer tanzen kann, der kann sich

auch verteidigen."

Günter Herrmann